Masturbieren für die Wissenschaft

August McLaughlin hat sich in einem MRT-Gerät befriedigt. Alles im Namen der Wissenschaft. Uns verrät sie, was ihr dabei am schwersten fiel und ob sie jetzt bessere Orgasmen erlebt.

«Die Röhre erinnerte mich an ein Solarium oder einen Sarg. Ich hatte keine Ahnung, ob ich in dieser Enge überhaupt zum Höhepunkt kommen kann», erzählt August McLaughlin 20 Minuten Tilllate. Die Amerikanerin spricht über Sexualität wie andere über das Wetter.

Sie nahm bei einer Studie teil, die mittels MRT die verschiedenen Hirnregionen, die bei Erregung und einem Orgasmus aktiviert werden, analysiert. Masturbation für die Wissenschaft – irgendwer muss es ja tun.

«Die Geräte haben mich angemacht»

Das brummende MRT-Gerät, das sterile Zimmer, die Computer und überwachenden Techniker und Forscher. Eine denkbar ungünstige Ausgangslage, um sich der Selbstliebe hinzugeben. «Die Leute störten mich überhaupt nicht, ich bin da ziemlich entspannt», erzählt die 37-Jährige. «Und weil ich ein kleiner Nerd bin, haben mich die ganzen Geräte sogar etwas angemacht.»

Einzig, dass August still auf dem Rücken liegen musste und nicht wie für sie gewohnt auf allen vieren sein konnte, machte ihr etwas zu schaffen. Die Spielregeln der Studienleiter Nan Wise und Barry Komisaruk erschwerten das Ganze noch zusätzlich: Der Kopf darf sich nicht bewegen und nur die Nippel und die Klitoris dürfen stimuliert werden. «Ich bin eher ein Vaginal/Sextoy-Mädchen und konnte mir nicht vorstellen, ohne Penetration zu kommen», erzählt August. Die Forscher versicherten ihr, dass ihre Teilnahme auch ohne Orgasmus aufschluss- und hilfreich sei.

Vor Blicken war August geschützt. Nur hören konnten sie die Techniker und Forscher. «Ich war klitorale Orgasmen nicht gewohnt und wusste nicht, wie laut ich sein werde.» Statt dem grossen AH gabs aber nur ein kleines Huch. Etwas enttäuscht, der Wissenschaft und sich selbst keinen Orgasmus geschenkt zu haben, wurde die Amerikanerin aus dem MRT-Gerät entlassen. Die Scans aber zeigten ein anderes Bild. «Ich hatte einen Orgasmus, ohne es zu merken», erzählt August.

Porno-Seiten übernehmen die sexuelle Aufklärung

Die 37-Jährige fühlte sich nicht immer so wohl und sicher in ihrem Körper. Sie modelte zwar international und zierte Titelbilder diverser Magazine, litt aber an Anorexie und Körperdysmorphie.  Seit sie wieder zu sich und ihrem Körper gefunden hat, coacht sie Menschen mit einem ähnlichen Schicksal.

Vor allem das Thema Sexualität liegt ihr am Herzen. «In Amerika wird das mit so viel Scham begleitet und junge Frauen lernen nie, ihre Sexualität zu wertschätzen», erzählt August. «Eltern ist es peinlich mit ihren Kindern über Sex zu sprechen. Die Schulen fürchten sich, politisch inkorrekt zu sein, wenn sie das Thema anbringen. Was dann als Aufklärung bleibt, sind die gratis Porno-Seiten im Internet, die ein völlig falsches Bild vermitteln.»

Sex und Scham gehen Hand in Hand

Inspiriert durch ihre eigenen Erfahrungen gründete August «Girl Boner», eine Blog- und Podcast-Serie, in der sich Frauen austauschen können. «Wir haben schon so viel gelernt und haben aber immer noch so viel Arbeit vor uns», erzählt August. «Selbst für ihre Sexstudie hatten Wise und Komisaruk Mühe, finanziert zu werden.»

Während in den Staaten vor allem die Scham eine grosse Rolle spielt, stellt August in Europa ein anderes Problem fest. «Die sexuelle Freiheit wird in Europa mit Promiskuität gleichgestellt. Frauen sollen immer geil sein und viel Sex wollen.»

Die sanften Orgasmen geniessen

Aufklärung empfindet die 37-Jährigen als das Wichtigste. Und die fängt beim eigenen Körper an. «Ich liebe es, mehr über mich zu lernen, deshalb nahm ich auch an der Studie teil», so August. Ihr Leben habe sich nach der MRT-Liebelei grundlegend geändert. «Das Wissen, dass ich nicht nur überwältigende, sondern auch sanfte Orgasmen haben kann, brachte mir viel mehr Spass in mein Liebesleben.»

Die Forscher planen unterdessen eine neue Studie, die Orgasmen untersuchen soll, die nur durch Gedanken ausgelöst wurden. «Da wäre ich wieder dabei. Schliesslich empfand ich schon beim letzten Mal die Fantasien als viel stimulierender als meine Berührungen», erzählt August. Dass man durch die Vorstellungskraft zum Höhepunkt kommt, stellt sie nicht in Frage. Sie hat es selbst erlebt. «Leider nur im Schlaf. Frustrierend zu wissen, dass mein Verstand mir im wachen Zustand für diese Erfahrung im Weg steht.»

Augusts MRT-Erlebnis hat sie in einem Essay zusammengefasst.


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18 Kommentare

Barbara vor 3 Jahre
Mit 37 erfährt sie also etwas, was ich bereits mit... 13 über mich wusste? Bloss so, weil ich nicht einpennen konnte? Ohne Bücher von namhaften Wissenschaftlern und ohne Studien, ohne Bravo, ohne Porno, ohne nix? Ich dachte, die Selbstbefriedigung ist sowas wie Wasser trinken können. Muss man keinem beibringen. Tja.
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marco vor 3 Jahre
einfach genial schade war ich nicht dabei
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sam vor 3 Jahre
Läuft bei ihr unten.... läuft
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Lea vor 3 Jahre
Was ist das Problem?Mastrubation gehört bei mir und meinem Mann ganz natürlich dazu.Er hält mich in den Armen während der Mastrubation, danach wird geschmust.Für Beide sehr schön.
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