«Blut stört weniger als Busen und Schamhaare»

Eine 22-jährige Fotografin entführt uns in eine düstere Welt voller Blut, Erotik und Macht. Was ihre Werke mit Depressionen und Zensur zu tun haben, erzählt sie uns im Interview.

 

Gelangt man per Zufall auf Camille Mariets Insta-Profil, hat man die Wahl zwischen zwei Reaktionen: «Wow, geil!» oder «Was zur Hölle ist das eigentlich?». Die Bilder der 22 Jahre alten Fotokünstlerin aus Covina, einer Vorstadt von Los Angeles, sind – seltsam. Verstörend, könnte man sagen. Ob das nun positiv oder negativ aufgefasst werden soll, bleibt dem Betrachter selbst überlassen.

Existenzkrisen und falsche Eingeweide

Die Werke der jungen Frau, die gerade erst ihren Abschluss in Kunst und Psychologie an der University of California in der Tasche hat, fokussieren auf die inszenierte Ästhetik von Sex und Gewalt. Als Inspiration dafür dienen Camille die stilistischen Seiten von Pornografie, Kino und Vintage-Werbefilmen. Der Hang zum Morbiden ist eine Art Eigentherapie für die Künstlerin:

«Alles begann damit, dass ich mit einer ziemlich fiesen Existenzkrise und Depression zu kämpfen hatte», erzählt sie uns. «Ich habe meine Kunst dazu verwendet, diese zu bekämpfen, indem visuelle Andenken kreiert habe, auf die ich zurückblicken kann, während ich vorwärts gehe. Auch heute reflektiert meine Arbeit noch die Themen, die ich innerlich aufarbeite.» Zur Zeit sei sie auf der Suche nach der besten Art, falsche Eingeweide herzustellen.

Eine eigene Welt kreieren

Während ihrer Anfänge konzentrierte sich Camille Mariet noch sehr auf das Gebiet der Malerei. Zur Fotografie zog es sie erst vor rund zwei Jahren, als sie Schnappschüsse ihrer direkten Umgebung aufnahm. «Die Idee, ein Gesamtkonzept, eine eigene Welt zu kreieren, steckte noch in mir», erklärt Camille ihren Stilwechsel von Momentaufnahmen zu theatralischen, inszenierten Fotos.

«Es fühlt sich für mich besser an, etwas völlig Neues entstehen zu lassen und eine Story zu erzählen, als einfach nur etwas abzulichten, das schon da ist. Als ich mich dann mit den technischen und theoretischen Seiten der Fotografie mehr auseinandersetzte, traute ich mich auch, experimenteller zu werden.»

Blutige Mörderinnen vs. Periodenfleck

Die Welt, die Camille Mariet so erschafft, ist düster und gleichzeitig bunt, kitschig und doch brutal. Gegensätze scheinen die junge Fotografin ebenso zu faszinieren, wie gesellschaftliche Themen und Tabubrüche. Die Heldinnen und Anti-Heldinnen in ihren Werken sind weiblich und schrecken nicht davor zurück, Gewalt vor Gnade walten zu lassen.

Der Approach kommt gut an, im Moment arbeitet die zielstrebige Künstlerin an ihrer ersten eigenen Ausstellung. Bis es soweit ist, postet sie fleissig weiter auf Instagram – und kämpft gegen Internetzensur. «Wobei ich sagen muss, dass ich viel seltener zensiert werde, seit ich in meinen Werken mehr Brutalität zeige. Die Bilder zeigen nicht weniger Haut als zuvor, sie sind einfach nur blutiger. Die Leute scheinen sich weniger an einer nackten, blutüberströmten Mörderin zu stören, als an Körperhaaren und Periodenflecken», sagt Camille.

Nieder mit der Frauenfeindlichkeit!

«Ich möchte versuchen, die Leute dazu zu bewegen, ihre Voreingenommenheit zu hinterfragen. Geschlecht, Macht, Sex, Gewalt. Das sind festgefahrene Konzepte. Wir müssen probieren, ein bisschen Zeit ausserhalb unserer eigenen Sicherheitszone zu verbringen und Dinge aus anderen Perspektiven zu beleuchten.»

Während Gewalt und Macht vor allem mit Männlichkeit konnotiert werden, wird die Frau oft auf eine sexuelle Ebene reduziert. Aber wehe, Frauen haben Spass am Sex! Camille hat einen klaren Standpunkt: «Sex ist schön und Lust ist gut für euch! Mädels, macht, was ihr wollt! Unterstützt euch gegenseitig! Hinterfragt eure eigene Frauenfeindlichkeit.»


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17 Kommentare

Nichtprüde vor 8 Monate
Ehm, und was soll jetzt das alles?
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vor 8 Monate
Warum muss Kunst immer nackt sein?
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Viewpointer vor 8 Monate
Sauberes Product Placement für die Ami Glimmstengel. Schluss mit Ross und Cowboy.
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Toni Maccaroni vor 8 Monate
Wie leider so vieles das als 'Kunst', mit den Subtiteln wie 'Revolutionär', 'Bahnbrechend', 'neue Richtung', 'Welt', 'Mutig' oder was für beeindruckende Schlagwörter sonst noch so verwendet werden können, gehört auch dieses hier in die Schublade: 'es ist Kunst das als Kunst zu verkaufen'. Sagt mal: für wie blöd haltet ihr uns eigentlich? Bitte entsorgen! Danke...
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