Deutschrapper macht aus Weicheiern Männer

Der Gangsterrapper Kollegah erklärt dir, wie du Frauen rumkriegst und wie Geld funktioniert. Ein wichtiges Buch.

Im Vergleich zu vielen seiner Gangsterrap-Buddys weiss Kollegah, was es bedeutet, zu hustlen. Dass das Geldverdienen in der Musik schwieriger geworden ist und Major-Labels auf den ein oder anderen Jacuzzi verzichten müssen, weiss man ja. Entsprechend früh erkannte das wohl Felix Blume – wie Kollegah mit bürgerlichem Namen heisst – und besorgte sich eine der rentabelsten Nebeneinkünfte überhaupt: Selbsthilfe.

Ein Typ, der regelmässig die Charts knackt, über einen neuen Holocaust rappt und gleichzeitig viele Urkunden in der Schule bekam – im Buch zeigt er ein Foto davon –, der kann definitiv was erzählen. Und gleich vorweg: «Das ist Alpha» kann tatsächlich ein Arschtritt sein. Für deine Faulheit oder deine Motivationslosigkeit – aber auch für den gesunden Menschenverstand.

Es ist kompliziert

«Es ist ein selbstbewusstes Männer-Buch in einer vermehrt androgyn gewordenen Gesellschaft», schreibt Kollegah im ersten Kapitel. «Und sowas schmeckt den verweichlichten Presse-Pussys selten.» Gleichzeitig postet er auf seinem Insta diverse DMs, in denen sich Fans über Journalisten auslassen, die das Werk zerreissen. Als Deutschrap-Fan und – naja – Journalist hab ich gleichzeitig Respekt für den Realtalk, andererseits fühle ich mich ein bisschen angepisst.

Das ist nicht weiter schlimm, denn laut Kollegah ist Unzufriedenheit notwendig, um zum Boss zu werden. «Das Auto wurde nicht erfunden, um die Menschen mobiler zu machen. Man fand einfach Kutschen scheiße und unpraktisch», schreibt er. Ohne auf den korrekten historischen Kontext einen Fick zu geben – Kollegah-Style eben – klingt das ziemlich fair. 

Weg vom Lauch

Der Deutschrapper ist sich auch dem Problem der üblichen Motivationsliteratur bewusst und lästert über deren Autoren: «Er recycelt schlicht und einfach tausendmal gehörte Standardfloskeln von wiederum anderen Autoren und bringt dies unter einem plakativen Titel als mageres Büchlein heraus, um eventuell ein wenig sein Hartz IV aufzubessern.» Eine ziemlich treffende Beschreibung.

Der Haken daran: Bis auf Hartz IV trifft das alles auch auf Kollegahs Buch zu. Aber das muss nicht schlecht sein. Die grossen religiösen Werke sind meist auch nur ein Remix verschiedener Ur-Religionen. Es geht nur darum, den gleichen Scheiss für eine neue Zielgruppe zu erzählen. Und dank Kollegahs Buch kommt jetzt ein weiterer Teil der Menschheit dazu: 15-jährige Teens, die mit Kaugummikippen im Mund Mitschülerinnen mit Blowjob-Sprüchen belästigen und nur darauf warten, endlich alt genug zu sein, um in Shisha-Bars über neue Sportkarren zu diskutieren.

So weit, so gut

Das ist immer noch eine gute Sache. Denn Kollegah trifft deren Lingo verdammt gut. Und kann dich tatsächlich motivieren, deinen Arsch von der Couch zu kriegen. Denn die üblichen Rezepte – glaub an dich, kümmere dich um deinen Körper, sei verlässlich, spare Geld etc. – taugen ja tatsächlich. Es gibt nur einen Haken: Durch das gesamte Buch zieht sich chauvinistisches, sexistisches, rückständiges Mittelalterdenken.

In der Musik geht Provokation klar. Und sie ist auch wichtig. Niemand hätte über ein zweitklassiges Deutschrapalbum geschrieben, wenn nicht der Rapper noch ein paar Auschwitz-Sprüche gedroppt hätte. Aber sorry – das hat in dem Buch nichts verloren. Und deshalb fühlt sich «Das ist Alpha» ein bisschen an wie wenn ein 14-Jähriger zu viel rechtskonservativen Scheiss auf 4chan gelesen hat und danach eine edgy Version von «The Secret» geschrieben hat. Schade.


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63 Kommentare

VerSchnitt vor 3 Monate
Ötzi: Ich bin ein Hornbach-Kind!
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Xikon Snake vor 3 Monate
es waren farids parts ihr nichts wisser...
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Kevin vor 3 Monate
Und was ist an rechtskonservativ schlecht? Schlecht ist hier höchstens der Schreiberling, weil er es nicht vermag zu differenzieren.
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Antwort von was ist an rechtskonservativ schlecht? vor 3 Monate
Elitendenken und Förderung statt Förderung der Besten, Vetternwirtschaft, spaltung der Bevölkerung, Rassismus, ggf Faschismus, immer heulen was für arme Opfer sie sind wenn sie kritisiert werden (Mimimi Weltmeister)aber dabei ohne Pause Dinge kritisieren wo schon die Kritik beweist das sie nichts verstehen, öffnung der Einkommensschere um die arbeitende Bevölkerung besser unterdrücken zu können..... Ein paar von vielen vielen Beispielen 😛
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