So einfach lässt sich die Realität verbiegen

Ein russischer Künstler testet mit seinen 3D-Animationen die Grenzen unserer Technologie – und durchbricht sie.

Stell dir vor, du gehst durch die Stadt und plötzlich verbiegt sich die Strasse vor dir. Kein Problem wenn es nach Vladimir Tomin geht. Für den Grafikdesigner aus Chabarowsk, Russland, ist nichts unmöglich.

In den letzten Tagen ging Tomins Video Прогулка (Deutsch: Spaziergang) viral. Darin demonstriert er eindrücklich, was mit der heutigen Technologie und etwas Geschick in Sachen 3D-Animation alles möglich ist.

«Manchmal bin ich zu ehrlich»

Früher arbeitete Tomin in einer Werbeagentur, wo er am Laufband Low-Budget-Videos produzierte. Das langweilte ihn jedoch schnell: «Ich wollte Kunden, die etwas Neues ausprobieren», sagt er uns. Also schloss sich der Nerd einem Künstlerkollektiv an, produzierte unter anderem ein ziemlich abgefahrenes Musikvideo und machte sich im Netz einen Namen. Irgendwann klopfte MTV Russia an – ein Projekt, auf das Tomin besonders stolz ist: «Die Deadlines waren absolut irre, aber es hat trotzdem einen Riesenspass gemacht.»

Gewisse Kunden haben allerdings Mühe mit Tomins Stil. «Manchmal bin ich zu ehrlich», so der Künstler. «Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich das ungefiltert. Deshalb gibt es Leute, die nicht mit mir arbeiten wollen.»

Virtuelle Superkräfte

Im Gegensatz zu seinem Mundwerk ist Tomins «Spaziergang» alles andere als ungefiltert. Software wie After Effects und Cinema 4D verschafft ihm virtuelle Superkräfte: Mit ein paar Mausklicks wirft er Mülleimer um, schlägt Wellen mit Betonklötzen und haucht einer Strassenlaterne Leben ein. Inspiriert wurde er dabei von Instagram- und Snapchat-Filter, die in Sekundenschnelle Gesichter und unsere Umgebung auf den Kopf stellen.

Natürlich sind Realitäts-Verzerrungen heutzutage noch nicht so einfach, wie sie Tomin im Video darstellt – hinter seinen Animationen steckt stundenlange Feinarbeit. Der «Spaziergang» gibt aber einen Einblick, wie unsere Welt mit technologischen Hilfsmitteln wie Augmented Reality einst aussehen könnte. Sogar das wird dem Künstler aber schon wieder zu langweilig: «Ich arbeite noch an ein, zwei Videos in diesem Stil, aber danach möchte ich etwas Neues ausprobieren», sagt er. «Das ist wichtig. Wenn man sich zu sehr auf einen Stil verlässt, kann das zur Falle werden.»


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9 Kommentare

F. Derungs vor 14 Tagen
Halt eine von vielen hundert Millionen Computeranimationen im Jahr 2018.
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GIDF vor 14 Tagen
Diese Bewegungen der Objekte im Video hat er selber animiert und nicht das Programm. Ist hier im Artikel nicht gerade deutlich geschrieben.
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liebhaber vor 14 Tagen
fantastisch!
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vieles ist möglich vor 14 Tagen
Dies hat wohl wenig mit Kunst zu tun. Sondern mit der Realität was Programme können.
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