«Barbie macht einen besseren Job als jeder Therapeut»

Seit über zwei Jahren führt Barbie einen Youtube-Channel – mit riesigem Erfolg. Die Fans fressen ihr aus der Hand und finden, sie mache ihren Job besser als jeder Psychologe.

Die Zeiten, als Barbie nur eine Basic Bitch aus Plastik war, sind vorbei. Mittlerweile steckt Mattel viel Zeit und Arbeitsaufwand in eine animierte Ausgabe der berühmtesten Puppe der Welt und deren Youtube-Channel.

4.2 Millionen Abonnenten hängen an Barbies Lippen, wenn sie in ihrem Vlog Hausführungen gibt, bei Challenges mitmacht und ihre Fans mit Lebenstipps versorgt.

Erwachsene Menschen hören auf eine Puppe

Youtube-Barbie passt perfekt zur dünnhäutigen Generation Snowflake, die sich von «Mikro-Aggressionen» bedroht fühlt, «Safe Spaces» fordert und «Hatespeech» am liebsten verbieten würde. Ihre Videos tragen Titel wie «Bist du traurig? Du bist nicht allein!» – ausserdem spricht sie darüber seine eigene Muse zu sein, Bullies einfach zu ignorieren und dass man alles erreichen kann, wenn man möchte. Barbie ist der Paulo Coelho der digital natives. Mit Brüsten und rosa Tapete.

Die zielgruppengerecht formulierten Weisheiten inspirieren mittlerweile eine ganze Community. Diesen erspart Barbies Lebensschule sogar den Gang zum Psychiater. «Barbie macht einen besseren Job als jeder Therapeut», heisst es etwa in den Kommentaren unter einem Video, in welchem die Puppe den «Sorry Reflex» erklärt. Und das sagen nicht etwa 14-Jährige, sondern erwachsene Menschen. «Ihr Vlog muntert mich immer auf und ich bin mittlerweile 28.» Sie sei eine der inspirierendsten Youtuber überhaupt.

Psychotherapie eines Grosskonzerns

Grundsätzlich ist es schön, wenn sich Jugendliche ein Vorbild suchen, das sich einfühlsam und politisch korrekt gibt. Das Problem: Hinter Barbies unschuldigen Vlogger-Lächeln steckt ein millionenschweres Unternehmen mit all seinen wirtschaftlichen und unter Umständen politischen Interessen.

Es ist ungefähr dasselbe, als würde der Lohn deines Psychiaters von Nestlé bezahlt werden. «Oh, du bist depressiv? Ich habe vollstes Verständnis dafür ... habe ich dir schon von unseren neuen Kaffeemaschinen erzählt?» Wie die meisten Youtuber nutzt natürlich auch Barbie ihren Account für schamlose Produktplatzierungen. Kein Weltuntergang. Mit Superlativen um sich zu werfen und sie zu einem wertvollen Rollenbild hochzustilisieren, wie das Millenial-Blogs mittlerweile tun, ist trotzdem leicht fragwürdig.


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1 Kommentar

FireInTheHole vor 3 Monate
Mikro-Aggressionen? - Uii, hab mich gerade am Arsch gekratzt, verklag mich doch *hahahaha* - Und außerdem zeigt sich doch auch, dass Gelerntes nicht zwangsläufig und unmittelbar gezeigt werden muss, es kann auch in vollkommen anderen Kontexten wieder auftauchen, wobei eine ungefähre Beschreibung ebenfalls ausreichen kann, um eine kognitive Repräsentation wieder zu spiegeln, was natürlich insgeheim durch den Faktor der Verstärkung der Häufigkeit angehoben wird, ähnlich, wie dieses Online-Medium diese schematischen Wiederholungen im Wochentakt dem Bodensatz und den Barbie-Fans vorführt, von daher ist vorzuschlagen: In die Politik zu gehen!
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