Ich habe für Geld meine Socken und Würde verkauft

Getragene, verschwitzte, echt hässliche Socken – dafür geben Menschen Geld aus. Unsere Redaktorin hat versucht in der Nische Stutz zu verdienen. Und das war schwieriger als gedacht.

Die getragenen Höschen verkaufen? Offenbar ein Phänomen, das vor allem in Studikreisen ziemlich weit verbreitet ist. Wer als Studentin mit seinem Mindestlohn im Detailhandel nicht genug verdient, um seinen Markenfummel auszuleben, der greift sich im der Unterwäscheschublade halt einfach den erstbesten Slip, verdreckt ihn mit dem eigenen Sekret und häuft sich so ein kleines Imperium an.

Um herauszufinden, ob ich als Normalo, die weder einen Modeblog führt noch bis in die hinterletzte Escort-Ecke verstrickt ist, auf diesem Weg ebenso meine Finanzen optimieren kann, wage ich den Selbstversuch. Höschen zu verkaufen geht mir allerdings zu weit. Um mir das Geschäft meines Lebens aber trotzdem nicht komplett entgehen zu lassen, entscheide ich mich für die mildere Variante – und versuche möglichst würdevoll meine stinkenden, verschwitzten Socken zu verkaufen. Beisst bei einem Sockenverkaufamateur wie mir tatsächlich jemand an?

Nein, ich will deine Füsse nicht lecken

Die erste Station auf dem einfachsten Weg, Kohle zu scheffeln: Socken kaufen und ein Inserat aufgeben. «Getragene Damensocken mit Wohlgeruch» – darauf stehen die Fussfetischisten garantiert. Um es zu vermeiden, Fussliebhaber zu outen und dabei womöglich auch noch auf einen Bekannten zu treffen, entscheide ich mich für den Postversand und eine Banküberweisung. Alles völlig anonym.

Der Socken-gegen-Stutz-Tausch stellt sich allerdings etwas schwieriger heraus, als anfänglich gedacht. Von den gut zehn E-Mails, die mir innerhalb der ersten paar Stunden in den virtuellen Briefkasten flattern, wollen gerade mal drei die Socken.

Statt mir klare Anweisungen bezüglich der Tragdauer und dem Sockenmaterial zu geben, äussert jeder seinen ganz speziellen Extrawunsch: Vom Füsselecken – meiner eigenen und die der Fetischisten –, Einladungen zu Gesprächen über Füsse zu Interessenten nach Hause bis zum Verkauf von Unterwäsche kriege ich alles zu lesen. Ich verkaufe aber Socken. Und zwar ausschliesslich SOCKEN, verstanden?

Der erste Fussanbeter gibt mir einen Korb

Die Fussfetischgemeinde entpuppt sich als mühsame, nicht so einfach zufriedenzustellende Truppe. Statt steigendem Kontostand, stieg bei mir nur der Blutdruck. Einigen Grüseln hätte ich nur zu gerne eine virtuelle Ohrfeige verpasst. Ja, ich meine vor allem dich, «JohnRambo88».

Nachdem die Erfolgsquote meines Angebots auch nach einer Woche ausbleibt, passe ich mich den Forderungen eines Fussanbeters an und vereinbare ein persönliches Treffen mit einem der Verehrer. Schliesslich will ich dieses Geld endlich in mein Portemonnaie verschwinden sehen. Weil dem werten Herrn der Weg aber scheinbar zu weit ist – come on, es wäre gerade mal eine 20-minütige Busfahrt gewesen – lässt er mich drei Stunden vor dem vereinbarten Termin hängen. Idiot.

Footjob? Nein danke

Mein zweiter Versuch sieht vielversprechender aus: Der Interessent will meine Socken. Und zwar nur meine Socken. Und der junge Typ ist sogar mit dem Postversand einverstanden. Das lässt er mich zumindest glauben. Weil er nämlich schon sooft verarscht wurde, will er mir das Geld nun trotzdem nur persönlich übergeben. Vorgeheucheltes Flirten hilft da leider auch nicht weiter.

