Ich schaue seit Jahren das gleiche Youtube-Video

Elf Millionen Klicks auf einem knapp vierstündigen Soundtrack-Video auf Youtube: Bei Konzentrationsschwierigkeiten schwört unsere Redaktorin darauf. Nützt das aber wirklich?

Seit gut fünf Jahren höre ich mir täglich denselben Soundtrack an. Dreieinhalbstunden lang. Weil ich die Musik von J.R.R. Tolkiens verfilmtem Werk «The Lord of the Rings» vergöttere – und sie mich in Lernekstase versetzt. Doch wie normal ist meine Besessenheit, bei jeglicher Konzentrationsarbeit auf die Playlist zurückzugreifen?

Die Playlist auf Youtube mit über elf Millionen Aufrufen – mindestens eine Viertelmillion davon verdankt der Channel meines Vertrauens mir  – versetzt mich in eine Konzentrations-Trance. Die 220 Minuten puren Büffelvergnügens, die mich beim Klicken des Start-Buttons mit einem Gefühl von Optimismus und Wärme überschütten, haben sich nicht nur in meiner bisherigen akademischen Karriere, sondern auch während der Arbeit als wahre Freunde bewiesen.

14‘000 Abonnenten für ein Video

Das vor fünf Jahren veröffentlichte Video von «Gandalf the White», der mit nur diesem einen Video ganze 14‘000 Abonnenten ansammeln konnte, war aber nicht nur mir stets ein treuer Begleiter durch stressige Lebensphasen. «Ich bin meinen ersten Marathon zu dieser Musik gerannt», schreibt etwa Youtube-User «greger2045». Und genau wie mir, hat der Soundtrack auch Nutzer «Silver Fortune» durch Strapazen im Studium geholfen.

Über die Tatsache, ob sich die Musik aber tatsächlich immer als treuer Lern-Buddy bewährt oder aber doch mehr Ablenkung als Selbstbesinnung ist, sind sich viele uneinig. Unzählige Akademiker liefern sich ein endloses Battle darüber, wessen Studie denn nun Recht behält. Hilft uns unsere Lieblingsmusik in der Wiederholungsschleife, strengt klassische Musik oder vielmehr Katy Perry unsere Hirnzellen an oder sollten wir uns ganz einfach gegen jegliche musikalische Unterhaltung entscheiden? Studien widersprechen sich.

Es geht auch mit Hardrock

«Wichtig ist, sich selbst zu hinterfragen, ob man mit Musik wirklich effizienter lernt», erzählt uns die diplomierte Lerntherapeutin ILT/SVLT Irène Gürber der Praxis «Lernen und Entwickeln» in Stäfa. Man solle sich bewusst sein, wofür man die Musik braucht: Etwa zur Konzentration, zum Auswendiglernen, als Motivation oder um sich in Arbeitsstimmung zu versetzen.

«Ich kann keine spezifische Musikrichtung festlegen, bei der man sich besonders gut konzentrieren kann», so Gürber, die ihre Erkenntnisse vor allem aus der Praxis mit Lernenden gewonnen hat. Dies sei individuell. Während die meisten ruhige Playlists auswählen, gäbe es aber auch Ausnahmefälle, die zu Hardrock lernen würden. «Die Musik muss dem Schüler gefallen, um ihn zu motivieren.» Idealerweise trete die Musik aber in den Hintergrund, ohne dass man sie bewusst wahrnimmt.

«The Lord of the Rings» bis ans Lebensende

«Wenn das Gehirn bei einer bestimmten Art von Musik schliesslich eine positive Erfahrung gemacht hat, greift es auf dieses Erlebnis zurück, wenn immer dieselbe Playlist wiederholt wird», erzählt die Lerntherapeutin. Soll ich mir nun also den Soundtrack zu J.R.R. Tolkiens verfilmtem Meisterwerk bis an mein Lebensende anhören, um produktiv zu sein? Ja. Denn wenn ich mir also zum tausendsten Mal in Folge den «The Lord of the Rings»-Soundtrack anhöre und dabei produktiv bin, merkt sich mein Gehirn, wie glücklich ich dabei bin und sprüht nur so vor Leistungsfähigkeit. Auf weitere tausende Mal also.

Und auf welche Playlists und Musiker greifst du zurück, um dein Konzentrationslevel mal wieder auf Hochtouren zu bringen? Erzähl es uns in den Kommentaren!


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35 Kommentare

Beni vor 4 Monate
Achso, das Video wurde im März 2015 hochgeladen, ist also 3 Jahre alt. Trotzdem hört die Frau das seit 5 Jahren jeden Tag einmal, wie sie sagt, & hat damit laut Video 20'000 Clicks generiert, laut Beitrag sogar 250'000. Selbst wenn sie es seit 3 Jahren jeden Tag anklickt, macht das bloss etwas mehr als 1000 Clicks.
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Simi vor 4 Monate
5x365= 250'000 Toll, wieder was gelernt heute!
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Martin vor 4 Monate
Die LPs Oxigene und Equinox von Jean Michel Jarre begleiten mich seit mehr als 40 Jahren. Deshalb besitze ich sie analog in 5-facher Ausführung (je 2 LP's sind noch ungehöhrt!) und in der digitalen Version. Funktionieren bei mir hervorragend zum Lernen und zum Einschlafen 😃 !
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Duquessa vor 4 Monate
Ichselber habe beim Schreiben meiner Bachelor- und Masterarbeiten immer wieder den gleichen Soundtrack gehört. Da die Musik vertraut ist lenkt sie nicht ab. Sie hilft dadurch das sie andere störende Geräusche wie schimpfende, stampfende Nachbarn usw. übertönt. Dies hilft mir beim Schreiben.
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