Londoner beleidigt Wildfremde für Geld

Heutzutage verschickt kaum wer mehr Postkarten – ausser ein Künstler aus Grossbritannien. Aber dessen Karten sind nicht sonderlich nett.

Mr. Bingo, sein realer Name soll vorerst geheim bleiben, ist ein selbstbezeichneter Künstler, Redner und Idiot. Früher war der ehemalige Kunststudent als Illustrator in Grossraumbüros tätig und skizzierte für die grössten Medienhäuser dieser Welt. Heute verkauft er seine Telefonnummer, beleidigt fremde Menschen auf Twitter, malt Küken mit Penissen («Chicks with dicks») und macht Rap-Videos, um beleidigende Postkarten zu finanzieren.

Berühmtheit erlangte der mittlerweile selbstständig arbeitende Künstler durch eben jenes Postkartenprojekt. 2011 sass er eines Tages in seinem Atelier und postete nach ein paar Drinks auf Twitter, dass er der ersten Person, die auf seinen Tweet antworten würde, eine beleidigende Nachricht per Postkarte schicken würde.

«Fick dich und deine Beine»

Und wenn du das Internet kennst, sollte dir klar sein: Das ist ein Rezept für einen viralen Hit. Innert Minuten hatte er Dutzende Antworten und wenig später sendete er einem Typen namens Jonathan Hopkins eine Postkarte. Darauf stand: «Fick dich, Jonathan, fick dich und deine beschissenen Beine». «Ich habe den Typen aber nie gesehen», sagt Mr. Bingo. «Ich weiss nicht mal, ob er überhaupt Beine hat.»  

Später sammelte er via Kickstarter Geld, um die Hasspostkarten in einen hübschen Bildband zu verpacken. Flugs übertraf er den bisherigen Rekord, was Crowdfunding für UK-Bücher angeht und der Startschuss für sein neues Leben war gesetzt.

«Mach doch eine Karriere draus!»

«Damals realisierte ich, dass die Öffentlichkeit tatsächlich bereit ist, viel zu viel Geld in meine kuriosen und doofen Projekte zu stecken», sagt Mr. Bingo. «Dann dachte ich mir: Hey, mach doch eine Karriere draus! Danach löschte ich meine bisherige Homepage, damit niemand behaupten konnte, ich sei ein Illustrator, nannte mich Künstler und seither überlebe ich, ohne für Grosskonzerne zeichnen zu müssen.»

Und das funktioniert verdammt gut: Der Künstler finanziert sich ausnahmelos durch kuriosen, häufig leicht beleidigenden Kram. Zu dem Lob aus aller Welt gibts aber natürlich auch eine Kehrseite. Da er Fremden Hasspost verschickt, ist es nur naheliegend, auch ihm Hasspost zuzuschicken.

Penis-Sack per Post

«Ich kriege viel weirdes Zeugs per Post», sagt Mr. Bingo. «Jemand schickte mir mal einen Kuchen, auf dem mit Glasur <Fucker> geschrieben stand. Und einen gehäkelten Penis-Sack habe ich auch schon erhalten. Ich will gar nicht wissen, wie lange es ging, den zu produzieren.»

Des Weiteren hat Mr. Bingo auf seiner Homepage auch eine Kontaktadresse für Menschen, die ihn daten wollen, hinterlassen. «Das führte zwar zu ein paar Dates, aber da wurde jeweils nichts draus», sagt er. Falls du demnächst in London bist: Hier kannst du dich auf ein Date mit ihm bewerben. Wir haben gehört, dass er es mag, beleidigt zu werden – also übt doch schon Mal unten in den Kommentaren.  

Dieses Wochenende war Mr. Bingo zu Gast am Forward Festival in Zürich. Wo du ihn das nächste Mal live treffen kannst, siehst du hier.


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8 Kommentare

Banause vor 2 Monate
Kannst Du eben nicht, sonstwürdestDu damit schon Geld verdienen und müsstest bicht danach fragen.
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Student vor 2 Monate
Das was er kann, kann ich schon lange. Bekomm ich jetzt auch Geld ?
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Wakka vor 2 Monate
Obere Hässlichkeit Stufe, gratuliere.
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Antwort
Stefan Widmer vor 2 Monate
Andere Menschen gehen morgens zu einer anständigen Arbeit und verdienen ihr Geld so und er beledigt andere. Nun ja - mir sind erstere Mensch lieber.
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