19-Jähriger widmet sein Leben Gott und Instagram

Als «Der Boi vom Seminar» teilt ein junger Deutscher aus Youtube und Instagram seinen Alltag im Priesterseminar und seine Gedanken zu Zölibat, Sünde und Zweifel am Glauben.

 

Während andere sich am Ende ihrer Teenager-Jahre vielleicht gerade an den harten Arbeitsalltag gewöhnen (oder das Studentenleben geniessen), gerade auf der Suche nach der ersten WG ausserhalb von «Hotel Mama» sind und sich auf der Suche nach der grossen Liebe sexuelle ein bisschen austoben, verbringt Josef Wagner den Grossteil seiner Zeit im Kloster.

Der 19-Jährige aus Augsburg war bis vor ein paar Tagen Priesterseminarist. Das bedeutet, er befand sich im sogenannten Propädeutikum – dem ersten Jahr der katholischen Priesterausbildung. Hier lernte er, zusammen mit elf anderen Männern zwischen Anfang 20 und 40, wie das Leben als Gottesdiener in der Praxis funktioniert und bereitete sich auf sein Theologiestudium vor.

Zwischen coolen Selfie-Posen und dem Papst

Auf seinem Instagram-Kanal «derboivomseminar» dokumentiert der junge Bayer seit September seine Eindrücke aus seiner Welt, die für uns Normalsündenfälle weiter weg liegt, als Narnia und ein Lottogewinn zusammen – könnte man meinen. Aber eigentlich merkt man keinen grossen Unterschied zwischen seinem Insta-Style und dem Posting-Verhalten anderer Altersgenossen.

Einzige Besonderheit: Zwischen Selfies mit Freunden, Reisefotos und dem obligatorischen «Ich gehe mit meinem süssen Hund spazieren»-Bild taucht hin und wieder ein Bild vom Papst mit der Beschreibung «Alter, der redet mit mir! #papafrancesco #catholic #boi» auf. Oder eines beim Ministrieren in der Kirche oder Bestaunen eines pompösen Altars während der Fastenzeit.

Der Lifestyle als Influencer Gottes

Das Bistum Passau, wo Josef seine Ausbildung machte, war schon bald auf den fotogenen und sympathischen Katholiken mit dem charmanten bayrischen Akzent aufmerksam geworden. Und da es sich heutzutage selbst die Kirche sich nicht mehr leisten kann, keine gute Social-Media-Strategie zu verfolgen, machte sie den Boi vom Seminar kurzerhand zu ihrem «Influencer Gottes».

In einer Videoreihe, die mittlerweile 19 Clips umfasst, redet der gutaussehende junge Mann zu verschiedensten Themen, die mit seinem Leben und Lifestyle als angehender Priester im Zusammenhang stehen. Da gehts dann um Sünde (die als Ausrutscher von Gott vergeben wird) über Nächstenliebe (der Boi arbeitet zwei Tage pro Woche in einem Heim für behinderte Kinder) und natürlich um die wichtigste Frage: Das Zölibat.

Freshe Rhetorik für junge Jesus-Fans

Seine kurzen Erläuterungen sind jugendlich und verständlich formuliert, weichen jedoch konkreten Antworten oft aus. Was denn jetzt vom Herrn genau als Sünde gesehen wird und ob der fesche Josef noch Jungfrau ist (und das auch zu bleiben gedenkt) erfahren wir natürlich nicht. Die «Jesus ist cool»-Rhetorik – wie manche sie wohl aus Jugendgottesdiensten vielleicht noch kennen – hat der Gottes-Influencer jedenfalls schon ganz schön gut drauf.

Sein Jahr im Priesterseminar St. Stephan hat der wohl coolste Priester in spe inzwischen abgeschlossen und konzentriert sich jetzt auf sein Studium, das ihn seinem Traum vom Job in den Reihen von Gottes Bodenpersonal einen weiteren Schritt näher bringen soll.


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41 Kommentare

Namensohn vor 3 Monate
Gott ist sicher begeistert...
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Alfred vor 3 Monate
Ich dachte immer Boi/Boy ist in der Gayszene ein Kosename für junge Männer die gern mit älteren Männern Sex haben...
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Antwort von Skinnybushman vor 3 Monate
Passt doch. Die meisten Priester sind ja etwas älteren Semester
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Antwort von Peitsche vor 3 Monate
ist es auch aber leider wissen viele Jugendliche auf sozialen Netzwerken mit Boy/Boi im Nutzername das nicht
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