Werden spontane Tattoos bald verboten?

Immer öfter werden von Tätowierern spontane Stich-Termine angeboten. In Deutschland wird über ein Verbot von unüberlegten Tattoos diskutiert. Wie sieht es in der Schweiz aus?

 Der Name des Partners, ein weiser Kalenderspruch am Oberarm oder das natürlich nie aus der Mode kommende Arschgeweih: Die Entscheidung, sich ein Tattoo zuzulegen, wird mittlerweile oft im Affekt getroffen, manchmal sogar im Rausch. In Deutschland will man dem Spontan-Tattoo nun einen gesetzlichen Riegel vorschieben, um Menschen vor übereifrigen Entscheidungen zu bewahren. Die Vizechefin der CDU-Bundesfraktion, Gitta Connemann, fordert einen zeitlichen Abstand zwischen dem Erstkontakt mit dem Tätowierer und dem Stichtermin.

Die Entscheidung liegt beim Kunden

Spontanes Stechen ist auch längst den Schweizern nicht mehr fremd. Angebote gehen von kleinen bis grösseren Betrieben aus und erfreuen sich an ansteigendem Erfolg. Problematisch empfindet das Peter Steiner, Leiter der Tattoo-Entfernungs-Praxis in Zollikon:«Ich habe oft mit Kunden zu tun, die unter einer spontanen Fehlentscheidung und unter den ständig wechselnden Tattoo-Trends leiden.»

Wer sich zur spontanen Stich-Session entscheidet, berücksichtigt meist nicht die Fakten, die mit dieser Permanenz einhergehen. Da kommt es auch schon mal vor, dass der Name des Ex-Partners teuer entfernt werden soll. «Seriöse Tattoo-Studios machen immer eine Vorbesprechung. Schlussendlich liegt die Entscheidung aber beim Kunden», so Steiner.

Image-Schaden durch Spontan-Tätowierer

Kontrollen gibt es derzeit keine. Harry Schneider, Sekretär vom Verband des Schweizerischen Berufstätowierer VST, bezeichnet Spontan-Tätowierer als Mitglieder der Hinterhof-Szene, die seiner Meinung auch schön am Berufs-Image kratzen. Bekannte Tattoo-Studios wie «Giahi» oder «2nd Skin» werben aktiv mit spontanen Tattoo-Terminen. «Unser Spontan-Tätowierer ist täglich ausgebucht, mit tollen spontanen Tattoo-Ideen unserer Kundschaft», erzählt Hichem Turki von «Giahi» stolz.

Lars vom Studio «Bamboo» in Luzern findet das ebenfalls nicht verwerflich aber gibt uns auch etwas zum Nachdenken mit: «Man sollte sich gut überlegen, wieso kleinere Studios spontan die Zeit dafür haben, das ist meist ein schlechtes Zeichen. Alle meine spontanen Tattoos gefallen mir heute persönlich am besten – als erstes Tattoo würde ist das aber nie zu empfehlen.»

Schweizer Standards sind kaum vorhanden

In Deutschland findet sich eine Arbeitsgruppe zusammen, die sich mit der Harmonierung der europäischen Gesetzgebung beschäftigt, um ein festeres System in unsere Tattoo-Studios zu zaubern. Die neue EU-Norm soll gesundheitliche Risiken verringern: Speziell die hygienischen Zustände der Studios verbessern und gefährliche Inhaltsstoffe im Farbraum reduzieren.

In der Schweiz benötigen Tattoo-Farben bis heute noch keine Bewilligung. Weder die Ausbildung zum Tätowierer ist geregelt, noch sind Hygiene und Sicherheitsstandards verbindlich. Mit der neuen Lebensmittelgesetzgebung vom ersten Mai 2017 wurde erstmals die Meldepflicht für Tattoo-Studios eingeführt.


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41 Kommentare

Hausi vor 1 Tag
Wenn man sich unüberlegt ein Loch für einen Ohrring stechen lassen kann, wieso dann kein Tattoo? Entweder müssen alle Eingriffe in den Körper mit einer zweiwöchigen Wartezeit belegt werden oder keiner. Da man über seinen eigenen Körper aber selbst bestimmen darf, sollten sich Vollhonks auch weiterhin spontan dämliche Tattoos stechen lassen die dann ein Spezialist wieder entfernen darf nach zwei Jahren. Die müssen ja schliesslich auch von etwas leben und die Tattooentfernungsbranche boomt.
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Mr. Nasty vor 4 Monate
Tätowieren interessiert mich nicht. Ich finde es einfach irgendwie paradox, wenn die Leute zwar Geld für Tattoos haben, aber kein Geld für anständige Kleidung. Naja, white trash, wohin das Auge reicht. BMW, Goldkette, Tattoo, Adidas Trainerhose und kaputte Zähne. Aber jede/R wie er/sie will....
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vor 4 Monate
UUUGGGHHHH!
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ItsBritneyBitch vor 4 Monate
Ein Mensch darf selbst entscheiden! Ist ja schliesslich der eigene Körper...Seg emal gahts eig. no???
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