Wieso man an Festivals auch den übelsten Döner isst

An Openairs sterben Prinzipien rund um Essen, Trinken und Umwelt einen Massentod. Dank Harvard-Forschern wissen wir, woran das liegt.

Das Greenfield ist bereits vorüber und die restlichen Festivals folgen bald. Das heisst: Wir können bald wieder sturzbetrunken Grammy-Gewinnern zujubeln, ohne Ende Fast-Food fressen und unnötigerweise fünf Mal eine neue Powerbank kaufen. Und: Wir können endlich mal wieder unvernünftige Idioten sein. 

Selbstbetrug

Das einzige, was du am Openair nämlich häufiger schluckst als Ethanol ist dein Gewissen. Food, der von Laborkolonien statt von Bio-Bauernhöfen stammt? Her damit. Die Plastikverpackungen für beknackte Smartphone-Ventilatoren? Einfach liegen lassen. Fremden Menschen an den Arsch grapschen? Easy, die sind ja eh auch besoffen. 

Wieso halten wir an Festivals derart wenig von unseren sonstigen Idealen? Klar: Alkohol und andere Drogen spielen da sicher eine Rolle. Aber alles darauf abschieben, ist doch zu einfach.

Ausreden am Laufband

Quatscht man mit Leuten, die gerade ihren halbvollen Energy Drink ins nächstbeste Waldstück geworfen haben, erlebt man meist entweder eine beinahe perfekte Imitation von Amy Winehouse zu ihren übelsten Zeiten oder erhält in etwa die Antwort: «Ich kaufe das ganze Jahr nur Bio-Zeugs. Einmal darf doch auch ich Scheisse bauen oder etwa nicht?»

Klar, das darfst du. Genauso wie du auch deinen Neujahresvorsatz vergessen oder beim Job blaumachen kannst. Aber du fühlst dich schlecht dabei – es sei denn, du kannst das Brechen der Prinzipien und Regeln vor dir selbst rechtfertigen. Moral ist ja schliesslich dehnbar und wenn dir schon Mal eine gute Freundin erklärte, weshalb sie ihren Partner betrogen hat, weisst du das ziemlich genau.

Die Kreativität ist schuld!

Vor ein paar Jahren nahmen sich Forscher von Harvard, der Duke University und dem MIT der Frage an, wie und welche Menschen es am besten hinkriegen, ihre Ideale ein bisschen zu biegen und (selbstauferlegte) Regeln zu brechen. Und wenn du zu diesen Leuten gehörst, könnten dir die Forschungsresultate gar noch schmeicheln. 

Die unter dem Titel «Die dunkle Seite der Kreativität» publizierte Studie besagt nämlich in Kürze: Kreative Menschen können unehrlicher sein – ganz einfach weil es ihnen leichter fällt, Vorkommnisse mit einer anderen Erzählung rundherum zu rechtfertigen und so aus einem ethischen Dilemma zu entkommen. Wenn es beispielsweise einem unkreativen Vegetarier nicht gelingt, eine passende «Ausrede» für einen besoffenen Döner-Rückfall zu finden, fühlt er sich hingegen schlecht. Des Weiteren führe das Brechen der Regeln wiederum zu mehr Kreativität – und somit vielleicht auch zu erneutem Regelbruch. Ausserdem könne so ein Gefühl der Freiheit und ein «Cheater’s High» entstehen: Da man «etwas» (in diesem Fall: sich selbst) überlistet hat, kann man sich – vor dem schlechten Gewissen – gar Stolz fühlen.  

Wenn du also an den kommenden Festivals eh wieder über die Stränge schlagen wirst, kannst du dir jetzt ja schon ein paar passende Ausreden bereitlegen. Oder aber noch besser: Du verhältst dich auch am Openair ganz okay, säufst nicht so viel, dass du Beine oder Herzen brichst und verballerst dein kreatives Potenzial mit etwas Sinnvollerem. Einem coolen Insta-Account beispielsweise. 


Kommentar schreiben

21 Kommentare

Closeair vor 5 Monate
"verballere dein kreatives Potenzial mit etwas Sinnvollerem. Einem coolen Insta-Account ??" Ja, sehr kreativ, gibt ja kaum welche die das tun, braucht unbedingt noch mehr kreative Selbstverliebte.
4
1
Antwort
Räumtdochauf:) vor 5 Monate
Wir haben ein einfaches Prinzip, welches wir seit Jahren erfolgreich durchführen: Ein Abfallsack wird am Pavillon aufgehängt. Diejenigen, welche direkt daneben sitzen, werfen ihren Abfall da rein. Der Rest wirft den Abfall auf einen Haufen - ein zuvor definierter Platz. So bleibt das das ganze Open Air über. Die restlichen Abfallsäcke werden im Zelt aufbewahrt. Dann, am letzten Tag, räumen alle ihre Sachen zusammen und packen die Zelte, Campingstühle, etc ein. Und dann kommt der Abfall: Jetzt haben (fast) pro Person einen Abfallsack über. Also: Kaputtes Pavillon? Füllt einen Sack. Kaputter Campingstuhl? In den nächsten Sack. Kaputtes Zelt? Nochmals einen Sack. Der Haufen Abfall? In die restlichen Säcke. Zum Schluss nimmt jeder sein Hab und Gut und einen Sack und verlässt das Open Air - der Abfall wird sowieso immer beim Ausgang abgegeben. Das Ding ist, wir können das ganze Wochenende leben "wie die Schweine" (man will ja seine "Freiheit" geniessen), wenn wir unbedingt wollen, aber verlassen unseren Platz dennoch sauber. So schwer ist das nun wirklich nicht. 😃
11
0
Antwort
Antwort von Openairler vor 5 Monate
Geb ich dir absolut recht und machen wir seit jahren genau so unser Zelt ist mitlerweile 7mal am OAFF gewesen und dieses jahr wieder! Muss allerdins sagen das ich nach 4 tagen Openair undvollpackung nicht noch bock hab 30-45minuten anzustehen um mein gefüllter abfallsack abzugeben und das pfand entgegenzunehmen...!
2
0
Antwort
Nettes Aufsätzlein! vor 5 Monate
Für einen bei Tamedia schnuppernden 7.-Klässler gar nicht so übel. In Sachen Rechtschreibung und Grammatik könnten sich die 20 Minüteler noch eine Scheibe abschneiden. Bloss der Inhalt - na ja.
1
1
Antwort
Was zur Hölle ist das?

Was zur Hölle ist das?

Startup schuldet Berghain-Türsteher über 17‘100 Franken

Startup schuldet Berghain-Türsteher über 17‘100 Franken

video
Die ganze Welt bewirft Hunde mit Käsescheiben

Die ganze Welt bewirft Hunde mit Käsescheiben

Ich habe für Geld meine Socken und Würde verkauft

Ich habe für Geld meine Socken und Würde verkauft