Braucht es LGBT-Unterricht in der Schweiz?

Als erste Regierung der Welt führt Schottland in zwei Jahren LGBT-Unterricht ein. Sollte die Schweiz diesem Beispiel folgen?

Künftig werden Schüler in Schulen Schottlands nicht nur Mathematik und Geschichte lernen, auf dem Lehrplan steht ab 2021 LGBT-Aufklärungsunterricht. Mit dem schon längst überfälligen Unterricht wird den Schülern und Schülerinnen mehr über queere Rechte, Geschlechteridentitäten und verschiedene sexuelle Orientierungen beigebracht, um so sinnloser Abneigung der Bewegung gegenüber vorzubeugen.  

Die Veränderung birgt einen traurigen Hintergrund

Die Geschichten und Rechte von homo-, bi- oder intersexuellen Menschen fliessen in den gewohnten Unterricht ein – ein gesondertes Fach ist also nicht in Planung. Ausserdem beschränkt sich der Stoff nicht auf ein Schuljahr, sondern zieht sich durch alle Altersklassen. Schottlands Ziel: Schüler sollen von Heterosexualität abweichende sexuelle Orientierungen – so wie es auch sein sollte – als etwas Normales ansehen.

Die Kampagne der gemeinnützigen schottischen Organisation «Time for Inclusive Education» (Deutsch «Zeit für integrative Bildung»), die sich für die Thematisierung von LGBT im schottischen Schulsystem einsetzt, trieb dieses Thema voran. Sie zeigte vor, wie das Anliegen besser in das Bildungssystem integriert werden kann – und die Regierung nahm die Kampagnen-Vorschläge an.

Das Anliegen der «TIE» kommt nicht einfach irgendwo her, es birgt einen traurigen Hintergrund. Eine nationale Studie ergab, dass neun von zehn queeren Jugendlichen in Schottland Homophobie erleben. Mehr als ein Viertel davon hat schon einen Suizidversuch hinter sich.

In der Schweiz auch ein Thema

Wie nötig wäre ein solcher Lehrplan in der Schweiz? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir beim Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer* Pink Cross und beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz nachgehakt. «Das Verständnis für LGBT fehlt in unserer Gesellschaft oftmal», so Roman Heggli Geschäftsleiter von Pink Cross. «Die Schweiz muss handeln und eine umfassende Sexualaufklärung in der Schule verbindlich machen – und zu einer umfassenden Aufklärung gehört LGBT zwingend dazu.»

Sehr wichtig für die Entwicklung von Schülern – egal ob LGBT oder nicht – sei, wie sie lernen können, für ihre Rechte einzustehen, betont Heggli. Auf die Frage, inwiefern die Schule für die Aufklärung von Schülern verantwortlich sei, antwortet Heggli: «Das Internet ist für einen Jugendlichen in diesem Fall nicht die beste Quelle. Und nicht alle Eltern sind dieser Sache gewachsen. Darum: Die Schule hat eine gewisse Verantwortung, die sie wahrnehmen muss.»

Sexualität und Identität werden in Schweizer Lehrplänen thematisiert

Der Lehrplan 21, der kantonsübergreifende Lehrplan für die Volksschule, thematisiert die Bereiche Sexualität und Identität mehrfach. Das erklärte uns Beat A. Schwendimann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Dazu gehört, dass Fragen der sexuellen Orientierungen und Identität in der Schule behandelt werden, auch unter dem Aspekt der Antidiskriminierung. Schwendimann weist aber auf folgendes hin: «Der Lehrplan 21 schreibt nicht vor, wie diese Kompetenzen vermittelt werden sollen. Es ist daher unterschiedlich, wie und in welchem Umfang das Thema LGBT+ behandelt wird.»


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142 Kommentare

vor 1 Monat
Der ganze Hass in den Kommentaren macht das ich immer mehr meine Sexualität nach Aussen zeigen möchte. Einfach damit ich denen die was dagegen haben das ich STOLZ SCHWUL bin (*springt alle in deckung*) ärgern kann^^ Muhahaha take it with love ! I‘ll make u a bad day just bc of the way I am and I‘ll enjoy doing this❤️ Thx
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Antwort von R. Ealistisch vor 30 Tagen
Du verstehst das anscheinend falsch. Wir sind nicht auf Schwule, Lesben etc. wütend. Wir sind darüber wütend dass das Anderssein andauernd gefeiert werden muss und nun soll es noch Staatlich bezahlten Unterricht dafür geben? Für was? Gesunde Erziehung reicht völlig aus. Solange ich nicht belästigt werde, ich meine RICHTIG belästigt, ist mir egal wer was für eine sexuelle Orientierung hat solange diese niemandem schadet. Zudem verstehe ich das ganze "ich bin stolz schwul zu sein" Gehabe nicht. Man kann auf Dinge stolz sein welche man durch Leistung erreicht hat. Auf die eigene sexuelle Orientierung hat man keinen Einfluss, warum sollte man also darauf stolz sein? Nicht böse gemeint aber ich denke du verstehst was ich meine.
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Antwort von Wladi vor 30 Tagen
Ich glaube, Sie verstehen das Ding mit dem Stolz falsch. Der "Gay Pride" ist vor allem das Bollwerk gegen die ständige öffentliche Beschämung. Beschämung wird z.b. genutzt um andere Kinder und Jugendliche zu mobben, es kann sie in den Suizid treiben. Doch wenn einer 'Schwuchtel' genannt wird und darauf antworten kann 'Ich bin mit ganzem Stolz eine Schwuchtel', dann trifft die Beleidigung ins Leere.
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Antwort von Beat Hayoz vor 19 Tagen
Und das wiederum lässt mich das Dagegensein auch immer mehr nach aussen zeigen.
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