Student wird aus Versehen Mode-Wunderkind

Harry Henley-Freegard katapultierte sich mit seiner Abschlusskollektion unabsichtlich in den Himmel der britischen Fashion-Szene.

«Ich wollte nie Kleider machen und konnte es auch nie», gesteht Harry Henley-Freegard aka Harrie Bradshaw im Interview mit «Dazed Digital». Und doch schaffte es kein anderer Student, mit seiner Abschlusskollektion am weltbekannten (und ziemlich kostspieligen) Central Saint Martins College of Art and Design in London, einen so gewaltigen Medienrummel auszulösen, wie der 22-Jährige.

Seine Kreationen sind ein chaotisch zusammengewürfelter Albtraum aus Stoffresten und alten, getragenen Socken, spärlich zusammengehalten durch Sicherheitsnadeln, Gaffa-Tape und ganz viel Hoffnung, dass nichts auseinanderfällt. Mindestens so viel Vertrauen, wie Harry in seine «Klamotten» müssen seine Professoren in ihn haben.

Mit 18-Karat-Trottinett zum Erfolg


Central Saint Martins ist dafür bekannt, oft mehr als die Hälfte der Studenten von der prestigeträchtigen Final-Show am Ende des Jahres aufgrund mangelnder Kreativität auszuschliessen. Hier sind nicht nur Familien und Fans anwesend, sondern vor allem auch hochrangige Pressevertreter und Branchen-Profis auf der Suche nach neuen Talenten, die die Zukunft der internationalen Mode-Elite bilden sollen.

Freegards Kollektion – die mit dilettantisch zusammengewürfelten Outfits und trashigem Styling unter dem Motto «Harry Is Dead» steht – ist die mit Abstand meistbejubelte des Abends. «Tot zu sein, ist die nachhaltigste Lösung für unseren Planeten», erklärt Harry die Intention. Zum krönenden Höhepunkt rollt der exzentrische Designer selbst über den Laufsteg. Auf einem vergoldeten Trottinett, sein Gesicht eingerahmt von einer Zeitungsseite mit Nachruf auf ihn selbst – und die Modewelt steht Kopf.

Das Spiel mit dem schlechten Geschmack

Seine Entwürfe und Styles – bei denen auch mal ein Gummistiefel zum Handschuh umfunktioniert werden darf – seien ein «Spiele mit dem schlechtem Geschmack», so Harry. «Ich schaffe wandelnde Geschichten, feiere Misserfolg und Unvollkommenheit. Ich nutze den Körper als Plattform, um eine Idee klar und schnell darzustellen.»

Die A-Liga der Modeszene reisst sich darum, mit dem neuen Wunderkind zu kooperieren, das eigentlich gar keines sein möchte. Trotzdem läuft der Brite für Vivienne Westwood über den Laufsteg, eröffnet eine Show des Kultlabels «Rottingdean Bazaar» und steht derzeit auf der Liste der Nominierten für den renommierten Kunstpreis «MullenLowe Nova».


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20 Kommentare

Ekeltoni vor 5 Monate
Das ist nimmer ein wunderkind. Sondern einfach ein fettes, effekthascherisches arschloch. Moment mal!!!.......das bin ich auch!!! Gerade fällt mir an dem jungen man auf wie gekonnt er mit gegensätzen und farben spielt und dazu noch ein ernsthaft würdiges charisma versprüht ohne dadurch die kontroversität seiner zum umdenken anregenden darbietung zu schmälern.
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Martial2 vor 5 Monate
Die ganze Welt braucht so was definitiv nicht... Nicht die Rede wert!
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Dave the queen vor 5 Monate
Offensichtlich braucht es wenig an Substanz, um in den britischen Modehimmel empor steigen zu können. Da ich nun weiss zu was die Engländer fähig sind, erstaunt der Brexit etwas weniger.
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vor 5 Monate
Oh mein Gott. Die Welt spinnt....
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