Gamer wollen Kunstgalerien ausrotten

Ein paar Internet-Nerds wollen die Kunstwelt auf den Kopf stellen: Mit einer Art «World of Warcraft» für Kunst.

Den meisten Kunstgalerien haftet heute noch ein ziemlich elitärer, eingeschworener Geist an. Menschen, die vor sieben Jahren ein Kunststudium abgeschlossen haben, stellen Menschen aus, die vor zwei Jahren ein Kunststudium abgeschlossen haben – schliesslich darf man beispielsweise einen Stein scheinbar erst als Kunstwerk deklarieren, wenn man sechs Semester lang Vorlesungen geschwänzt und in einem Hipsterkafi gejobbt hat. Angesehen werden die ausgestellten Werke dann von Menschen, deren Portfolio leider nicht gut genug war, um sechs Semester lang an einer Kunstuni Vorlesungen verschlafen zu dürfen.

Eigentlich sollte das in der heutigen Zeit anders sein: Durchlässiger, offener, digitaler – oder etwa nicht? Ist es teilweise ja auch – aber eben noch nicht überall. Während in diversen Galerien Menschen im mittleren Alter überlegen, wie sie «die Jungen» ansprechen können (mit zukunftskritischen Stillleben von iPhones, beispielsweise), geht eine Crew aus London ein Stück weiter und versetzt die Kunstgalerie dahin, wo sich die Menschheit heutzutage tummelt: Ins Internet.

«Occupy White Walls»

«Occupy White Walls» will nichts geringeres als die «zynische, herablassende, unethische und auf Ultrareiche ausgerichtete» Kunstwelt revolutionieren, wie die Entwickler schreiben. Galerien wandern ins Netz, wo kein überholter Kram wie physische Anwesenheit benötigt wird und wo keine Reinigungskräfte Kunstwerke für Müll halten und entsorgen. Eintrittspreise gehören ebenso der Vergangenheit an und ausserdem erhält jeder Besucher einen individuellen Kurator in Form eines Algorithmus als Begleitung für seinen Ausflug in die virtuelle Kunstwelt.

Das Crossover aus Online-Multiplayer-Game à la «World of Warcraft» und Ausstellungsraum 2.0 funktioniert wie folgt: Du legst dir einen Account zu, suchst dir danach eine von hunderten Galerien aus und bewegst danach ein virtuelles Alter Ego über Marmorböden und Wendeltreppen und betrachtest einige der hübschesten Kunstwerke aus den letzten Jahrtausenden.

Dein persönlicher Begleiter

Begleitet wirst du dabei von D.A.I.S.Y. – einem Algorithmus, der sich laufend deinem Geschmack anpasst. Solltest du – aus unerfindlichen Gründen – mehrmals vor kubistischen Werken stehenbleiben, dann wird dir D.A.I.S.Y. künftig mehr Kubismus präsentieren. «Du wirst mehr und mehr Kunst entdecken die dir gefällt», schreiben die Entwickler und hoffen, so mehr Menschen für Kunst sensibilisieren zu können.

Wenn du hingegen zu den Menschen gehörst, die bereits als Kind mit Legos das Louvre nachgebaut haben, wirst du hier deine Kindheitsträume erfüllen können. In «Occupy White Walls» werden nämlich alle Galerien von den Usern kuriert. Ein Tool, das sich irgendwo zwischen «Minecraft» und dem Bau-Modus aus «Fortnite» bewegt, erlaubt es dir, ziemlich rasch ein eigenes Kunsthaus zu basteln und das mit deinen Lieblingswerken von Rembrandt und Konsorten zu füllen.

Jeder kann Kunstkritiker sein

«Occupy White Walls» befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase, wird aber bereits fleissig gezockt. Und falls du dir das trotz dem ganzen digitalen Kram etwas langweilig vorstellst – Kunstwerke und Gallerien können von den Usern kommentiert werden. Und wenn du bei uns ab und an die Kommentare liest, weisst du garantiert, wie unterhaltsam Diskussionen unter anonymen Menschen im Internet sein können.


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5 Kommentare

You vor 3 Monate
Es ist sehr viel wut in diesem beitrag
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Antwort
Frank vor 3 Monate
Was hat das bitte mit World of Warcraft zu tuen? Der Vergleich passt nicht wirklich.
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Kachina vor 3 Monate
Das erste Spiel im Netz, das ich installieren werde, super, dankeschön!
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Fabi vor 3 Monate
"Den meisten Kunstgalerien haftet heute noch ein ziemlich elitärer, eingeschworener Geist an. " Schon seit mind. 20 Jahren nicht mehr. Es ist offensichtlich, dass 20 Minuten Autoren keine Ahnung von Kunst und Kunstgalerien haben.
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