Das schönste Coming-out des Jahres

Mit «Love, Simon» kommt demnächst eine der wohl cutesten Coming-of-Age-Filme unserer Generation in die Schweizer Kinos.

Spätestens seit «Call Me By Your Name» bei den Oscars abgeräumt hat, sind Storys, die sich um erste schwule Liebe drehen, endgültig im Hollywood-Mainstream angekommen. Im Fahrwasser des preisgekrönten Homo-Dramas hat es «Love, Simon» als mehr oder weniger klassische Highschool-Komödie nicht leicht.

Das schönste Coming-out Hollywoods

Und doch – ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen – der Streifen überzeugt auf (fast) ganzer Linie. Altbekannte und -bewährte Teenie-Filmklischees gepaart mit intelligentem Humor, wunderbaren Charakteren und einem kleinen Twist sind die einfachen Zutaten für die wohl unbeschwerteste, schönste Coming-out-Geschichte seit es Hollywood gibt.

Simon ist ein stinknormaler, Durchschnitts-Teenager mit einer intakten, liberalen Familie, tollen Freunden und einem grossen Geheimnis: Er steht auf Jungs. Mit diesem Umstand kommt er scheinbar gut klar, bis eines Tages ein anonymer Blog-Post zu einer heimlichen Online-Romanze führt.

Normalität statt Selbsthass

Die Chats zwischen Simon und dem unbekannten «Blue» werden intensiver, intimer und führen dazu, dass sich der Schüler das erste Mal bewusst mit sich selbst und seiner Homosexualität auseinandersetzt. Es kommt bald, wie es eben in dieser Art von Geschichte so kommen muss und Simon findet sich in einem Netz aus Erpressung, Lügen und unerfüllter Liebe wieder.

Das Besondere – und besonders Schöne – an «Love, Simon» liegt nicht an am vorhersehbaren, wenig revolutionären Plot. Es ist die Normalität, mit der das Thema Schwulsein behandelt wird. Der Fokus des Films liegt nicht auf der inneren Zerrissenheit eines von Selbsthass und Zweifeln geprägten Teenagers. Vielmehr geht es um die Versuche, für sich selbst einen Platz in dieser Welt zu finden.

Kein Platz für Homophobie

Genau hier lässt sich auch der einzige Kritikpunkt festmachen: Ganz so einfach, wie Simon es in seiner Story über das Coming-out und die Suche nach dem grossen Unbekannten hat, ist es für viele Jugendliche, die mit ihrer Identität zu kämpfen haben, dann leider doch (noch) nicht. Die wenigen homophoben Charaktere werden binnen Sekunden in ihre Schranken gewiesen und tragen zum Verlauf der Handlung reichlich wenig bei.

Die Buchverfilmung nach der Vorlage des Romans «Simon vs. The Homo Sapiens Agenda» von Becky Albertalli ist dennoch mehr als nur ein Feel-Good-Movie. Bewusst verzichten die Macher auf die Fokussierung von «klassischen» Brennpunkt-Themen, die queere Filme sonst dominieren. «Love, Simon» ist trotz – und vor allem auch wegen – seiner Einfachheit ein herzerwärmender Meilenstein des LGBTQ-Filmgeschichte.

Kinostart in der Deutschschweiz ist der 28. Juni 2018.
 


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44 Kommentare

Adrian vor 2 Monate
Ich hab den Film bereits gesehen und finde ihn überwältigend! Er zeigt wunderbar die täglichen ätzenden Hindernisse, die ein schwuler Teenager zu bewältigen hat, ohne dabei irgendwelche Klischees zu übernehmen. Was ich hingegen nicht verstehe, wieso ein heterosexueller Schauspieler eine schwule Rolle spielt, und schwule Schauspieler hingegen keine Rollen kriegen - eben weil sie schwul sind. Das wäre mal zu überlegen...
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Karo vor 2 Monate
"cutesten... " Meine Fresse
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wenn du realisierst vor 3 Monate
dass die Gesellschaft am ARSCH ist.
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Andy ZRH vor 3 Monate
Ich habe den Film selber bei der Premiere in USA gesehen. Ein wunderbarer Streifen auf den ich 35+, Jahre gewartet habe. Keine Stereotypen, nichts überladen mit nebensächlichen Side-Stories, sondern nur mit Romantik, Liebe und Gefühlen, in einer für einmal „perfekten hetero Umgebung" (das ist wohl nur pure Fiction). So fokussiert sich aber die Geschichte auf Freundschaften und Beziehungen und die inneren Kämpfe die jeder Gay Teenager durchmacht. Höchst empfehlenswert für jeden Zuschauer mit Herz, egal ob hetero oder gay. Und für uns Kinder der 80’er, ist es ein spezieller Genuss, da sich der Film wie eine Gay Version aus der John Hughes Area anfühlt! Man stelle sich Ferries macht blau, Weird Science, 17 Candels, Breakfast Club usw. einfach als Gay Version vor 😉 Ein grosses Kompliment an Fox, dass dieser Filmverleiher einen solchen Film in die hinterste Ecken und nicht nur in die Grosstädte bringt! Dieser Film wird so vielen Teen-Kid’s helfen und vielen anderen Freude bereiten. Die Tween-Version dieses Films wäre „Shelter (2007) auch so sanft, authentisch und erhebend. Die heutigen Kids können sich Glücklich schätzen einen solchen Film sehen zu können. Im Kino bei der Premiere in einer ländlichen Gegend der USA so viele Gay-Kids zu sehen die Händchen gehalten haben durch den ganzen Film oder sich aneinander gekuschelt haben, und applaudiert, geschrieben und angefeuert in den Saal gerufen haben, war ein bewegender Moment. So schön zu sehen wie sich die Zeiten geändert haben seit ich vor dem Screen dahingeschmolzen bin als ich „Class (1983)“ mit Rob Lowe, Andrew McCarthy, John Cusack and Jacqueline Bisset geschaut habe. Auch ganz toll, dass eigentlich die ganzen tollen Szenen im Trailer in den ersten Minuten des Films passieren, und damit nicht wie bei vielen anderen Komödien alle Jokes bereits verbraten sind. Viel Spass allen, die den Film in der Schweiz sehen werden
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