«Von mir aus könnt ihr Feuerwerk ganz verbieten»

Das Feuerwerk gehört zum 1. August? Nein, findet unser Autor und freut sich über das diesjährige Verbot.

Mein Nachbar ist ein richtiger Patriot. In seinem Garten hisst er täglich eine Schweizerfahne, während der Nationalhymne hält er sich die Hand an die Brust und natürlich regt er sich fürchterlich auf, dass er heute Abend sein Vaterland nicht mit Feuerwerk ehren kann. Als ich ihm vergangene Woche begegnete, musste ich so tun, als wäre auch ich empört, einfach weil ich keine Lust auf eine Diskussion hätte. Heimlich lachte ich mir jedoch ins Fäustchen.

Ich bin zwar kein Freund von gesetzlichen Restriktionen und plädiere grundsätzlich für gesunden Menschenverstand. Ein generelles Feuerwerksverbot fände ich aber vollkommen in Ordnung. Aus folgenden Gründen:

Der Sicherheit zuliebe
Schau. Die Wälder sind momentan trockener als diese asiatischen Instant-Nudeln. Deshalb ist Feuerwerk dieses Jahr vielerorts zurecht verboten. Glaub mir, du willst nicht derjenige sein, dessen alberne Rakete die Schuld trägt, dass das halbe Dorf abfackelt. Aber es geht auch ganz allgemein um deine eigene Sicherheit. Jedes Jahr werden in Schweizer Spitälern hunderte Patienten behandelt, die sich beim Zöseln verbrennen. «Oh, ich hab gerade meinen Daumen weggesprengt aber wegen dieses lauten Knalls fühlte ich mich ziemlich mächtig also wars das wert», sagte ... niemand.

Den Tieren zuliebe
Das hier ist ein No-Brainer. Für Tiere fühlt sich der Nationalfeiertag an, als herrsche draussen Krieg. Ich bin mit einem Hund aufgewachsen und jedes Jahr in der Nacht der stolzen Eidgenossen versteckte er sich zitternd unterm Sofa. «Die Haustiere werden durch die Knallerei in totale Panik versetzt», sagt auch Helen Sandmeier, Medienbeauftragte des Schweizer Tierschutzes STS. Dein Büsi hat ausserdem keine Ahnung, dass auf der Strasse gerade das Vaterland gefeiert wird und weil Katzen bekanntlich Anarchisten sind, die Nationen grundsätzlich verneinen, wäre es ihnen wahrscheinlich auch ziemlich egal.

Der Umwelt zuliebe
Wenn du einer dieser Wirrköpfe bist, die die menschenverschuldete Klimaerwärmung leugnen, nimm deinen Aluhut und zieh dir lieber ein Alex-Jones-Video rein. Irgendwo gibt es bestimmt gerade einen Chemtrail, den du beschimpfen kannst. Tatsache ist aber, dass wir neben der Umweltverschmutzung durch furzende Nutztiere, Trumps Kohlen-Offensive und den Privat-Jet der Kardashians die Atmosphäre nicht auch noch mit Schwarzpulver verpesten sollten. «Feuerwerksreaktionsprodukte belasten unmittelbar die Luft», bestäigt das Bundesamt für Umwelt. «Durch Deposition gelangen sie auch in Böden und Gewässer.»

Deinem Portemonnaie zuliebe
Schätzungen zufolge erzielt die Feuerwerksbranche jedes Jahr einen Umsatz von 25 bis 30 Millionen Franken – rund die Hälfte davon am Nationalfeiertag. Ein dicker Böller kostet gut und gerne einen Hunderter. Stell dir mal vor, was man mit der Kohle, die die Schweiz in einer Nacht in die Luft ballert, alles anstellen könnte: Bildung, AHV, Obdachlose, Waisenkinder – such dir etwas aus. Du könntest das Geld in Panini-Bildli investieren und es wäre immer noch sinnvoller angelegt als in Feuerwerk.

Bonus: Weil es langweilig ist
Um noch einen subjektiven Punkt anzufügen, an dem ihr mich gleich in den Kommentaren aufhängen könnt: Ein Feuerwerk, das nicht von einem professionellen Pyrotechniker inszeniert wird, ist meist einfach eine unspektakuläre Enttäuschung. Klar, die Kids haben ihren Spass und denen sei es auch gegönnt. Als Erwachsener Mensch solltest du aber nicht mehr so leicht zu beeindrucken sein, dass dir ein Knall und ein paar Funken ein «Wow!» entlocken. Und wenn du unbedingt deinen Patriotismus zur Schau stellen musst, findest du dafür bestimmt auch originellere Wege – vielleicht spendiert dir Andreas Glarner einen Cervelat – vor allem wenn du die oben aufgeführten Konsequenzen bedenkst.


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161 Kommentare

Spyy83 vor 12 Tagen
ich kann mit meinem geld immer noch machen was ich will. und da auch feuerwerk mwst.-pflichtig ist, wird die AHV schon mal mitunterstützt. und was die umwelt anbelangt, gibt es dinge, die viel eher verboten werden müssten, weil deren ausmass und wirkung viel grösser ist , als 2x im jahr die knallerei. und haustiere kriegen zuhause bei geschlossenen fenstern nix mit. ansonsten mal über die isolation der fenster nachdenken. wenn dann schon auf feuerwerk verzichtet wird, hat man ja dann das geld für sanierungen. 😉
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mike janosh vor 12 Tagen
juhu die Egostädter sind glücklich. Um himmelswillen, die Papeterie, der Volg, das Geschäft im Dorf macht Umsatz. So eine sauerei. Und dann mein täglich eingesperrter Stadthund hat stress mit dem lärm. Ganz toll. Das typische ich esse kein Fleisch deshalb müsst Ihr auch verzichten syndrom, scheint weit verbreitet. Etwas mehr selbstreflektion wäre angepasst.
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Drehdichnichtum vor 13 Tagen
Da wurde geschrieben über Sinn und Unsinn von Feuerwerk, diskutiert über die armen Tiere und die alten Leute, gedroht wurde Einweggrillierern und Egofeuerwerklern mit drakonischen Strafen und dann waren sie alle erfreut über den Entscheid dass in der Schweiz nichts abgebrannt wird, so hat's getönt. Ich bin dann zu meiner besten Kollegin essen gegangen und danach haben wir am See gemütlich coole Feuerwerksbilder geschossen.
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Willibald vor 13 Tagen
Danke für diesen Artikel, der mir aus der Seele spricht! Absolut sinnlos, diese Ballerei.
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