«Die Fussball-WM zeigt eine verzerrte Realität»

Wegen leicht bekleideter Fussball-Fans erntete eine Fotoagentur einen Shitstorm. Feministin Tamara Funiciello findet, die sexistische Darstellung ist nur Symptom eines grösseren Problems.

Vergangenen Montag postete die US-Fotoagentur Getty eine Bildstrecke mit dem Titel «Die schärfsten Fans der Fussball-WM» – eine Zusammenstellung weiblicher, leichtbekleideter WM-Zuschauer, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Der Sturm der Entrüstung liess nicht lange auf sich warten. «Die Siebzigerjahre haben angerufen und sie wollen ihre Frauenfeindlichkeit zurück», kommentierte etwa eine Twitter-Userin. Getty entfernte den Post umgehend.

 

 

Die Kritik richtet sich auch an die FIFA. Filmt die Kamera ins Publikum, sind eher junge, schöne Frauen mit tiefem Dekolleté zu sehen als Normalsterbliche. Wir sprachen mit Juso-Präsidentin und Feministin Tamara Funiciello über die Rolle von Fans im Fussball-Narrativ.

Ist dir aufgefallen, welche Art Fans bevorzugt bei der WM gezeigt werden?
Klar. Und seit ich diese Story mit der Getty-Bildstrecke gesehen habe, achte ich bewusst drauf. Dabei stelle ich aber fest, dass die Problematik abgenommen hat: Es wurden auch mehrere Bilder von Personen, die nicht unbedingt dem Schönheitsideal entsprechen, gezeigt. Vielleicht ist es nur meine eigene Wahrnehmung – aber es wäre schön, wenn die Kritik wirkt.

Findest du, der Shitstorm war gerechtfertigt?
Absolut. Es ist wichtig, dass diese Bilder hinterfragt werden. Es wird nur das gezeigt, was man gerne sein möchte – allerdings sehen nur sehr wenige Frauen so aus. Deshalb ist das eine verzerrte Darstellung der Realität. Beim Fussball spielen da aber noch viele weitere Komponenten mit.

Was meinst du?
Dieses machoide Verhalten auf dem Feld – diese leicht animalische Attitüde. Wenn sich die Spieler ihre Trikots vom Leib reissen, zelebrieren sie eine übertriebene Männlichkeit. Dazu passen dann eben auch die Hochglanz-Magazin-Schönheiten im Publikum, die ihnen zujubeln.

Ich war neulich bei einem Public Viewing, wo sofort ein Raunen durch die Menge ging, immer wenn eine leicht bekleidete Frau gezeigt wurde.
Das ist es genau. Es handelt sich um eine hochstilisierte Welt, die wir nie erreichen werden. Viele Männer, die Fussball schauen, würden gerne ein Leben führen wie die Typen auf dem Feld. Du rennst über den Platz, verdienst dabei Millionen und eine Horde halbnackter Frauen jubelt dir zu. So gesehen können auch Männer darunter leiden.

Es ist halt eine Art Narrativ, das konstruiert wird.
Genau, ein Narrativ von modernen Helden und die Frauen im Publikum sind ein Teil davon. Wahre Helden gibt es nicht mehr, deshalb schauen wir halt Fussball.

Dann findest du das gar nicht so schlimm?
Doch, es ist eine Katastrophe! Da rennen ein paar Gladiatoren übers Feld und wir tun alle so, als wäre es wirklich relevant.

Ist es nicht einfach eine Form der Alltagsflucht?
Ja, es geht darum, die Leute von den wahren Problemen abzulenken. Wenn man schaut, was sonst auf der Welt passiert, hat eine Fussball-WM null Relevanz. Wir stehen vor den grössten Herausforderungen seit Jahrzehnten und logisch wäre es schön, wenn die Welt ein Fussballspiel wäre – so einfach ist es aber nicht.

Was sollen wir dagegen tun?
Man sollte sich einfach überlegen, ob man Fussball eine solche Dimension geben möchte und reflektiert damit umgehen. Ich hoffe einfach, dass die Leute irgendwann wichtigeren Themen ähnlich viel Platz einräumen wie einer WM. Solange darin so viel Geld steckt, wird das aber kaum passieren. Es wäre schön, wenn Fussball unser grösstes Problem wäre – ist es aber nicht.


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220 Kommentare

oskar müller vor 9 Tagen
in welcher klapsmühle wurde denn dieses gespräch aufgezeichnet ???
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Antwort
Eufemio Bernasconi vor 10 Tagen
Uii jetzt haben sie grad eine hübsche schwedin gezeigt. T.F...schon auf der palme?
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Antwort
JusoNoDanke vor 10 Tagen
Die Tamara Funiciello will einfach nur Aufmerksamkeit, wie letztendlich alle. Leider hat sie dazu einen Weg gewählt den wir mit unseren Steuern zahlen müssen. Vielleicht ist es aber auch Eifersucht, denn die abgebildeten Mädels sind wirklich schön.
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HomerIII vor 10 Tagen
Was diese Funiciello rauslässt, ist einfach nur Schwachsinn. Das hindert die Medien jedoch nicht, ihr stets eine Plattform zu geben, um ihren Stuss zu verbreiten. Am meisten ärgert mich jedoch, dass die JUSO-Chaoten - mit ihren völlig verblendeten Parolen - mit unseren Steuergeldern mitfinanziert werden.
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