Ein Junge mit Down-Syndrom verdient Millionen mit Socken

John Cronin kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Das hält ihn aber nicht davon ab, ein Unternehmen zu gründen und in einem Jahr über eine Million Umsatz zu machen.

Ich ziehe nur schwarze Socken an. Das wäre undenkbar für John Cronin, Gründer des US-Unternehmens «Johns Crazy Socks». Er liebt es bunt, knallig, fröhlich. Auf die Frage hin, was er von einer Nur-schwarze-Socken-Trägerin hält, antwortet er gentlemanlike, dass ich eine «intelligente, offene, lustige» Person sei.

Der 22-Jährige gründete seine Socken-Firma mit seinem Vater Mark Ende 2016. Inzwischen verdient er mit der simplen Idee – und trotz Down-Syndrom – sechsstelliges Gehalt. Ich habe mich mit ihm und seinem Vater unterhalten.

Mark und John, erzählt mal. Wie sieht ein normaler Tag bei euch aus?

Mark: An einem normalen Arbeitstag erledigen wir hauptsächlich die Bestellungen. John macht das täglich. Er sucht die Socken aus dem Warenlager, packt sie schön zusammen, schreibt die Dankesbriefe und legt Süsses bei. Danach sendet er die Bestellungen ab. Wir nennen ihn deshalb «Happiness Packer».
John: Ich mache aber verschiedenes. Manchmal bringe ich auch einfach nur den Müll raus.

Wer von euch kam auf die Idee, die Firma zu gründen?

Mark: Das war John. Er war gerade mit der Highschool fertig und wollte selbstständig werden. Auf welche Ideen kamst du, John?
John: Zuerst wollte ich einen Spass-Laden gründen.
Mark: Wir waren aber unschlüssig, was in einen solchen Store gehört. Danach wollten wir einen Foodtruck auf die Beine stellen. Jedoch gabs da ein Problem.
John: Ich kann nicht kochen.
Mark: Zuletzt kamen wir auf die Idee Socken zu verkaufen.

Wieso Socken?

John: Sie sind farbig, sie sind knallig, sie machen happy. Und unsere sind mit den verschiedenen Motiven ziemlich verrückt. Das passt zu uns.
Mark: Ausserdem gehts bei uns nicht nur um Socken. Mit diesem Unternehmen wollen wir mehr erreichen.

Was genau?

Mark: Erstens wollen wir inspirieren und Hoffnung geben. Darum ist John das Gesicht der Firma. Er soll zeigen, was alles möglich ist, wenn man jemandem eine Chance gibt. Zweitens wollen wir etwas zurückgeben. John ist ein Paralympics-Athlet. Fünf Prozent des Umsatzes geht deshalb an Paralympics-Gruppen. Und wir wollen Freude verschenken.

Wie macht ihr das?

John: Zum Beispiel mit den Dankeskarten und Süssigkeiten.
Mark: Ausserdem bringen wir die Ware direkt vor die Haustür, wenn der Kunde in der Nähe wohnt. Es soll ab und an persönlich ablaufen. Das lieben die Leute – und John auch.
John: Stimmt.

Erklärt ihr euch so euren Erfolg?

Mark: Ja. Einen grossen Push haben wir aber dem Online-Magazine «The Mighty» zu verdanken. Letztes Jahr haben sie ein Video über John veröffentlicht.

Das Jahr verlief demnach gut.

Mark: Sehr gut sogar. Wir haben 1,7 Millionen Dollar eingenommen und insgesamt 42’000 Bestellungen versandt. Dieses Jahr wollen wir die Zahlen verdoppeln. Inzwischen haben wir ein Sortiment von 1’900 verschiedenen Socken und 34 Mitarbeiter – davon sind 14 geistig behindert. Über 90 Prozent der Bewertungen sind ausgezeichnet. Ja – es läuft ziemlich gut für uns.

Sogar der kanadische Präsident Justin Trudeau zieht eure Socken an.

John: Ziemlich cool, nicht?
Mark: Wir haben ihm ein Paar gesendet – er hat sich sehr herzlich mit einem Brief bedankt – und irgendwann entdeckten wir ein Foto, auf dem er die Socken wirklich anhatte.

Eure «Troll»-Socken sind ziemlich cool. Liefert ihr auch ins Ausland?

Mark: Klar. 5 Prozent von allen Bestellungen, die wir letztes Jahr versendet haben, gingen ins Ausland. 54 Pakete in die Schweiz. Mittlerweile gehen schon 10 Prozent ins Ausland. Dieses Jahr durften wir schon 40 Päckchen in die Schweiz liefern.

Welche Pläne habt ihr noch für die Firma?

Mark: Wir expandieren, damit wir unseren Kunden auch Sonderanfertigungen anbieten können. Ausserdem nimmt John Videos auf, in denen er von sich und der Firma erzählt. In der Zukunft wollen wir die Videos ein bisschen grösser gestalten – mit einem «John’s Crazy Socks»-Network. So etwas wie eine Talkshow, damit auch andere beeinträchtigte Menschen die Chance bekommen, gehört zu werden.

Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr jeden Tag zusammenarbeitet?

Mark: Streiten wir oft, John?
John: Nein.
Mark: Vertragen wir uns gut?
John: Sehr gut.
Mark: Wir waren uns schon immer sehr nah und verbringen sehr gern Zeit miteinander. Ausserdem haben wir die gleiche Vision für unsere Firma – wir haben keinen Grund zu streiten. Ich bin so stolz auf ihn und auf seine Arbeit.


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28 Kommentare

Schweinerei vor 6 Monate
Ich finde es eine schweinerei dass Menschen mit Downsyndrom eine ausstrebende "Rasse" sind aufgrund von Pränataler Diagnostik und Abtreibung... es braucht auch diese Menschen
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Antwort
Antwort von Martin vor 6 Monate
was ist dein Problem?Pränatale Diagnostik super/Vasektomie super.
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Antwort
vor 6 Monate
Hut ab. 😍
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Antwort
vor 6 Monate
Der wahrscheinlich beste und sinnvollste Artikel seit Langem bei Tillate... 😃
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Antwort
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