«Wollen wir nicht mal einen Sexfilm gucken?»

So gut wie jeder Teenager kommt noch vor der Volljährigkeit in Kontakt mit Pornographie. Vor dem Internet hat man eben einfach noch in Papas Schrank gesucht. Die Tilllate-Redaktion erzählt, wie sie zum ersten Mal Pornos geschaut hat.

Sei mal ehrlich – wann bist du zum ersten Mal auf Youporn gelandet? Wir behaupten, du hast schon relativ harte Pornos gesehen, bevor du überhaupt selber Sex hattest. Wie die meisten von uns.

Immer mal wieder jammert irgendwo ein Jugendpsychologe, dass die heutigen Teenager ihr sexuelles Halbwissen hauptsächlich aus dem Internet haben. Aber eigentlich war das bei uns nicht anders. Wir mussten uns zwar etwas mehr Mühe geben – aber ein pubertierender Jugendlicher auf der Suche nach Videos mit Brüsten hat mehr Durchhaltevermögen als Alexander «Honey» Keen auf seiner verzweifelten Mission, ein Star zu werden. Es wird nicht klappen, Honey, glaub mir. Gib es auf – lass einfach los. Aber ich schweife ab.

Der Punkt ist: Auch wir Mittzwanziger, die noch ohne die Annehmlichkeiten einer umfassenden digitalen Pornosammlung aufgewachsen sind, kamen schon früh mit Aufnahmen von nackter Haut in Berührung. Die Tilllate-Redaktion erzählt, wie sie zum ersten Mal einen Porno gesehen hat.

Der Freund, der vor mir wichsen wollte

In der Primarschule war Alex* mein bester Freund. Er war ein Jackson-Fan und ein Computernerd, der genau so wie ich im Sport immer als letztes gewählt wurde. Eines Abends wollte ich bei ihm pennen, damit wir stundenlang Pokémon zocken konnten. Kurz nach Mitternacht zog er aber unter seinem Bett einen Porno hervor, den er bei seinem Vater geklaut hatte. «Wollen wir nicht mal einen Sexfilm gucken?», fragte er. Logisch!

Also sahen wir uns ein bisschen Sex an. Bei mir regte sich damals nicht sonderlich viel. Bei ihm schien das anders zu sein, denn: Nach rund fünf Minuten fragte er mich, ob ich mir nicht eins runterholen möchte – vor seinen Augen. Er würde es danach auch machen, wir seien schliesslich beste Freunde.

Ich fand das weird, erfand eine Ausrede um abzuhauen und langsam löste sich unser Kontakt auf. Ein Jahr später erfuhr ich von einem anderen Freund, dass er das auch bei ihm versucht hatte. Wahrscheinlich war das seine Masche. Und vielleicht hat mich das geprägt, denn heute noch onaniere ich nicht gerne vor fremden Menschen.

Rosamunde Pilcher, du versautes Luder

Mit zehn oder elf ist man eigentlich viel zu jung, um sich mit Sex zu beschäftigen. Vielleicht eher unbewusst was die Entwicklung betrifft, aber sonst sollten eher Popstar-Crushes, Fidget Spinner oder Fernsehen an oberster Stelle stehen. Eines Freitagabends überzog ich meine TV-Erlaubnis bis in die späten Abendstunden (frag mich nicht, wo meine Eltern da waren) und blieb an einem schnulzigen Film hängen. Du weisst schon, Sepia-Filter, Mann und Frau, die ultra verliebt sind und frohlockend durch hohe Wiesen rennen. Rosamunde Pilcher hätte vor Freude geweint, so kitschig war der Scheiss.

Doch plötzlich, Szenenwechsel. Männlein und Weiblein landen im Himmelbett mit flatternden Tüchern die runterhängen und aus heiterem Himmel landet der Kopf des Dudes zwischen den Beinen der halbnackten Frau. Viel zu lange dauerte es, bis ich checkte, dass dies ein Softporno war, stellte beschämt die Flimmerkiste ab und fühlte mich so, als hätte ich etwas Schlimmes angestellt.

