«In Russland trifft man auf der Strasse bereits Cyborgs»

Der russische Tüftler Nikita Replyanski ist überzeugt, dass wir Menschen bald mit Maschinen verschmelzen. Wir sprachen mit ihm über die Coolness von Prothesen.

Niemand wünscht sich, eine Prothese tragen zu müssen. Bis anhin galten künstliche Gliedmassen und Organe vor allem als Hilfe für Menschen mit Behinderungen. Der russische Designer Nikita Replyanski war jedoch schon immer der Meinung, dass in der Technologie grösseres Potenzial steckt.

Nach zehn Jahren als Game-Entwickler erlernte der in St. Petersburg lebende Tüftler die Kunst des industriellen Designs. Mittlerweile arbeitet er für das Unternehmen Motorica und kreiert Prothesen, die nicht nur praktisch sondern auch stylisch sind. So überwindet Replyanski die Grenzen zwischen Technik und Kunst und versucht, die Menschheit auf die nächste Stufe der Evolution zu bringen.

Seid ihr Russen uns in Sachen Prothetik voraus?
Auf den Strassen Russlands trifft man heute bereits Cyborgs, die einige der weltbesten Entwicklungen an sich tragen. Die Strassen und die Umgebung allgemein erfordern jedoch immer noch viel Arbeit, so dass sie für Menschen mit Behinderungen wirklich komfortabel werden. Trotzdem macht Russland große Fortschritte, sowohl in Bezug auf Menschen mit Behinderungen, als auch in Bezug auf die Förderung der Cyborgisierung.

Was meinst du damit?
Menschen mit Behinderungen laufen auf Modeschauen und lassen sich bei Shootings ablichten – sie werden zu modernen Helden. Im Sommer wurde ausserdem die «Bill of Rights of the Cyborgs» unterzeichnet, ein internationales Manifest der Cyborg-Industrie.

Woher kommt deine Faszination für Prothesen?
Die Prothese ist für mich die erste Welle von tragbaren Geräten, die das Wesen des Homo Sapiens bald fundamental verändern wird. Was heute für Menschen mit Behinderungen entwickelt wird, nimmt schon sehr bald Einzug in das Leben «normaler» Menschen. Ich habe diese Industrie von Anfang an so gesehen: Es geht nicht um Prothetik, sondern darum, Technologien für Cyborgs und Cyberdesign zu entwickeln.

 

 

Bei der Mercedes-Benz Fashion Week Russia wurden deine Arbeiten vorgestellt. Gab es danach Aufträge von Menschen, die eigentlich keine Prothese brauchen?
Solche Angebote bekomme ich immer wieder. Die erste solche Pseudoprothese ist schon geplant. Es kommt auch häufig vor, dass gewöhnliche Person versuchen, sich eine Prothese anzuziehen weil sie finden, es sei einfach ein cooler Handschuh.

Eigentlich bist du also auch Modedesigner.
Technologische Entwicklung erfordert eine Menge Ressourcen aber die fertigen Produkte sollten trotzdem so ansprechend wie Modeaccessoires aussehen. Man braucht deshalb viel Design-Erfahrung. Meine Aufgabe ist es, mit Menschen zu arbeiten und nicht nur mit Metal. Irgendwann vergisst du das rationale Ziel und geniesst einfach den Prozess und das Ergebnis.

 


 

Was ist der nächste Schritt in dieser Entwicklung?
Für mich geht es darum, die Ideen auch Menschen zu vermitteln, die der Technologie nicht sehr nahestehen. Dafür studiere ich momentan Formate der Performance auf dem Gebiet des Transhumanismus und plane weitere Ausstellungen. Hoffentlich auch im Ausland.


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8 Kommentare

wowler vor 1 Monat
Die nahe Zukunft ist ein Rückschritt.
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Ralle vor 1 Monat
Ich hätte echt gern so ein Exoskelett mit verschiedensten Fähigkeiten. Dies ist wohl schon bald möglich zu realisieren, ich denke die Energieversorgung für mobile Apparate stellt noch das grösste Problem dar.
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Orest vor 1 Monat
Akzeptiert die Realität und die Zukunft. KI. Mind Uploading. Interstellare Kolonisation. Erweitert euren Horizont - es gibt eine Welt ausserhalb von eurem Dorf, Mittelalter-Benziner Auto und dem nächsten Aldi.
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Antwort von Lobezno vor 1 Monat
Das nennt sich dann Transhumanismus, für die die sich informieren wollen.
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