Die einzige Möglichkeit, doch noch ein bisschen Geld abzustauben, scheint also wohl oder übel ein persönliches Treffen. Leider wächst schon mit jedem E-Mail-Austausch der Ekel, wenn ich nur daran denke, dass er sich bald meine verschwitzten Socken ins Gesicht drücken und sich dabei einen runterholen könnte. Und statt einem simplen Kohle-Socken-Tausch verlangt er nun auch noch ein Video, in dem ich einem Gegenstand einen Footjob gebe.

30 Franken will er dafür hinblättern, dass ich noch einen weiteren Teil meiner fast schon inexistenten Würde hergebe. Gehts eigentlich noch?! Für weniger als 50 Franken reibe ich bestimmt an keiner Banane rum und prostituiere ich meine Füsse sicher nicht, Bürstli. Schliesslich einigen wir uns auf die Socken und einige sexy instagram-filterüberzogene Fotos meiner Füsse.

Mit Handschuhen und luftdichtem Plastiksack

Für das Treffen mit dem «Socken-Dude», wie ich ihn mittlerweile liebevoll nenne, nehme ich sogar eine Zugfahrt in die Ostschweiz in Kauf. Während dieser Stunde macht sich Nervosität und Ekel breit. Nervosität vor dem seltsamen Typen, der mir tatsächlich Geld für getragene Socken geben will. Ekel vor dem Gestank, der mir in wenigen Sekunden in der Zugtoilette entgegenschlagen wird, sobald ich die Schuhe ausziehe.

Vorsichtshalber lege ich mir darum Handschuhe an, halte einen luftdichten Plastiksack bereit und öffne den Reissverschluss der Stiefel. Nicht ahnend, dass meine Füsse nach drei Tagen in ungewaschenen Socken tatsächlich so mies stinken können, unterdrücke ich den Würgereiz, verstaue alles in meiner Tasche und verschwinde ganz schnell wieder aus dem Klo.

100 Franken für ein Paar Socken

Die Übergabe verläuft schliesslich reibungs- und emotionslos: Sachter Handshake zur Begrüssung, kurzer Smalltalk, ich strecke meine Hand nach dem 100er-Nötli aus und reiche ihm mit der anderen die Socken, die ich sorgfältig entfernt habe. Und bye.

Ob er nun in die vergammelten Socken wichst, sie sich in die Fresse steckt und dabei über das Display streichelt, das die von mir zugeschickten Fussfotos zeigt, oder ihn nur schon der Anblick des miefenden Stück Textils in Ektase versetzt – mir ists so ziemlich egal.

Abgesehen von einigen – zugegebenermassen ziemlich ekelerregenden und irritierenden – Momenten, hat sich das ganze Experiment doch gelohnt: Ich bin zwar ein Paar Socken ärmer, doch nicht nur 100 Franken, sondern gleich eine einmalige Erfahrung reicher. Ob ich es wieder machen würde? Kommt ganz drauf an. Vor dem nächsten Kurzurlaub vielleicht. Einen Stammkunden hätte ich zumindest schon mal.


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76 Kommentare

Alex vor 7 Monate
Ich rieche auch gerne Socken und stinkende Schweissfüsse!
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Antwort
Laila vor 7 Monate
In PET Fläschen abgefüllter Urin verkauft sich bedeutend besser als Socken oder Slips. Es gibt da viele Leute die fahren total darauf ab.
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Antwort von @laila vor 7 Monate
"viele leute" ?! kann das kaum glauben, sorry. dinge wie slips, strümpfe, etc. kann man ja noch glauben dass viele das mögen, aber urin? viele? Please.....
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Antwort von Jörg Mensch vor 6 Monate
Wie bei Jurassic Park 3. T-Rex Pisse... ziemlich effektiv 😀
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