Worauf zeigen diese Menschen?

Eine Schweizerin sammelt Fotos aus Zeitungen, auf denen Menschen auf Dinge zeigen. Das ist wunderbar schräg.

Fotos, auf denen Betroffene, Beschuldigte, Belogene oder Berühmte mit einem Finger auf Dinge zeigen, gehören zur Grundausstattung eines jeden Lokalblattes. Und da dieses kaum Geld für genügend Personal hat, kommt da nur selten jemand auf die Idee, man könne doch mal etwas neues Ausprobieren. Ein Foto ohne ausgestreckten Zeigefinger, beispielsweise.

Das heisst: Da muss mal wieder ein bisschen Medienkritik von aussen her – seit dem «Lügenpresse»-Zeugs ist das ja eh wieder en vogue. Und diese stammt heute von der Schweizer Filmemacherin Beatrice Minger​.

«Hier sass er»

Als ihr auffiel, wie häufig das selbe Motiv immer noch in Zeitungen aller Grössen verwendet wird, begann sie, diese zu sammeln – aus reinem Spass. Die Bilder hingen am WG-Kühlschrank, wurden irgendwann zu einem Running Gag in Gruppenchats und bald erscheint die mittlerweile beachtenswerte Sammlung auch als Bildband bei der Edition Patrick Frey: «Hier sass er».

Und dieser ist ziemlich witzig. Von Bundesräten bis zu einfachen Bürgern – alle machen die gleiche, auf Dauer stupid wirkende Geste. Die Dinge, auf die gezeigt wird, sind hingegen vielfältig: Eine Zimmerwand, an der ein mysteriöses Klopfen hörbar ist; den Absturzort eines Basejumpers; der Ort, an dem ein Typ einen Bären gesehen hat. 

Aneinandergereiht wirken die Bilder entweder wie Beweise für einen effortlosen Journalismus oder wie eine weitere beknackte Internet-Challenge. Oder vielleicht wie beides, aber das mit dem Journalismus und dem Internet ist ja eine schwierige Beziehung. 

Beatrice Minger: Hier sass er
370 Seiten, 124 Farbabbildungen
CHF 48, Edition Patrick Frey 2018


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3 Kommentare

Hier vor 2 Monate
👇
5
1
Antwort
Haha vor 2 Monate
👈
8
3
Antwort
Antwort von vor 2 Monate
👆
7
2
Antwort
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