Vergiss die Bachelorette, schau «Love Bus»!

Die Neuauflage der japanischen Kultsendung «Ainori» läuft endlich auch in Europa auf Netflix. Wir haben uns die ersten Folgen der wohl klischiertesten und merkwürdigsten Dating-Show aller Zeiten reingezogen.

Zwischen 1999 und 2009 war Japan im «Ainori»-Fieber. Eine Reality-Dating-Show, in der vier Männer und drei Frauen in einem pinken Van durch die Welt chauffiert werden und dabei versuchen, die wahre Liebe zu finden. Simples Konzept, aber hocheffektiv. Immerhin hat sich die Sendung offiziellen Angaben nach für 44 Liebesbeziehungen, acht Ehen und unzählige Kinder zu verantworten.

Nicht ganz zehn Jahre nach der letzten Staffel haucht Netflix der Show neuen Atem ein und strahlt die exklusiv produzierte brandneue Staffel unter dem Namen «Love Bus – Asian Journey» seit heute sogar in Europa aus. Wir haben uns – ohne grosse Erwartungen – die ersten paar Folgen gegeben und sind gleichermassen irritiert, genervt und verliebt.

Das Konzept

Wie der Titel «Love Bus» schon gut verrät, ist das Ziel – wie bei jeder klassischen Dating-Show – auch hier die Pärchenbildung. Die sieben Kandidatinnen und Kandidaten treten die Reise als Singles an, mit dem Ziel als Nicht-Singles wieder heimzukehren. Dabei reisen sie mit einem (je nach Aufenthaltsort wechselnden) Fahrer und einem kleinen Filmteam im namensgebenden Bus durch ganz Asien.

Bei lustigen Gruppenaktivitäten und langen Autofahrten kommen sie einander näher. Verliebt sich ein Mann in eine der Mitreisenden – und wird seine Liebe erwidert – dürfen die Turteltäubchen die Heimreise antreten. Trifft das Liebesgeständnis auf taube Ohren, verlässt nur der arme Abgewiesene den Bus. Sein Platz wird durch einen Nachfolge-Casanova ersetzt.

Die Umsetzung

Für europäische Augen und Ohren scheint «Love Bus» anfangs wahrscheinlich wie ein schlechter Scherz. Während der einzelnen Szenen werden ununterbrochen Emojis, riesige bunte und blinkende Schriftzüge anderer irritierender Klimbim eingeblendet. Zudem verbringen vor allem die weiblichen Charaktere einen ganze Menge Zeit damit, beschämt zu kichern oder (grundlos?) aufgeregt zu schreien. Die gesamte Aufmachung wirkt sehr hysterisch und auf eine lustige Weise amateurhaft. Wie eine einzige, lange Werbung für Süssigkeiten. Aus Kulturforschungssicht bestimmt superinteressant.

Die Kandidaten

Den wahren Charme einer erfolgreichen Show machen die Persönlichkeiten aus. Und das trifft ganz besonders hier zu. Grossartig inszenierte Liebesdramen und Softpornoszenen wie bei Bachelor und Konsorten spielen sich bei den schüchternen Japanern nämlich nicht ab. Gelegentliches Händchenhalten und ein scheues Bussi hier und da scheinen schon fast als Heiratsantrag zu gelten.

Stattdessen punktet «Love Bus» mit Kandidaten wie dem Mädchenschwarm Taka, der aussieht wie ein 15-jähriger Gymnasiast und nur zwölf Tage Zeit hat, um seine grosse Liebe im Bus zu finden. Danach hat er nämlich keinen Urlaub mehr und muss deswegen die Show frühzeitig verlassen. Aber auch die junge Depparin ist ein Highlight: Sie findet sich selbst «unterdurchschnittlich», ist jedoch mächtig stolz auf ihre grossen Schneidezähne. Kawaii!

Sexismus

«Love Bus» zeigt Szenen, die bei europäischen Produktionen im Jahr 2018 so nie und nimmer durchgekommen wären. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn der Bachelor seine Rosen danach verteilen würde, wie erotisch seine «Damen» in engen traditionellen Kleidchen aussehen. (Was er basically eh macht, nur wird es nicht offen ausgesprochen). Überhaupt scheinen männliche und weibliche Rollenbilder in der japanischen Kultur sehr festgefahren zu sein – und vor allem vollkommen akzeptiert.

Klischees

Obwohl bei den Japanern schon eine zufällige Berührung fast schon als unanständig zu gelten scheint, haben die Liebessuchenden im «Love Bus» keinerlei Probleme damit, vor laufender Kamera ihre Erektionen in der Badehose zu zeigen, wenn eine grossbusige Schönheit vor ihnen steht. Und auch das klischeehafte «An-schmutziger-Damenwäsche-Schnüffeln» darf natürlich in einer Show, die Japans liebeshungrige Jugend repräsentieren soll, nicht fehlen.

Wer fremde Kulturen und/oder unterstes Trash-TV liebt – und mit dem nervigen Gequatsche eines «Expertenteams» zurechtkommt, das aus unerklärlichen Gründen alle paar Sekunden eingeblendet wird und total unzusammenhängendes Zeug quatscht –, der wird von «Love Bus» besessen sein. Oder vielleicht auch nicht. Ist ein bisschen, wie mit Koriander. Kann man lieben, muss man nicht.


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34 Kommentare

hansruedi vor 8 Monate
Macht süchtig diese Serie. Das Verhalter der japaner ist vorallem spannend
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Antwort
M.F. vor 8 Monate
OMG wie dumm sind die Menschheit nur geworden ?
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Antwort
Antwort von Klugsc3!$$3r vor 8 Monate
Korrekt wäre: ..ist die..
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1
Antwort
Antwort von Grammarly vor 8 Monate
"ist"
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