Verschuldet trotz 50'000 Franken monatlich

Betreibungen und soziale Einsamkeit statt Reichtum und Anerkennung. Wir haben mit einer ehemaligen Mitarbeiterin eines Pyramidenystems über die Schattenseiten einer gesetzlichen Grauzone gesprochen

Sie locken mit teuren Autos, edlen Anzügen, schicken Hotels, luxuriösen Uhren und mit Anerkennung: Firmen, die Jugendlichen mit dem Schneeballsystem das grosse Geld versprechen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Falsche Freunde, leere Versprechungen und oftmals Schulden treten früher oder später an die Oberfläche. Im Interview erzählt Kristina A. ihren Weg von Naivität bis Ernüchterung.

Wie alles begann

Angefangen hat alles vor etwa sechs Jahren. Kristina war mit Kollegen im Ausgang, als ein gut gekleideter Mann Mitte 20 auf sie zukam. Er erklärte ihr das Konzept der in Zug ansässigen Finanzberatungs-Firma. Am entsprechenden Info-Anlass waren mehrere Dutzend Personen anwesend. Vor dem Gebäude standen teure Autos, die Referenten versprachen das grosse Geld. Bereits am darauffolgenden Montag sollte es losgehen – doch zuerst waren alle Teilnehmer zum Kauf von Info—und Fortbildungsmaterial verpflichtet.

«Die Unterlagen fielen mit mehreren hundert Franken ins Gewicht», erzählt Kristina. Die Anfänger mussten zudem 250 Kontakte in ihrem Umfeld sammeln. Diese wurden später für Finanzberatungs-Angebote in den Bereichen Krankenkasse und Vorsorge verwendet. Der Firmenname sollte dabei möglichst selten erwähnt werden – immerhin gab es auf diversen Internetseiten schon eine ganze Menge gar nicht positiver Erfahrungsberichte. 

Ein neues Leben

Während der Woche hatten die Angestellten bis zu 30 Kundentermine in teuren Restaurants und edlen Bars. Die Spesen wurden nicht gedeckt. Kristina war ehrgeizig, arbeitete sieben Tage in der Woche und konnte neue Leute anheuern. In einem Monat macht sie einen Umsatz von fast 50’000 Franken.

Doch reich wurde sie nie: «Wir hatten durch die teuren Meetings und ständig neuen, verpflichtenden Materialkäufen und Weiterbildungen immer extrem hohe Fixkosten», so die heute 26-Jährige. Viele ihrer Team-Kollegen lebten über ihre Verhältnisse. Dass sich ihre alten Freunde abwendeten, störte Kristina wenig: «Mir wurde eingetrichtert, die seien bloss eifersüchtig.»

Geleaste Autos, Beitreibungen, Lügen

Nach ungefähr einem Jahr bröckelte die Fassade. «Sogar auf Kaderhöhe hatten einige mit Beitreibungen zu kämpfen», erzählt Kristina. Ausserdem verschuldeten sich viele Mitarbeiter, weil sie nicht genügend Verträge abschliessen konnten und somit wenig bis gar keine Provision erhielten.

Kristina merkte, dass sie so nicht weitermachen konnte. Als sie kündigte, bot man ihr zuerst Geld an. Später warf man ihr vor, ihr Team im Stich zu lassen. Doch Kristina blieb hart und brach den Kontakt zu den ehemaligen Mitarbeitern ab. Die Zeit habe Spuren hinterlassen. Sie lasse sich jetzt nicht mehr so leicht beeinflussen, sei kritischer, aber auch misstrauischer geworden.

Was ist ein Schneeballsystem?

Das Schneeballsystem, auch Pyramidensystem genannt, ist ein zwielichtiges Geschäftsmodell: Eine wachsende Zahl Neu-Teilnehmer investiert eine Startsumme, die grösstenteils dazu verwendet wird, die Gewinnversprechen an die Alt-Teilnehmer zu erfüllen. Obwohl heute in den meisten Ländern verboten oder zumindest in einer gesetzlichen Grauzone angesiedelt, sind solche Systeme immer wieder anzutreffen.


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76 Kommentare

Blubb vor 27 Tagen
Umsatz von 50'000 bei aufwendigen Geschäftsessen und nicht 50'000 verdienst im Monat.
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,,absolut legal" genaaaau vor 28 Tagen
Ich wurde auch mal in ein solches Meeting eingeladen. Bis ich da war wusste ich nicht um was es geht. Protzge Autos und ein Typ der einem viel Geld versprach. Am Schluss musste ich diese Leute fast abwimmeln. Ich habe ichnen gesagt, dass ich lieber weniger Geld habe als in dieser zwiespältigen Geselschaft zu sein. War damals 20 Jahre alt und bin froh, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben. Ich bin mir wie im falschen Film vorgekommen.
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Ramalingam Gunathas vor 28 Tagen
ich wurde auch von solchem Berater immer wieder besucht worden, da meine Familie einen guten Ruf in Tamilischer Gemeinschaft hat und wir kennen auch viele von Ihnen, so wollen sie durch uns anderen beschissen zum Glück habe ich das abgelehnt und ich hasse solche Leute, die Anderen als Dumm rechnen.
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Meier vor 28 Tagen
Warum wird der Name dieser illegal arbeitenden Firma nicht genannt? Wen will hier die Presse schützen?
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