Wie ein Autounfall, der nie aufhört

Unser Autor sass seit seiner Autoprüfung fast nie mehr hinter dem Steuer. Um seine Angst zu überwinden, raste er mit einem Monstertruck durch den Schlamm.

Ich darf zwar Auto fahren, ich kann es nur nicht wirklich. Seit ich beim zweiten Anlauf meine Autoprüfung mit Müh und Not bestand, weigerte ich mich relativ konsequent, mich hinters Steuer einer dieser motorisierten Todesmaschinen zu setzen. Stattdessen bewege ich mich hauptsächlich zu Fuss, mit dem ÖV oder, wenn ich mal besonders abenteuerlustig bin, dem Trottinett fort.

Bekanntlich soll man sich seinen Ängsten jedoch stellen, um sie zu überwinden – genau wie Menschen, die mit Vogelspinnen kuscheln, um zu lernen, mit ihrer Arachnophobie umzugehen. Also buchte ich eine Fahrstunde bei MTRS in Roggwil, wo jeder mit einem gültigen Führerschein selbst einen Monstertruck steuern darf.

Völlig anders als Autofahren

«Kein Problem, ich mag auch keine Autos», sagt mir Ändu, CEO von MTRS, als wir die Garage mit seinem Monstertruck betreten. «Das ist etwas völlig anderes.» Die Furcht vor diesem Fünf-Tonnen-Vehikel nimmt er mir damit trotzdem nur bedingt. Alleine die Räder sind grösser als ich und die Metallstangen des Rahmens sehen aus, als hätten sie einst im Jurassic Park Dinosaurier von den Besuchern ferngehalten. In wenigen Minuten soll ich also mit diesem Ungeheuer durch den Dreck rasen.

Unter anderem dürfe ich alte Schrottautos überfahren, kündigt mir Ändu an. Kleinere Sprünge seien auch geplant – einen Monstertruck-Frontflip wie ich ihn auf Youtube gesehen habe, solle ich mir aber gleich wieder aus dem Kopf schlagen. Beruhigend: Während der Fahrt wird Ändu Kontrolle über die Bremsen haben. Fast wie in der Fahrschule also. Ausserdem gibt es kein Kupplungspedal – mein ältester und grösster Feind – weil das Monster ein Automat ist.

Gebt mir eine Schrotflinte

Nachdem ich mit Helm und einer Halskrause adäquat ausgerüstet bin und mich noch husch per Sprachnachricht von Mama verabschiedet habe, klettere ich die Leiter zum kargen Cockpit hoch. Das Monster unter mir knurrt und ich drücke vorsichtig ein erstes Mal aufs Gaspedal. «Ach, komm schon, ein bisschen mehr liegt schon drin», feuert mich Ändu an. Also runter mit dem Pinsel. Mir entfährt das eine oder andere vulgäre Wort, als ich die Kraft der 800 PS unter meinem Gesäss spüre.

Die ersten Meter bestreite ich noch ähnlich vorsichtig wie damals, als ich zum ersten Mal mit Mamas Kombi auf dem Parkplatz rumkurvte. Nachdem wir durch eine Schlammpfütze brettern und der Dreck von den Rädern in die offene Kabine spritzt, fühle ich mich jedoch bereits wie ein waghalsiger Testosteronbolzen. Irgendwie überkommt mich das Bedürfnis, Rage Against The Machine zu hören, eine Schrotflinte abzufeuern und teure Sachen kaputtzuschlagen. Ich bin eigentlich alles andere als ein Alphamännchen – so ein Gefährt triggert aber offenbar primitivere Instinkte.

«Von aussen sieht es einfach aus»

Die nächste halbe Stunde rumple ich voller Inbrunst über die Piste. Allerdings fordern die Stunts auch ihren Tribut: In der Kabine werde ich durchgeschüttelt wie ein Crash-Test-Dummy, was in einigen blauen Flecken resultiert. Die Fahrt fühlt sich an wie ein Autounfall, der nie aufhört. Weil der Sicherheitsgurt zwischen meinen Beinen verläuft, bedeutet jeder Sprung ausserdem ein herber Schlag unter die Gürtellinie. Nachdem ich aussteige, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch zeugungsfähig bin und meine neuen Jeans sehen aus, als würde ich nach einem dreitägigen Festival die Heimreise antreten. Das breite Grinsen im Gesicht kann ich mir trotzdem nicht verkneifen.

