In diesem Dorf leben fast nur Behinderte

Ein Dorf, nur für Menschen mit Handicap – eine neue Graphic Novel geht der Geschichte von Neuerkerode auf den Grund.

Vor rund 150 Jahren wurde Neuerkerode gegründet. Was als «Idioten-Anstalt zu Erkerode» begann, ist heute ein kleines und ziemlich einzigartiges Dorf geworden. Über 700 Menschen mit Handicap leben und arbeiten hier – in einer spezifisch für sie eingerichteten Ortschaft in Niedersachsen. 

Den 33-jährigen Zeichner Michael Ross faszinierte dieses Dorf – so sehr, dass er über zweieinhalb Jahre hinweg wieder und wieder Neuerkerode besuchte. Er sprach mit den betreuten Menschen, die dort ein dermassen freies Leben führen können, wie es in keinem Heim oder keiner Anstalt möglich ist. Am Tag seines ersten Besuches habe er 40 bis 50 Menschen kennengelernt – allesamt lebensfroh, begeistert und neugierig, wie nur wenige andere. 

«Niemand ist verrückt»

Das Resultat seiner Recherche ist eine Graphic Novel namens «Der Umfall» und erzählt die Geschichte von Noel: Ein junger Mann mit geistiger Behinderung, dessen Mutter einen Schlaganfall erleidet und sich nicht mehr um ihn kümmern kann. Er wird von Berlin nach Neuerkerode gebracht und muss sich mit seinem neuen Umfeld zurechtfinden – und das ist auf den ersten Blick ziemlich kurios. 

Ebenso wie der Zeichner trifft Noel auf eine bunte, fröhliche Truppe an Menschen: Beispielsweise eine 90-Jährige, die erlebte, wie die Nazis Menschen aus Neuerkerode zur Sterilisation abzogen. Was all die Menschen im Dorf verbindet: «Es ist wichtig zu wissen: In diesem Ort ist niemand verrückt», sagt Ross gegenüber «jetzt». «Auch, wenn man nicht immer alle Handlungen versteht oder zuerst mal verquer findet: Wenn die Menschen dir ihre Handlungen erklären, sind die immer sehr klar und logisch.»

Lehrstück für den Umgang mit Behinderten

Kurzum: «Der Umfall» zeigt nicht nur die innere Welt von Menschen mit geistiger Behinderung, sondern demonstriert auch gleich, wie unsere Gesellschaft ihnen in einem kleinen Dorf Freiheit bieten kann, statt sie in Kliniken wegzusperren. 


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3 Kommentare

Klingt witzig vor 3 Monate
Dort werde ich nächstes Mal auf Safari gehen.
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Sandro vor 3 Monate
Dort gehöre ich auch hin! Kann man da hinziehen!?
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Gabi Coray vor 3 Monate
Super das Freiheitsgefühl für die Menschen mit Behinderung in dem Dorf. Die Lebensfreude unter gleichgesinnten, für Aussenstehende mit Respekt. Die Menschen funktionieren..
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