Falscher Rockstar geht ohne Fans auf Tour

Der US-Musiker Jered Threatin erfand eine eigene Band, gigantische Fan-Base und boomende Ticket-Verkäufe. So erschlich er sich eine «ausverkaufte» Europa-Tour. Dumm nur, dass niemand aufkreuzte.

Ob dreister Grössenwahn oder cleverer Marketing-Gag – was Jered Threatin, einen Rockmusiker aus den USA, dazu getrieben hat, diese kuriose Story durchzuziehen, lässt sich nicht ganz klar einordnen. Geht man aber nach dem Grundsatz «Auch schlechte Presse ist gute Presse», ist dem Wannabe-Superstar jedoch der Coup des Jahres gelungen.

Von Youtube auf die Bühnen der Welt

Wie der Blog «MetalSucks» berichtet, soll der junge Mann aus Los Angeles die Schnauze voll davon gehabt haben, auf seinen Durchbruch zu warten und seine – gar nicht mal erwähnenswert schlechte – Musik via Youtube-Videos mit mittelmässigen Klickzahlen zu verbreiten.

So «gründete» Jered kurzerhand eine Hardrock-Band mit austauschbaren Studio-Musikern unter seinem eigenen Nachnamen «Threatin», kaufte sich eine beachtliche Menge Facebook-Fans und promotete unter einem nicht-existenten Label eine Europatour, die ihn durch Grossbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland führen sollte.

Drei Fans beim «ausverkauften» Gig

Veranstaltern und Konzerthallen versprach er unter falschem Namen als «Agent» eine Show der Extraklasse, versprach schon im Vorhinein ausverkaufte Venues und verschickte als Beweis Clips von unzähligen tobenden Fans bei einem angeblichen Auftritt von «Threatin». Der Twist: Alles nur gelogen. Die Aufnahmen der feiernden Menge stammen von einem Konzert einer anderer Band.

Die Farce begann öffentlich zu werden, als der «Agent» der Band den Veranstaltungsort «Underworld» im englischen Camden davon überzeugte, dass Threatin 291 Tickets für den Auftritt am 1. November vorverkauft hätte. Die Verwunderung war gross, als schlussendlich genau drei Leute auftauchten.

Kein Kommentar

Ein paar Nächte später wiederholte sich das traurige Schauspiel im «Exchange Club» in Bristol. Die als Support-Act gebuchte Band «The Unresolved», sagt gegenüber «MetalSucks»: «Soweit wir das beurteilen können, ist Threatin der Typ und nicht die Band. Sein Name ist Jered Threatin und er sagt, er sei ein Solokünstler mit einer angestellten Band. Es waren 13 Leute im Raum, als wir spielten. Der Toningenieur, Barkeeper, zehn Leute, die wir mitgebracht haben und einer, der tatsächlich ein Ticket gekauft hatte.»

Nach Bekanntwerden des Scams sagten die noch ausstehenden Veranstalter der «Breaking the World»-Tour alle Konzerte des – man kann es ja fast nicht anders sagen – höchst ambitionierten Musikers ab. Jered Threatin selbst äusserte sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen, löschte aber bereits vorsorglich alle seine Social-Media-Kanäle.


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6 Kommentare

Sommer Salt vor 1 Monat
Jetzt kommt der Clou... Hervorragende Vorlage für ein Drehbuch und dazu basierend auf einer wahren Geschichte. Also wenn er es geschickt anstellt könnte er zwar nicht als Musiker dafür aber als Regisseur noch zu Ruhm gelangen. Ich würde mir den Film angucken 😀
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Landei vor 1 Monat
Und alles geschieht nach Übereinstimmung mit der Prophezeiung
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Hin Du vor 1 Monat
Offenbar hat er einfach alles richtig gemacht. Sonst käme er ja nicht bei Tilllate in der Schweiz mit so einem grossen Artikel ins Rampenlicht der Medien. Was ihn dazu getrieben hat, wäre damit auch schon beantwortet.
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Fan vor 1 Monat
Und was bringt ihm das jetzt? Da er seine Social Media Kanäle gesperrt hat, ist der Werbe-Effekt wohl dahin...
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