Während Ändu das Monster putzt, zeigt mir unser Kamerakind Valentina einige Aufnahmen. Leicht desillusioniert stelle ich fest, dass meine Manöver für Beobachter nicht halb so haarsträubend wirken, wie sie sich für mich und meine Hoden in diesem Tumbler von Fahrerkabine anfühlten. «Das geht allen so», tröstet mich Ändu. «Es ist wie bei den Skirennen im Fernsehen: Vom gemütlichen Sofa aus, denkt man sich ‹das könnte ich auch› – sobald man es selbst versucht, stellt aber jeder fest, dass es gar nicht so einfach ist.»

«Die Prüfung hättest du bestanden»

Obwohl ich mich nach Sichtung des Materials nicht mehr ganz wie ein Siebensiech fühle, versichert mir Ändu, ich hätte mich gut geschlagen. «Wäre das eine Autoprüfung, hättest du bestanden», findet er. Trotzdem: Die Angst vor dem Strassenverkehr habe ich nicht wirklich überwunden.

Oh und seitwärts einparken kann ich immer noch nicht.

Video von Valentina Sproge.


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6 Kommentare

Ich habe das video geschaut, den Text gelesen, und auch die Kommentare. Ich glaub ich sehe und höre vor 4 Monate
Don Pedro
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Tanja M. vor 4 Monate
Der Typ sollte sich seinem Alter entsprechend kleiden und nicht krampfhaft an der Jugend festhalten. Ende 30 wirds halt peinlich mit Röhrenjeans und bedruckten Teenieshirts Und was haben diese alten Männer mit diesem Pussy-Bekenntnis? Ich hoffe, deine Kinder müssen nicht dafür gradestehen...
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Antwort von Zombie vor 4 Monate
Salü Tanja M., Verzeihung wenn ich mich einfach so unter deinem Kommentar platziere aber ich finde dein Comment hat eine gesunde Korrektur verdient, Dankeschön!!! Sag mir doch mal bitte, wo in aller Welt steht es denn geschrieben dass man mit " Ende 30 " nicht mehr mit Röhrenjeans und bedruckten Teenieshirts rumlaufen darf? Gibts ein gesetzlicher Paragraph dafür? Wohl kaum!! Nicht da in der Schweiz also schieb doch bitte deine Vorurteile lieber in deinen hübschen braunen Saloon 😃!!! Du behauptest " Alte Männern " zu sehen? Wo denn meine Gute? Kann es sein dass du gerade ein LSD Trip geschluckt hast und überall Geistern siehst?? Ohhhjjeee das tut mir aber Leid für dich, denn ich sehe hier in diesem Artikel ein cooler junggebliebener Mann, der sich lebensfreudig über seine Abenteuer freut und etwas ironisch damit vorgeht!! Das mit den " Pussy - Bekenntnis " ist eine reine Tanja M. Sache und sicherlich nicht die eines Herr Neil glaub mir, der hat auf deine speziell nach Barbie riechender rasierten Pussy wie deine überhaupt keine Lust, im Gegenteil, er würde sogar wegrennen sobald du deine Beinchen spreizest!!! Tja, nix für Ungut aber ich empfehle dir eine gute Klinik, am besten die im Burghölzli, um deine unnötigen frustrierenden Nerven beruhigen zu können und ich wünsche dir aus meinem Arschloch....UHHHH Verzeihung bitte, ich meinte natürlich aus meinem ganzen Herzen viel Erfolg und eine gute Genesung!! 😃 😃 😃
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Antwort von Middleage vor 4 Monate
Tanja... kann es denn sein dass Du ein etwas verkorkster Teenager bist? Ich beispielsweise, bin 54 und habe auch Röhrenjeans und T-Shirts an, und es steht mir (allerdings habe ich auch noch eine ansehnliche Figur). Wenn natürlich der eigene Vater mit 40 schon eine Bierwampe mit sich rumschleppt, nur noch spärlich Haare hat und veraltete Ansichten..., kann es sicherlich sein dass dies auch auf die Tochter abfärbt. Irgendwie habe ich Verständnis. 😉
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