Das alles passiert am Burning Man

Wer seinen Insta-Freunden etwas bieten will, fährt nicht mehr ans «Coachella», sondern ans «Burning Man». Genau wie Sero, der seine Eindrücke (nicht nur seinen Online-Kumpels, sondern auch) mit uns geteilt hat.

Du warst am Zürich Openair? Herzig. Ach, auch als Hippie-Mädel mit Blumen in den Haaren und Glitzer im Gesicht am Coachella? Cool. Wer seine Freunde und vor allem Social-Media-Gefolgschaft aber mittlerweile so richtig eifersüchtig machen will, bucht sich ein Ticket in die Wüste von Nevada. Da, wo das Burning-Man-Festival seit über 20 Jahren stattfindet und inzwischen ganze 70'000 Freigeister, Hippies, Millionäre und Hipster anlockt.

Auch Männermodel Sero hat letzte Woche am modernen Woodstock teilgenommen, wo alles im Sinne der Selbstversorgung und -besinnung steht. Für uns hat der Schweizer sein Fototagebuch geöffnet und uns von seinen Erlebnissen erzählt.

Erklär mal: Was ist das Burning Man für dich?
Für mich ist das ein Stück Freiheit, ein Gefühl, eine Kunstausstellung, glückliche Menschen. Es geht einfach darum, andere glücklich zu machen. Es fühlt sich an, als wäre man auf einem anderen Planeten. An einem Ort, an dem alles erlaubt ist und keiner Vorurteile hat.

Warst du vor dem Festival eine Burning-Man-Jungfrau?
Ja. Ich musste mich bei der Ankunft darum auch im Sand wälzen und «I am a virgin!» schreien. Dabei haben dann alle um mich herum geklatscht.

Doch, ziemlich angenehm. Warst du denn alleine da?
Nein, mit einigen Freunden. Ich wusste auch, dass da einige andere Bekannte die Reise nach Nevada unternommen haben, hatte aber keine Chance sie zu erreichen. Das Gelände ist nämlich Internet-frei. Auch wenn «Free-Wifi-Stellen» anderes behaupten. Statt Wifi spendieren die Menschen da dir aber einfach einen Drink.

Selbstdarstellung ist ja das A und O des Festivals. Darum die wichtigste Frage: Was hast du eingepackt?
Gute Schuhe, ein Tütü (das ich für einen Tütü-Turf mitgebracht habe, aber nicht benutzt habe) und eine Pelzjacke, weil es in der Nacht auch mal gute Null Grad werden kann. Generell einfach alles, was man im Schrank hat, sich hier aber nicht anzuziehen getraut. Freaky, farbig und offen halt.

Kannst du uns eine ungefähre Kostenaufstellung geben?
Günstig ist das Ganze bestimmt nicht. Ich habe glücklicherweise eines der ersten Tickets für 490 Dollar ergattert. Dazu kommt das Ticket für den Zeltplatz und das Camp, wo zwei Mahlzeiten und Getränke inbegriffen sind. Man kauft aber trotzdem noch vor der Anreise ans Festival für sich selbst ein. Ein Velo zum Beispiel. Und Alkohol, von dem ich letztendlich ziemlich viel verschenkt habe, weil ich zu grosszügig eingekauft habe. Mit 3000 bis 4000 Franken muss man da also schon rechnen.

Und was, wenn dir trotzdem mal das Bier ausgeht?
Das Schönste am Burning Man ist: Man könnte gar nichts mitnehmen und würde dennoch nicht verhungern oder verdursten. Jedes Camp bietet etwas an und so darf man überall seinen Nicht-Plastik-Becher (wichtig!) hinhalten und bekommt da Speis und Trank. Auch an Partys ist alles gratis. Wir haben darum jeweils zum Beispiel zwei Weinflaschen mitgenommen, eine selbst getrunken und die andere der Bar gespendet. Weil sie es schliesslich auch tut.

Hast du da denn auch Promis gesehen oder leben die da in ihren abgetrennten VIP-Areas?
Klar gibt es Camps, die von wohlhabenden Menschen organisiert worden sind. Auch für VIPs ist der Burning Man schliesslich ein Flüchten aus der Realität. Dort können sie sich verkleiden und frei sein. Ich persönlich habe aber von VIP-Areas nichts mitbekommen und sogar einige Promis getroffen, ohne es zu wissen.

Im Zusammenhang mit dem Burning Man ist auch oft die Rede von Sex und Drogen – was ist da dran?
Sex ist definitiv ein grosses Thema. Vor allem, wenn man ständig so viel nackte Haut sieht. Ich habe auch den «Orgy Dome» gesehen und eine Einladung von einer Dame erhalten, sie dahin zu begleiten. Ich habe aber dankend abgewunken, weil es für mich dann aber doch etwas too much war. Ich habe aber einen Workshop mitgemacht, wo man sich einen Partner sucht und in Gedanken Sex mit ihm hat.

Klar werden auch viele Drogen konsumiert. Merken tut man das aber nicht. Es laufen also keine Drogen-Zombies rum, denn wegen der Hitze zügeln sich die meisten wohl. Und psychedelische Drogen sind da sowieso höher im Kurs als herkömmliche Partydrogen.

Und wie wars mit der Hitze?
Am heissesten Tag waren es etwa 38 Grad. Wegen der Trockenheit schwitzt man aber nicht besonders. Duschen war deshalb auch überbewertet.

Welches war denn jetzt das allerbeste Erlebnis?
Ich habe den schönsten Sonnenaufgang meines Lebens gesehen. Es war so schön, dass mir Freudentränen geflossen sind.

Seros Eindrücke des diesjährigen Burning Man siehst du in der Bildstrecke.


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19 Kommentare

Mike vor 1 Monat
War mal ein wirklich cooler Event. Ist es aber leider schon lange nicht mehr seit alle die Normalos und Instagrammer dort sind nur weil es IN geworden ist.
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Antwort von Sander vor 1 Monat
Da frag ich mich: Gehst du seit Jahren, jedes Jahr dort hin und siehst eine Tendenz? Zudem, andere als Normalos zu bezeichnen, stempelt einen dann ja als Hippster ab. Also als jemand, der unbedingt eben nicht zu den normalos gehören will, koste was es wolle. Und das soll "cool" sein?
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Pete vor 1 Monat
Sonnenuntergang mit Freudentränen...kann es sein, dass doch ein paar Drogen im Spiel waren 😉
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Pimplegionär vor 1 Monat
War zweimal dort. Wird leider völlig überbewertet. Zu 98% finden sich dort nur Vollidioten und Drecksdeppen. Wegen der Handvoll hübscher Mädels lohnt sich das nicht. Da geht man besser nach Kazantip oder ganz einfach an den Goldstrand.
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