So sehen fremde Kühlschränke aus

Ein französischer Fotograf warf zwischen 1993 und 2017 einen Blick in über 100 Kühlschränke. Seine Sammlung veröffentlicht er nun als Buch.

In den 90er-Jahren richtete Olivier Degorce sein Augenmerk auf die aufblühende Elektro-Szene in Frankreich. Der Fotograf und Musiker hat als einer der Ersten fast schon zwanghaft die Raves fotografiert – mal analog, mal digital. Mal mit einer hochwertigen, mal mit einer einfacheren Kamera. Ohne Apparat war der 54-Jährige nie anzutreffen.

130 Kühlschränke

Neben der Underground-Kultur interessierte sich der Franzose vor allem für Ernährung. Genauer: Dem Inhalt von Kühlschränken. «Mich haben die Produkte, die Verpackungen und die Ordnung in den Kühlschränken fasziniert», erzählt er uns im Interview. «Sie decken die Essgewohnheiten vieler Menschen auf».

Er begann deshalb Bilder von Kühlschränken zu schiessen. Der in Paris ansässige Degorce lichtete zwischen 1993 und 2017 über 130 Kühlschrankinnere ab und veröffentlicht die Bilder in seinem neuen Fotobuch «Fridge Food Soul». Gefunden hat er die Kühlgeräte bei Freunden, Verwandten und Kunden, die er für Shootings besuchte. Verdreckt mit Essensresten und Schimmel oder ganz minimalistisch und geordnet – im Buch sieht man: Einige Besitzer hegen und pflegen ihre Kühlschränke, bei anderen steht Hygiene wohl nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.

Hunderte Ecstasy-Pillen und Ungeziefer

Auf den Fotos findet man Kühlschränke, als wären sie aus einem Küchenkatalog entsprungen – blitzsauber, geordnet und rein. Dann aber wiederrum Dinge, die nicht in einen Schrank voller Essen gehören, wie Ungeziefer – ausser man steht auf die alternative Proteinzufuhr. Uns stellen sich auf jedenfall die Nackenhaare auf. Dem Fotografen auch?

«Es schockiert mich nichts. Ich lichte oft Schmutz, Flecken und Abfälle ab. Aber überrascht werde ich schon vom Müll in einigen Kühlschränken», berichtet er. «Ich habe auch schon hunderte Ecstasy-Pillen in transparenten Gläsern im Fach entdeckt».

Was hat sich in 24 Jahren verändert?

Seine «lebendigen Tableaus eines zeitgenössischen Stilllebens» – so bezeichnet Olivier seine Bilder – zeigen aber nicht nur die individuellen Ernährungsgewohnheiten. Degorce möchte dokumentieren, wie sich in Frankreich Verpackungen, Angewohnheiten und Vorlieben in den letzten 24 Jahren verändert haben: «Ich habe mit den Jahren die Besessenheit von Menschen bemerkt, nur gesunde, biologische Lebensmittel zu kaufen – und umgekehrt: die Vermehrung von Low-End-Produkten fällt ebenfalls ziemlich auf».

Über seinen eigenen Kühlschrank sagt der Franzose, dass er ziemlich gewöhnlich sei: «Ich bin ein Allesfresser. Und manchmal befinden sind nur ein paar Rollen Film drin».

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9 Kommentare

deb_ch vor 4 Monate
Bild 8/11 - nach meinem Geschmack
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Grosi60 vor 4 Monate
Der Besitzer des Kühlschranks auf Bild 6 ist rin Sauhund!
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Antwort von Opi61 vor 4 Monate
Vielleicht aber auch ein Ameisenbär!
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Mech vor 4 Monate
Arbeite im Aussendienst und repariere auch Külhgeräte. Es ist wirklich erschreckend... Extrem viele Geräte sind extrem dreckig. Viele offene Produkte welche schon bald den Weg selber nach draussen finden. Tablar so dreckig dass man kaum noch was sieht wenn man durchschauen möchte. Echt widerlich! Gibt viel mer "Sauhünd" als man sich vorstellen tellen kann.
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