So absurd ist die Jagd nach dem besten Foto

Ein Foto eines Bergs in Neuseeland geht gerade viral. Nicht wegen des atemberaubenden Ausblicks. Sondern weil Menschen Stunden anstehen, um ein instawürdiges Foto zu schiessen.

Heutzutage muss alles «instagrammable» sein. Der Lunch, das Schlafzimmer – sogar die Kinder, um möglichst viele Likes einzuheimsen. Ganz zu schweigen von den Ferien. Beach-Fotos, die aus Hochglanz-Magazinen entsprungen sein könnten, Hotel-Essen, bei dem Anblick sogar Caminada grün vor Neid wird und von jeglicher Zivilisation abgeschiedene Wanderwege mit Ausblick auf den See. Doch diese Aussichten sind nicht so einsam, wie sie uns vorgegaukelt werden, finden wir nun heraus.

Dutzende Insta-Poser stehen Schlange

Im Netz machen derzeit Bilder die Runde, auf denen Touristen auf dem Roy’s Peak-Berg auf der Südinsel Neuseelands erkennbar sind. Das erste Foto zeigt einen Wanderer, der mit ausgestreckten Armen allein auf der Klippe steht. Am zweiten Bild erkennt man jedoch die Realität. Man sieht den Wanderer erneut, hinter ihm stehen jedoch einige Dutzend weitere Instagram-Möchtegern-Poser, die für das gleiche Motiv anstehen. Sie alle wollen dasselbe: Ein Foto schiessen, das sie vermeintlich abgeschieden in unberührter Natur darstellt. Absurd.

Das Foto zählt auf Reddit bald 78‘000 Upvotes, auf Twitter über 2500 Likes und 1700 Retweets. Ein Sprecher behauptet gegenüber der BBC, dass die Fotos auf den sozialen Netzwerken stark gepusht würden. Das sei der Grund für die Beliebtheit dieser Aussicht. Die Besucherzahlen seien zwischen 2016 und 2018 um 12 Prozent gestiegen.

User sharen weitere Insta-Locations

Die Twitter-Community kritisiert die Fotos. Es sei eine traurige Welt, in der das Fotografieren als wichtiger eingestuft werde, als die schöne Aussicht zu geniessen, schreiben Nutzer. Andere finden «leben und leben lassen». Viele der Reddit- und Twitter-User posten unter dem Originalpost weitere Orte, an denen es gleich abläuft. Beispielsweise bei den blauen Kuppeln der Dom-Kirche in Santorini, dem Ashi-See in Hakone in Japan oder dem Felsvorsprung Trolltunga in Norwegen.

In unserer Diashow findest du mehr instawürdige Locations und deren Schlangen.


Kommentar schreiben

25 Kommentare

Pauline 1936 vor 10 Tagen
Ohne Foto wissen diese Menschen ja gar nicht mehr wo sie überall waren. Sie können die Aussicht nicht in Ruhe geniessen und sich darüber freuen. Traurig.
4
0
Antwort
Don vor 10 Tagen
Ganz einfach, ich geh nirgends mehr hin was in den Medien und auf Socialmedia gezeigt wird. Alles nur noch narzisstische Hippster. Und mehr als die Insta-Hotspots kennen diese Narzisten sowieso nicht. Ich geniesse meine Ruhe an fast menschenleeren Orten. Dort ist es viel schöner als unter dieser Masse von Hirnlosen 😃
21
0
Antwort
Sinalco vor 10 Tagen
" Es sei eine traurige Welt, in der das Fotografieren als wichtiger eingestuft werde, als die schöne Aussicht zu geniessen." Es ist auch noch nie einer auf den Mount Everest gestiegen um die schöne Aussicht zu geniessen. Es gehen immer nur alle hoch um zu sagen "ich war oben". Das man diese Momente nun fotografiert ist der einzige Unterschied zu früher als man noch im kleine Rahmen bekannt gab, dass man irgendwo war, was für andere als interessant galt. Die Welt ist also immer noch gleich traurig wie früher, nur sieht man es heute im Internet einfach besser.
9
3
Antwort
vor 10 Tagen
Sinnbild unserer Gesellschaft - oberflächlich und inhaltslos
16
0
Antwort
video
Die Welt boykottiert «Last Christmas»

Die Welt boykottiert «Last Christmas»

«Ich bin 24 und habe 120'000 auf dem Konto»

«Ich bin 24 und habe 120'000 auf dem Konto»

640'000 Dollar für einen Käse-Drucker

640'000 Dollar für einen Käse-Drucker

video
PewDiePie macht Werbung für Neo-Nazi

PewDiePie macht Werbung für Neo-Nazi