Aktivisten wollen, dass du im Supermarkt klaust

Weil für die tiefen Preise in deutschen Discountern Arbeiter ausgebeutet werden, ruft ein Berliner Kollektiv zum Diebstahl auf. Das gesparte Geld soll für Menschenrechte eingesetzt werden.

«Geiz ist geil», lehrte uns ein deutscher Elektronik-Discounter schon vor Jahren. Auch im Lebensmittelhandel sind wir alle stets auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchen – meist auf Kosten der Lieferanten und somit der Arbeiter in den Ländern, wo die Produkte hergestellt werden.

Ein Berliner Kollektiv namens «Peng!» will die Ausbeutung mit einer Kampagne umkehren: Sie rufen Konsumenten dazu auf, im Supermarkt zu klauen.

«Regierung weigert sich, Gesetze zu erlassen»

«Die Discounter führen einen Preiskampf um die billigsten Lebensmittel und klauen dafür den Menschen, die die Produkte herstellen, ihre Würde», heisst es auf der Website zur Kampagne. Konkret stellen Sie die Supermärkte von Rewe, Aldi, Edeka und Lidl an den Pranger – «bitte klau nicht vom Tante Emma Laden um die Ecke». Haupttäter seien jedoch nicht zwingend die Discounter, sondern die deutsche Bundesregierung: «Sie weigert sich, Gesetze zu erlassen, welche die Menschenrechte der Produzenten schützen und die Discounter zur Rechenschaft ziehen.»

Der Lösungsvorschlag der Aktivisten: Bei den erwähnten Discountern möglichst viele Produkte klauen – statt den mit dem Diebstahl gesparten Betrag in die eigene Tasche zu stecken, soll er jedoch über «Peng!»gespendet werden. «Das Geld geht an Gewerkschaften und NGOs, die in den jeweiligen Ursprungsländern der Produkte für die Rechte der Arbeiter und Produzenten eintreten.» Laut eigener Aussage arbeitet das Kollektiv bereits mit diesen Organisationen zusammen – «sie stellen sich hinter die Kampagne und geben gern Auskunft über die Produktionsbedingungen, mit denen sie zu kämpfen haben».

Kindersklaven und systematische Vergewaltigung

Wie sich diese Ausbeutung manifestiert, erklärt das Kollektiv auf seiner Website zu den einzelnen Produkten. «Das Einkommen der Produzierenden reicht nicht zum Leben, Saisonarbeiter werden ohne Vertrag beschäftigt und Überstunden nicht bezahlt. Fehlende Schutzkleidung gegen Pestizide und fehlende gewerkschaftliche Vertretung runden den Genuss der westlichen Industrienation ab», heisst es etwa über die Bedingungen auf Kakao-Plantagen in Honduras. In Westafrika arbeiten laut einer grossen US-Studie über zwei Millionen Kinder für Kaffee, der in Deutschland zum Tiefstpreis verkauft wird – unbezahlt.

Auch in Europa werden laut «Peng!» Arbeiter für Tiefstpreise ausgenutzt. Besonders prekär sei die Situation etwa beim Tomatenanbau in Süditalien: «In ganzen Zelt-Ghettos mit mangelnden sanitären Anlagen, ohne Schutz gegen Nässe oder Kälte und kaum Anschluss an die Außenwelt leben vor allem Geflüchtete und Migranten als Erntehelfer ohne Vertrag oder irgendeine andere soziale Absicherung.» Der Guardian berichtet von «moderner Sklaverei» und «systematischen Vergewaltigungen» – im Supermarkt gibt es dafür zwei Tomaten zum Preis von einer.

«Ladendiebstahl bleibt eine Straftat»

Das sind nur zwei Beispiele. Dass die günstigen Produkte, die wir in Europa im Discounter kaufen, selten fair produziert werden, sollte uns aber allen mittlerweile bewusst sein. Solange die Regierungen keine klaren Vorschriften einführen, fühlen sich aber viele Konsumenten machtlos. So rechtfertigt «Peng!» seinen kontroversen Aufruf.

Trotzdem bist du natürlich nicht fein raus, wenn du nun einfach Tomaten und Bananen mitgehen lässt. «Ladendiebstahl bleibt auch im Rahmen einer politischen Kampagne eine Straftat», betonen die Aktivisten. Sie hätten auch kein Budget, um dich rauszuhauen, falls du beim Klauen erwischt wirst. Kriminell zu werden ist aber keine Bedingung – «Peng!» nimmt auch Spenden entgegen, ohne dass du dafür Produkte gestohlen hast.


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71 Kommentare

Auch AKtivist vor 7 Monate
Ich und meine Aktivistenfreund setzen uns auch dafür ein dass Gesetze wieder eingehalten werden. Wir sammeln jedes Wochenende abgewiesene Asylbewerber ein und werfen sie aus dem Land. So wie es in unseren Gesetzen steht. Leider haben wir kein cooles Youtube-Video und in den Medien schreibt man nicht über "AKtivisten" sondenr "Nazibanden" Der Unterscheid zur Dame im Video? Sie bricht Gesetze was heute offenbar das non-plus-ultra für Bessermenschen darstellt
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Arbeiter vor 7 Monate
Wieso gibt es so viele weltfremde Aktivisten? Wo kommen die alle her, ist da ein Nest?
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Lukas F. vor 7 Monate
In diesen Tagen kann sich wohl jeder Trottel Aktivist nennen. Wenn sie so sehr gegen "Kindersklaven" sind frage ich mich warum diese Spinner nicht nackt durch ihr leben gehen anstatt Kleider zu tragen. Das ist so typisch für diese Leute. Den moralischen Zeigefinger gegen jeden erheben der nicht politisch korrekt ist aber selber nicht auf den ja auch von Kindern hergestellten Luxus verzichten. Einfach nur erbärmlich.
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vor 7 Monate
Ich bin gegen das klauen aber das ist eine interessante Idee nicht machen aber witzige idee
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