Eine kleine Geschichte des Mittelfingers

Der Stinkefinger ist eine der vulgärsten und trotzdem schönsten Gesten – jedenfalls in den Augen unseres Autoren. Also begab er sich auf die Suche nach den Ursprüngen des beleidigenden Handzeichens.

Auch wenn er einen etwas fragwürdigen Ruf geniesst, bin ich ein Mittelfinger-Enthusiast. In meinem Umfeld hat die Geste diverse Bedeutungen: Von der Begrüssung über «ich möchte nicht auf diesem Foto zu sehen sein» und «hol dir den Kaffee doch selbst» bis zum Ausdruck der Zuneigung. Streckt mir jemand das zentrale Glied seiner Hand entgegen, ist das Musik in meinen Augen. Der altehrwürdige Stinkefinger hat eine dermassen obszöne und gleichzeitig infantile Note, dass er in jeder noch so angespannten Situation für einen heiteren Lacher sorgt. Versuchs mal bei deinem Chef – bedank dich später.

Inmitten eines beiläufigen Mittelfinger-Austauschs in unserer Redaktion kam neulich die Frage auf, woher die Geste überhaupt stammt und warum sie als anstössig gilt. Also ging ich der Frage auf den Grund. Wir präsentieren: Eine kleine Geschichte des bösen, bösen Fingers.

Das Sackmesser unter den obszönen Gesten

Bereits in der Antike zeigten sich unsere Vorfahren gegenseitig den Finger. Damals galt er noch als Symbol für den Penis, während die eingezogenen Finger daneben für die Hoden standen. Die alten Griechen – allgemein als Pioniere bekannt, schliesslich haben sie das Jo-Jo erfunden – verfeinerten die Interpretation dann weiter und zeigten ihren Stinkefinger Männern, die sich anal penetrieren lassen. Fun-Fact: Um einer Frau einen Heiratsantrag zu machen, bewarf man sie damals mit einem Apfel. In Sachen nonverbaler Kommunikation waren diese Griechen also schon ziemlich progressiv.

Mit den Jahrhunderten verzettelte sich die Bedeutung in der westlichen Welt. Wie bereits zu Urzeiten hiess der Mittelfinger grundsätzlich aber stets etwas Böses, meist mit einer sexuellen Konnotation. In unseren Breitengraden wird die Geste vorwiegend verwendet, um jemanden als Rektum zu beschimpfen. Im englischsprachigen Raum steht sie für ein archaisches «fuck you». In Indien hingegen wird der Mittelfinger verwendet, um auf Dinge zu zeigen und muss nicht unbedingt eine Beleidigung sein. Falls du der japanischen Zeichensprache mächtig bist, weisst du, dass der Mittelfinger auch für das Wort «grosser Bruder» stehen kann. So eine simple Geste und doch so wandelbar – quasi das Schweizer Sackmesser unter den obszönen Symbolen.

Pro-Tipp: Trotzdem solltest du in anderen Ländern nicht fahrlässig mit deinem schmutzigen Finger herumfuchteln – dank des westlichen Einflusses schwappt unsere Interpretation nämlich immer stärker in andere Regionen über. Genauso wie sich weisse Stoner die Dreadlocks angeeignet haben, übernehmen fremde Kulturen unsere traditionellen Beschimpfungen.

Andere Länder, andere Mittelfinger

So sehr ich den Mittelfinger schätze, selbst diese prachtvolle Geste verliert bei inflationärem Gebrauch ihre Magie. Deshalb möchten wir dir einige Alternativen anbieten: Da wäre etwa die sogenannte Moutza-Geste, die in Griechenland auch heute noch weit verbreitet ist. Wenn du dort jemandem deine flache Hand mit allen fünf abgespreizten Fingern entgegenstreckst, wird er dir kein High Five geben, sondern eher eins aufs Maul. Je nachdem wen du fragst, bedeutet die Moutza alles mögliche auf dem Spektrum zwischen dem mehr oder weniger harmlosen «hau ab» bis zum harschen «ich ficke deine Schwester».

In Italien und vielen südamerikanischen Regionen ist auch die Mano Cornuto nicht besonders nett. Du kennst die Teufelshörner vielleicht von Konzerten. Eigentlich nennst du dein Gegenüber damit aber einen Cuckold, also einen Typen, der gerne zuschaut, während seine Liebste unzüchtige Dinge mit anderen Männern treibt. Im UK solltest du ausserdem vorsichtig sein mit dem Peace-Zeichen. Sobald du das umdrehst, also den Handrücken auf den Empfänger richtest, entspricht das unserem Mittelfinger. Es ist ein kurzer Weg vom Friedensangebot zur Ehrverletzung.

Eine vulgäre Geste sagt manchmal mehr als tausend Worte. Deshalb sollten wir die Kunst der bodenständigen Beleidigung via Handzeichen nicht vergessen. Noch mehr Mittelfinger-Alternativen, die du vielleicht noch nicht kennst, findest du oben in der Bildstrecke.


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24 Kommentare

Mr. Nasty vor 6 Monate
Das mit dem umgekehrten Peacezeichen ist nicht nur in England so. Eigentlich heisst das überall "fick dich", nur die coolen Hipsters kapieren es nicht und machen es überall... Das Peacezeichen ist eigentlich ein Victory Zeichen, also eine Siegeszeichen. Die Finger formen ein "V" für Victory.
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Die gute Fee vor 7 Monate
Nicht der Rede wert , wer kein Anstand kennt sagt so was oder zeigt Mitellfinger . Kein problem den ich tue es lieber selber , als mit unerzogenen Idioten 💪
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Lisa vor 7 Monate
Na ja , als zuvilisierter Mensch weiss ich dass Komunikation nichts falsches ist . Das mit Mittelfinger überlasse ich denen die einen werbalen erzieungs Kapitel in Ihren leben verpasst haben .....
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Minime Reverse schlimm schäbi-chique vor 7 Monate
Das Fuck You gebrauche ich häufig, da es viele sehr unverschämte Leute gibt. Nur: Es ihnen ins Gesicht zu sagen, würde mich im Zahnarzt-Stuhl landen lassen ... in dem Sinne also: FUCK YOU! Wirklich, ich mache keinen Scherz! Der Trump ist doch auch so einer. Wie sollte ich einem Präsidenten gegenüber nachsichtig sein, um Himmels Willen?! Anyway.
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