«Wow – du hast dir gerade das Leben ruiniert»

Unser Autor steht nicht unbedingt für Sesshaftigkeit oder einen geregelten Alltag. Trotzdem heiratete er seine Freundin – mit gemischten Reaktionen.

Hättest du mich vor zwei Jahren gefragt, wann ich heirate, wäre die Antwort ein inbrünstiges «Niemals!» gewesen. Die Ehe war in meinen Augen eine verstaubte, unnötige, fast schon bünzlige Institution.

Dann kam sie. Vor nicht einmal einem Jahr lernte ich Valentina kennen, die ich nun meine Ehefrau nenne. Letzte Woche gaben wir uns das Jawort, inklusive Ringen, Hochzeitstorte und Blumen im Haar – Meghan Markle wäre neidisch gewesen. Für einen Teil meines Umfelds scheint diese Entscheidung aber absolut unbegreiflich zu sein.

Vom Low Life zum Altar

Um die Reaktionen zu verstehen, sollte ich vielleicht erklären, wie ich auf meine Mitmenschen wirke. Bis vor wenigen Jahren war ich der grösste Kiffer, den du dir vorstellen kannst. Glaub mir, ich hätte dich mit meiner linken Lunge unter den Tisch geraucht. Ich stolperte jeden Abend durch die Stadt, war an jeder Party der Letzte, der ging und am nächsten Nachmittag wieder der Erste, der ein Bier öffnete. So handelte ich mir die Reputation als ziemlich abgefuckter Typ ein.

Irgendwann wurde ich älter und weiser. Ich kann auch heute noch auf den Putz hauen, verspüre aber nicht mehr den Drang, Low-Life zu zelebrieren. Deshalb freundete ich mich mit dem Gedanken an, sesshaft zu werden. Das hab ich nun getan und bereue es keine Sekunde.

Wenn, dann sofort

Wir standen auf der New Yorker Brooklyn Bridge. Am Abend zuvor hatten wir einen unglaublich romantischen Antrag beobachtet also beschloss ich, spontan aufs Ganze zu gehen. «Lass uns heiraten», sagte ich, als wäre nichts dabei. Sie strahlte. Und obwohl auf der Mütze, die sie trug, ein grosses «Nope» stand, sagte sie ohne zu zögern ja.

Die Hochzeit sollte schnell, unkompliziert und unkonventionell über die Bühne gehen. Ich kenne zu viele Paare, die sich verlobt nennen, dann aber jahrelang in diesem Status hängenbleiben. Also besorgten wir uns einen Termin beim Standesamt und plötzlich stand ich mit schluddrig gebundener Krawatte im Hochzeitssaal. Im Kreise unserer engsten Angehörigen liessen wir uns trauen.

«Was passiert da gerade?!»

Weil ich stolz auf unsere Liebe bin, landeten natürlich auch Bilder der Zeremonie in meiner Insta-Story. Dann ging es los. Im Viertelstundentakt vibrierte mein Handy. «Wtf? Hast du geheiratet? That escalated quickly», schreibt eine Bekannte. «Was passiert da gerade?!», möchte die nächste wissen. Auch im Büro glauben einige Kollegen, es handle sich nur um einen Prank und weigern sich, meinen neuen Status als Ehemann zu akzeptieren.

Diese harmlose Ungläubigkeit amüsiert mich und ich habe keine Sekunde lang das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Einige meiner Follower reagieren aber ernsthaft empört: «Wow – du hast dir gerade das Leben ruiniert», schreibt ein Kumpel, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte. «Als du noch Punk warst, fand ich dich cooler.»

Heiraten ist punk as fuck

Nur 67 Prozent der Jugendlichen in Europa unter 20 finden, dass die «Heirat zum Leben dazugehört» und die Zahl dürfte bei Menschen mit meinem Lebenswandel noch etwas tiefer liegen. Für mich ist das allerdings nur ein Argument mehr.

Wenn es beim «Punk», oder wie immer man das nennen mag, darum geht, Erwartungen und Konventionen zu brechen, ist eine Blitz-Hochzeit mit Mitte 20 und einem wenig geregelten Lifestyle wohl mehr Punk als verbittert die Fahne des ewigen Junggesellen zu schwingen.

Einige – zugegeben leicht angeschwipste – Impressionen der Hochzeit siehst du oben im Video.


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56 Kommentare

Zombie vor 3 Monate
Sehr geehrte Damen und Herren, Punks und Old School Rappers, ich wünsche diesem Pärchen Herr Nei und Frau Valentina gute Gesundheit, viel Liebe und Geborgenheit und alles Gute und das Sie zusammen immer nur glücklich sind und widme Ihnen eines meiner Lieblingsliedern überhaupt und falls ich noch ein Tip geben kann, so möchte ich gerne mit Herr Nei von Mann zu Mann reden, Dankeschön : Lieber Nei, absolut verstehe ich dich, deine Gefühlswelt, bei einer schönen freundlichen Dame, da spürt man auch als Mann eine unglaubliche grosse Emotion und so eine grosse Emotion hat keine Stimme ( L` emozione non ha voce ), du liebst Vale mit Sicherheit über alles mein Guter und das ist richtig und damit Sie im weiteren Leben niemals über dich jemals Zweifel kriegt oder sonst so etwas in der Art, bring Ihr mindestens 2 - 3 Mal im Monat kleine Geschenke mit z.B Blumen, koch für Euch was gutes und das wichtigste überhaupt knuddel und streichle Sie jeden Tag und küsse Sie jeden Tag 24 tausenmal ( 24 mila baci ) und gib immer das Beste von dir, glaub mir, Valentina ist das und noch vieles mehr wert, alles Gute und Liebe euch Süssen!!! Euer grosser A.Celentano Fan Zombie!!!
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Antwort von Frau vor 3 Monate
*lach* wenn mein Mann mich täglich knuddeln und mir 24000 Küsschen geben wollte würd ich entweder ersticken oder aber rasend schnell davonrennen :-D aber ich weiss was Du meinst; Beziehungspflege😃
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M... vor 3 Monate
Ich habe meine Frau letzten Jahr geheiratet. Muss aber zugeben: nur wegen den Kinder. Leider!!
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Antwort von Giacomo vor 3 Monate
Viel Spass nach der Scheidung und Alimentezahlungen.GV ohne Folgen ist das Zauberwort,für Sie leider zu Spät.O.K. spätestens jetzt sollte die Vasektomie No.1 sein.
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