Island hat seine Teens in Musterschüler verwandelt

Vor zwanzig Jahren war Islands Jugend verkifft und versoffen. Dank einem cleveren Programm sind die Insel-Teens jetzt aber verdammt brav.

Wir werden alle immer braver. Wir trinken weniger, rauchen weniger, kiffen weniger. Das mag daran liegen, dass wir uns unserer Gesundheit, unserem Wohlergehen oder gar der Erde immer bewusster werden. Oder es liegt daran, dass wir überall eingeredet bekommen, dass wir uns selbst optimieren sollen, damit wir besser im Job performen und auf Tinder ein bisschen attraktiver rüberkommen. Der Hustle ist halt real.

Während die Schweizer Jugend immer weniger trinkt (weniger als 10% der Schweizer 15-Jährigen konsumieren laut der WHO wöchentlich Alkohol), gehören wir im internationalen Vergleich doch (noch) nicht zu den Musterschülern – gerade wenn wir uns mit Island vergleichen. In den Neunzigern war beinahe die Hälfte aller 14- bis 16-jährigen Isländer mindestens einmal im Monat betrunken. Jetzt sind es noch fünf Prozent. Beim Rauchen und Kiffen gabs einen ebenso eindrücklichen Rückgang. Und dafür hängen die Kids jetzt lieber mit ihren Eltern rum.

Was zur Hölle ist da geschehen?

Familienprogramm und Sperrstunden

Islands neue Generation an Musterschülern ist auf ein aufwendiges Programm zurückzuführen. Ab 1992 steckten Psychologen, Ärzte, Soziologen und Politiker die Köpfe zusammen und wollten den isländischen Teens «natural highs» andrehen. Damit ist kein CBD oder eine andere legale, natürliche Droge gemeint, sondern: Kampfsportarten, Tanzen, Kunstschaffen.

«Das Grundprinzip lautete: Drogenaufklärung funktioniert nicht, weil niemand dabei aufpasst», sagt Harvey Milkman, ein Psychologieprofessor der Universität Reykjavik, gegenüber dem «Independent». Mit Hilfe von aufwendigen Befragungen offenbarte sich: Drogen nahmen diejenigen, die keinen Freizeitclubs angehören, wenig mit den Eltern rumhängen und sich am Abend draussen rumtreiben. Das heisst: «Es geht schlicht darum, den Kids bessere Dinge zu tun anzubieten», sagt Milkman.  

Der Staat richtets

Nach der Devise krempelte der isländische Staat einige Dinge ziemlich radikal um. Tabak- und Alkoholwerbung wurde verboten, Zigaretten gabs erst ab 18 und Alkohol erst ab 20. Ein neues Gesetz schrieb vor, dass jede Schule Elternorganisationen mit regelmässigen Treffen einführt und ein anderes Gesetz verbot Kindern unter 16 länger als 22.00 Uhr (im Winter) oder Mitternacht (im Sommer) draussen zu sein.

Der Kernpunkt des Programmes war der Entscheid, mehr Staatsgeld in Sport und Kultur zu stecken. Ein hübsches Beispiel aus Reykjavík: Alle Minderjährigen sind berechtigt, eine Freizeitkarte zu beziehen. Mit dieser kann man jährlich für etwas mehr als 300 Franken beispielsweise bei einem Fitnesscenter trainieren, einem Fussballclub beitreten, Musikworkshops besuchen oder in einem Sommercamp mit Mountainbikes rumcruisen.

Das Resultat davon: In Island trinken und kiffen rund drei Mal weniger Jugendliche als bei uns. Und das klingt durchaus nachvollziehbar, denn: Skate-Parks sind wohl ein besseres Anti-Drogen-Mittel als Vorträge von Verwandten.


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56 Kommentare

ftp vor 6 Monate
a.k.a. polizeistaat.
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babush vor 6 Monate
also die isländerinen die ich kennengelernt habe, waren alles andere als im text beschrieben...
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klaus vor 6 Monate
darum wollen ja degenerierte stadträte drogen legalisieren
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TushMush vor 6 Monate
"Nach der Devise krempelte der isländische Staat" - Wie muss man sich das vorstellen, nach dem Folterprogramm alla "Colonia Dignidad" und der gutbürgerlichen Erziehung? Laut Kirche sollen doch die Kinder ihre Eltern erziehen ^^
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