Hier werden Katzen ausgebuht

Wir haben vergangenes Wochenende eine Katzenmesse mit Schönheitswettbewerb besucht. Neben all der Freude über die herzigen Samtpfoten kamen dann aber doch ein paar moralische Bedenken auf.

Ich beginne diesen Text mit einem persönlichen Geständnis: Am besten gefallen mir leider die reinrassigsten und für Aussenstehende hässlichsten Exemplare. Flauschige Perser mit eingedrückten Gesichtern, splitternackte Sphynx oder Alien-eske Devon Rex. Je skurriler die Tierchen aussehen, umso eher treffen sie meinen ästhetischen Geschmack.

Der Katzenclub Züri-Leu veranstaltet jährlich die grösste und wichtigste Schweizer Ausstellung für Zucht- und Rassekatzen und deren eingefleischte Fans. Vergangenes Wochenende stieg die haarige Sause – deren Highlight die grosse Schönheitswahl in diversen Kategorien darstellt – in der Sportanlage Hofmatten der Aargauer Gemeinde Wohlen.

Die extravagantesten Rassen

Selbstverständlich ist mir bewusst, dass diese Einstellung ethisch ziemlich bedenklich ist und Qualzuchten keineswegs eine Angelegenheit sind, das man unterstützen sollte. Und doch geht für mich eine ungeheure Faszination von bizarr anmutenden Designer-Kätzchen aus.

Und damit scheine ich ganz offensichtlich nicht alleine dazustehen; denn das Katzen-Business boomt, wie sich auf der Ausstellung in Wohlen herausstellt. Unzählige Züchterinnen und Züchter aus der Schweiz und dem europäischen Ausland präsentieren ihre schönsten und extravagantesten Exemplare verschiedenster Rassen.

Buschige Rassekonformität

Die aus internationalen Katzenprofis zusammengesetzte Jury lässt sich nicht lumpen und kontrolliert die perfekt gestriegelten und gekämmten Büsis bis ins kleinste Detail: Ist der Abstand zwischen den Augen korrekt, wellt sich das Haar rassekonform und hat der Schwanz die richtige Länge und Buschigkeit?

Die stolzen Besitzer wirken nervös, fast angespannt. Schliesslich geht es um die Ehre, den Pokal mit dem Titel «Best of Show» oder gar den absoluten Spitzenpreis «Best of Best» mit nach Hause nehmen zu dürfen. Während die meisten der Katzen relativ gelangweilt die Prozedur über sich ergehen lassen, fiebern die wettbewerbswilligen Cat Ladys aufgeregt mit.

Übereifrige Katzenmamas vs. Tierische Freiheit

Das eine oder andere Mal höre ich sogar ein missgünstiges «Booo!» aus dem Publikum, wenn eine Konkurrenz-Katze mehr Punkte erzielt als das eigene Schätzchen. Das ganze Spektakel erinnert mich an diese amerikanischen Reality-Shows, in denen übereifrige Mütter ihre minderjährigen Töchter dazu zwingen wollen, Schönheitsköniginnen oder Prima Ballerinas zu werden.

So verliebt ich auch in jede einzelne Katze dieser Welt bin – umso grösser wird mein schlechtes Gewissen von Minute zu Minute. Den anwesenden Tieren scheint es zwar ehrlich gesagt an nichts zu mangeln. Sie scheinen gesund, gepflegt und umhegt. Und doch werde ich das Gefühl nicht los, als würden sie jederzeit ihr Dasein als glamouröse Show-Tiere gegen ein vielleicht weniger behütetes, dafür natürlicheres und freieres Leben eintauschen.

Video von Valentina Sproge


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34 Kommentare

Special K vor 10 Tagen
Katzen sind Raubtiere! Es ist sehr schade einem Wesen seiner Natur zu entziehen und durch Zucht seine Leistungsfähigkeit vermindern um ein suspektes schönheits Ideal zu erreichen. Stellen sie sich mal vor wir würden das mit Menschen machen! Die meisten Leute sind sehr egoistisch und stellen ihr Vergnügen oder ihre Faulheit vor das Wohl ihrer Tiere und kommen ihrer Verantwortung nicht nach.
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Wer auch immer vor 11 Tagen
So einen Blödsinn habe ich selten gelesen. Der pinkhaarige ‚Herr‘ sollte sich besser ein bisschen mehr um die Wahrheit und um Fakten kümmern, denn um seine Tattoos. Für einmal muss ich Herrn Trump recht geben wenn er von ‚Lügenpresse‘ spricht!
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N.D. vor 11 Tagen
Und wo genau werden die Katzen ausgebuht???????????????
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Antwort
Ein Rassekatzen Züchter vor 11 Tagen
Wir sind selber Züchter von Rassekatzen. Ich muss gestehen, es ist auch für uns immer ein Graus, wenn wir die Schätze von 8.30 Uhr bis teilweise 17:30 Uhr in einen Käfig sperren müssen. Doch wenn man seinen Nachwuchs, sprich, die Kitten in ein gutes Zuhause geben möchte, verbessert man seine Chancen, wenn die Eltern auch entsprechende Stammbäume haben und dazu auch Titel errungen haben. Unsere Zuchtkatzen sind mittlerweile beides World Champions und müssen auf keine Ausstellungen mehr. Zum Glück, denn es besteht dort nämlich stets das Risiko, dass sich die Fellnasen mit einer Krankheit infizieren auch wenn man noch so vorsichtig ist.
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