Ob mich diese frühe Porno-Erfahrung negativ beeinflusst hat, weiss ich nicht genau. Aber meine Jungfräulichkeit hab ich dann wenig später, mit 13 Jahren, ziemlich früh und unromantisch verloren.

Zum Glück kein Kacke-Fetisch


Ich schaue keine Pornos. Die männlichen Darsteller sind mit Muskeln übersäte Proleten und die Frauen mit den Silikonbrüsten und schlecht angeklebten falschen Wimpern offensichtlich etwas zu hässlich für ihre wahrscheinlich seit Kindheitstagen angestrebte Modelkarriere. Und überhaupt fehlt mir da die Romantik. Erwischt, ich bin halt eine Frau.

Doch trotz – oder vielleicht genau wegen – meiner tief verankerten sexuellen Abneigung gegen schlecht gedrehten Popp-Marathons ist mein erstes und eigentlich auch letztes Porno-Erlebnis eines, das sich in mein Gehirn gebrannt hat.

Und das nicht etwa, weil der amateurhaft gefilmte Schmuddelclip besonders gut war, sondern weil ich mir das Video zusammen mit zwei kichernden Schulfreundinnen im öffentlichen Computerraum neben anderen pubertierenden Game-Nerds im Gymnasium angesehen habe – und dabei fast das Mittagessen auf die Tastatur gekotzt habe.

Ach ja, und der Ton war dabei selbstverständlich an. Wer vor zehn Jahren auch nur eine klitzekleine Sequenz von «Two Girls, One Cup» gesehen hat, wird verstehen, was ich meine. Mal abgesehen vom Ekel- und Schamgefühl regte sich bei mir also rein gar nichts. Eins habe ich als 14-Jährige aber gelernt: Einen Kacke-Fetisch habe ich definitiv keinen.

Und bei dir so?

Trotz aller augenöffnender und kotzreiz-triggernder Schockmomente hat niemanden von uns der erste Kontakt mit nackter Haut auf Bewegtbild wirklich grossartig traumatisiert. Die meisten von uns sind wohl auch heute noch mehr oder weniger regelmässige Konsumenten erotischer Darstellungen, andere haben sich sattgesehen und verlassen sich auf ihre eigene Phantasie. Grundsätzlich gilt doch, wie so oft im Leben: Erlaubt ist, was Spass macht.

Die Kommentarspalte steht jetzt offen für Diskussionen über Pros und Kontras zum Thema Sexfilm. Los gehts!


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27 Kommentare

Bin auch eine Frau :) aber: vor 26 Tagen
Dass alle Männer in Pornos muskelbepakt sind und alle Frauen hässlich und mit Silikontitten ausgestattet sind stimmt nicht. Diese Art von Pornos huch mit aufgesetztem Stöhnen und so hat mich auch lange abgeschreckt und ich habe den Sinn nicht gesehen, bis ich dann irgendwan einen Film sah, bei dem die Protagonisten ganz normal aussahen... Vielleicht hast du falsch gesucht? Man muss halt wissen was einem gefällt. Es gibt aber schon vieles, was wirklich eklig ist und ich mich frage warum man das gerne schaut. Auch warum so viele Video-Titel mit Inzest in Verbindung gebracht werden kann ich absolut nicht verstehen. Wenn da was von Tochter/Schwester/Bruder/Vater steht, törnt dass doch sofort total ab.
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Manuell vor 26 Tagen
"Und vielleicht hat mich das geprägt, denn heute noch onaniere ich nicht gerne vor fremden Menschen." Bester Satz.
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Chris vor 26 Tagen
Damals in den 80-er, 3. oder 4. Klasse oder so im Gebüsch neben der Schule ein weggeworfenes Porno Heftchen gefunden. War völlig erstaunt, dass das Teil von der Frau in den Mund genommen wurde. Auch wusste ich nicht wieso sie am Schluss plötzlich etwas weisses im Gesicht hatte. Man war ich ein Landei.
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Julia vor 26 Tagen
Pornografie ist gut und gut für Frauen. Lang lebe Pornografie, die höchste Kunstform.
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