Würdest du Tickets für deine Hochzeit verkaufen?

Um die Kultur kennenzulernen, kaufen sich Touristen Tickets für indische Hochzeiten. Das Brautpaar deckt damit die Ausgaben.

Indische Hochzeiten gelten – gleich nach der royalen Hochzeit und Janet Jacksons Nippelblitzer beim Superbowl – als prunkvollste Ereignisse der Welt. Und wer sich hierzulande vertieft mit Indiens Kultur auseinandersetzt und dafür Reisebroschüren liest, erlangt schnell Mal das Gefühl, Indien bestehe nur aus dem Ja-Wort und Hochzeitstänzen.

Das heisst: Wer mit mehr als nur ein paar Insta-Fotos vor dem Taj Mahal nach Hause kommen und das richtige Indien kennenlernen will, der muss eine Hochzeit besuchen. Leider dürften aber die meisten Menschen am wahrscheinlich bedeutungsvollsten Tag ihres Lebens keinen Bock auf Touristen haben. Aber die Ausnahme bestätigt die Regel.

AirBnB für Hochzeiten

JoinMyWedding, eine Internet-Plattform im AirBnB-Style, vermittelt nämlich Brautpaare, die gegen Bezahlung Feriengäste an ihre Hochzeit einladen, mit Reisenden, die während ihren zehntägigen Indien-Ferien das Land von Grund auf verstehen wollen.

Das Ganze funktioniert simpel: Du surfst die Liste der hochzeitswilligen Paare durch, übersetzt mit Hilfe von Wikipedia die kurios klingenden Namen der verschiedenen Hochzeitstraditionen und bezahlst die meist rund 100 Franken pro Tag via Paypal. Das Portal vermittelt dich mit einem Organisatoren des Festes – meist ein Verwandter des Paares –, er erklärt dir wie der Hase läuft, was du anziehen sollst und wie du den Namen der Braut aussprichst. Ein paar Wochen später schüttelst du bereits deine mit Henna-bemalten Hände auf dem Dancefloor einer originalen indischen Hochzeit.

Kulturaustausch

Das Ziel der ganzen Sache ist laut dem Team hinter JoinMyWedding der Kulturaustausch. An der Trauung und dem Rundherum erlebt der Tourist Musik, Kleidung, Food und Traditionen so hautnah, wie ansonsten wohl selten im Land. Man wird auch zu einigen Hochzeitsvorbereitungen eingeladen und darf endlich Mal ein Bindi tragen, ohne sich wie ein kulturblinder Idiot zu fühlen.  

Im Gegenzug sind die rund 100 Franken Kosten pro Tag – wovon sich JoinMyWedding einen kleinen Teil abgreift – ein willkommener Zuschuss für die Hochzeitskasse. In einem Land, in dem laut der Weltbank jeder fünfte in extremer Armut (weniger als zwei Franken pro Tag) lebt und das monatliche Durchschnittseinkommen rund 140 Franken beträgt, schenkt ein Dutzend Touris mit je einem Hunderter ziemlich ein.

Eine gute Idee?

Bisher vermittelte die Organisation über 100 Hochzeiten. Und die Werbevideos und Testimonials sprechen ebenfalls für sich: «Wer Indien kennenlernen will, muss eine indische Hochzeit besuchen», sagen oder schreiben diverse Touristen der Plattform.


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15 Kommentare

Spartan vor 19 Tagen
Ist genau gleich wie bei denn Chinesen. Hauptsache Gross und Pompös, damit man zeigen kann was man hat, oder eben auch nicht. Das wäre mir einfach zu blöd.
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S.Z.* (*Name mir bekannt aber ich will hier nicht gedisst werden dafür) vor 19 Tagen
Was sollen wir euch schenken zur Hochzeit? Was braucht ihr noch? Wo gibts eine Liste für den Gabentisch? Mögt ihr Rotwein? Habt ihr schon einen Fischbräter? Nö, haben wir nicht, wollen wir nicht und auch sonst brauchen wir keine Geschenke. Damit euch das Kommen zur Hochzeit ohne Geschenk aber nicht zu peinlich ist und ihr dann nicht doch mit dem ganzen Mist vor der Türe steht obwohl es ausdrücklich auf der Einladung stehen würde, verlangen wir pro Person 150.- Eintritt für dieses (hoffentlich) einmalige Event. SO haben wir das gemacht. Also hat jeder 150.- bezahlt, keiner musste sich über Geschenke Gedanken machen und wir nicht über die Finanzierung des guten Essens, des Ausflugs mit der Pferdekutsche, den Feuerkünstler, die Livemusik und des guten Weins und konnten so sehr entspannt unsere Hochzeit geniessen, wohlwissentlich, dass wir keinen Bankkredit dafür brauchen werden so wie andere. Eintritt an Hochzeiten ist die absolute Zukunft und erspart den ganzen Ärger mit dem raus holen von Saucieren wenn die Schwiegermutter zu Besuch kommt welche sie zur Hochzeit geschenkt hat. Ich glaube uns hat der ganze Spass (und das war es wirklich) am Ende Netto Fr. 600.- aus der eigenen Tasche gekostet und das mit Brautkleid.
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Antwort von z.S. vor 19 Tagen
jetzt wirst hart gedisst
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Antwort von Pfui vor 19 Tagen
Ich würde nie eine Hochzeitseinladung annehmen, welche mich verpflichtet, 150.- zu bezahlen, weil mir diese Erwartungshaltung zuwider ist. Bei unserer eigenen Hochzeit haben wir Leute eingeladen, welche uns wichtig sind und wir an diesem Tag um uns herum haben wollten. Darunter ausländische Gäste, deren Auslagen für Reise und Unterkunft eh schon hoch waren. Über (Geld-) Geschenke haben wir uns gefreut, aber wir hatten diesbezüglich keine Erwartungen. Ehrensache, dass man seine Hochzeit selber bezahlen kann. Ich würde mich schämen, von Gästen Geld zu verlangen.
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