Wir trafen einen Verstorbenen

In einem Haus im Emmental soll es spuken. Um herauszufinden, ob das wahr ist, haben wir professionelle Geisterjäger für eine Nacht begleitet.

Die Dämmerung bricht gerade ein als wir aus dem leeren Bus steigen, der sich auf einsamen Strassen durchs Emmental schlängelt. «Ihr braucht keine Angst zu haben, böse Geister gibt es nicht», begrüsst uns Tom. Wir stehen vor einem alten Landhaus, in dem angeblich Paranormales geschehen soll. Zusammen mit Anita und Tom, die den Verein «Ghosthunters Schweiz» gegründet haben, gehen wir heute auf Geisterjagd.

Die Familie, die das Haus bewohnt, erzählt uns am Küchentisch von unerklärlichen Geräuschen, sich bewegenden Gegenständen – und einer alten Uhr, die zu unpassenden Zeiten schlägt und ab und an auch stehen bleibt. Sie gehörte dem Urgossvater der Familie. «Könnte das wieder der Traugott sein?», fragt Tom und erklärt uns, dass sie nicht zum ersten Mal hier seien, um den Hausbewohnern zu helfen: Traugott sei ein grauhaariges Wesen mit Bart, das hier schon länger umhergeistere. Heute wollen sie herausfinden, was den Geist hier halte und ihn «ins Licht schicken». Langsam kriecht uns die Gänsehaut in den Nacken. Skeptisch bleiben wir trotzdem.

«Geister sind Energie»

Als wir gemeinsam mit der Familie und den Geisterjägern durch die grossräumige Wohnung laufen, merken wir schnell: So abgedreht wie im Film sieht das alles nicht aus – kein lateinisches Gefasel, kein Salz wird gestreut und auch sonst ist die Stimmung eher entspannt. Tom inspiziert jeden Raum mit einem EMF-Gerät, um elektromagnetische Felder zu erfassen. «Geister sind nichts anderes als wir auch – Energie. Sie haben einen freien Willen», erklärt Tom, während er diverse Messgeräte und Bewegungsmelder im Haus verteilt. Dann setzen wir uns ins Wohnzimmer, um Kontakt aufzunehmen.

«Wir möchten heute mit jemandem aus der geistigen Welt kommunizieren. Mit jemandem, der hier immer wieder unterwegs ist und Geräusche verursacht», spricht Tom in die Runde. „Du kannst mit uns über die Geräte kommunizieren, dich zeigen oder Geräusche machen.» Stille. «Wie ist dein Name?», fragt der Geisterjäger. Auch nach zehn Minuten und weiteren Fragen ist noch nichts passiert. «Auch der Herr mit Glatze darf sich zeigen», sagt er plötzlich. «Ist er aus dem Bauernbetrieb? Ich rieche Mist», fragt Anita ihren Lebensgefährten mit einer irritierenden Selbstverständlichkeit. Irgendwas scheinen wir verpasst zu haben, doch die beiden Geisterjäger sind sich sicher, dass sich nicht nur ein Geist sondern gleich zwei Geister bei uns befinden. Uns wird mulmig.

Es blinkt und piepst wie verrückt

So schnell geben Anita und Tom nicht auf. Statt Diktiergerät packen die beiden Augenbinde, Kopfhörer, Zettel und ein weiteres Gerät aus, das radioähnliches Rauschen von sich gibt. Durch die sogenannte «Spirit Box» soll es den Wesen der Geisterwelt möglich sein, Nachrichten zu übermitteln. Anita kann nun nichts mehr sehen und teilt uns jedes Wort mit, das sie über die Kopfhörer der Spiritbox hört, während Tom direkte Fragen an das Wesen stellt. Plötzlich schlägt jedes Gerät gleichzeitig um uns herum wie wild aus – überall blinkt und piepst es hektisch. Anita spuckt Wortfetzen und zerstückelte Sätze aus, Tom springt auf, wird unruhig und nervös. «Moritz bist du das, der gerade in der Küche sitzt?»

Tom braucht mehrere Anläufe, um die Sitzung zu beenden. «Ich geh jetzt in die Ferien», verabschiedet sich der Geist durch Anita. Tom puzzelt die Antworten zusammen und ist sich sicher: Beim Geist handle es sich um Moritz, den Grossvater des Hausbewohners. Er sei absolut nicht damit Einverstanden, dass sich die Uhr in der Wohnung befinde. Um ihn zu besänftigen, solle die verhexte Uhr zurück in die Garage gestellt werden – inklusive eines Fläschchens seines Lieblingsschnapses. Um den Spuk endgültig abzuschliessen, führen die Geisterjäger ein «Clearing» durch: Kampfer, Weihrauch und getrockneter Salbei werden angezündet, um das Haus energetisch zu reinigen, während Tom durch die Räume läuft und zu Moritz spricht, um ihn «zurück ins Licht zu führen», wie er uns erklärt. Durch das Räucherwerk stinkt das ganze Haus nach Katzenpisse.

«Wir wollen aufklären»

Auch als wir wieder im Zug Richtung Zürich sitzen, haben wir noch nicht ganz verarbeitet, was wir gerade miterlebt haben. Ob es im Haus wirklich gespukt hat, können wir natürlich nicht bestätigen. Feststeht jedoch: Selbst wenn sich viele Scharlatane in der Welt des Paranormalen als Medium oder Geisterjäger ausgeben – Tom und Anita gehören wohl nicht zu ihnen. Sie bieten ihre Fähigkeiten immer kostenlos an und wirken trotzdem bodenständig: «Alles, was wir erreichen wollen, ist es, den Menschen zu helfen. Wir wollen aufklären.»


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64 Kommentare

Christoph Feger vor 1 Monat
Sehr geehrtes Ghostbuster-Team Ich glaube in meiner Wohnung spuckt es auch! Hin und wieder verschwinden ganz Alltägliche Sachen und tauchen wenige Tage später an einem komplett anderen Ort wieder auf! Können sie mir möglicherweise Tipps gegen wie ich so etwas Testen kann? Freundliche Grüsse Feger Christoph
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Pfarrer vor 1 Monat
Viele Menschen unterschätzen die Gefahr durch okkulte Praktiken. In der Bibel steht, dass Jesus Christus gekommen ist, um die Werke des Teufels zu zerstören. Der Teufel ist ein Lügner. Sogenannte Geisterjäger sind sich auch nicht bewusst, welchen Gefahren sie sich aussetzen.
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Walti vor 1 Monat
Ich war früher auch skeptisch, bis ich 1980 geheiratet habe! Mein Frau (aus den Philippinen) hat die Fähigkeit, Energien körprerlich zu spüren und mit Meditation und Händen zu heilen! Ausserdem kann sie oft gewisse Dinge und Vorkommnisse voraussehen und -sagen, z.B. Erdbeben. Das sind Fakten und kein Halloween-Zirkus!
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Handfeste Beweise? vor 1 Monat
Lächerlich. Glaube hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Genauso wenig wie diese Geisterjäger mit Professionalität.
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