Österreich will den 12-Stunden-Tag einführen

Ein Werbe-Clip für «flexible Arbeitszeiten» in Österreich macht die Runde. Das animierte Video mit weichgespültem Pop-Soundtrack erntet Spott und Häme.

Was könnte motivierender für die Arbeitsmoral sein, als bunte Figuren in Knetmasse-Optik, die fröhlich grinsend durchs Leben hüpfen, während sie täglich Überstunden machen? Richtig: Gar nichts. Zumindest dachte sich das wohl die österreichische Wirtschaftskammer, als sie das Konzept für ihr Werbevideo zur Einführung des 12-Stunden-Arbeitstages entwickelte.

Durch das Video führt ein kleiner Hund mit Sombrero, der kecke Fragen zum Thema «flexible Arbeitszeiten» stellt, die ein ziemlich motivierter Sänger dann per catchy Popsong mit tiefgründigen Lyrics wie «Zehn Stunden waren schon immer möglich, jetzt sind dann zwölf erlaubt» ausführlich beantwortet. Oder irgendwie auch nicht.

Freiwillige Überstunden?

«Gehts dem Franz gut, gehts auch dem Hans gut. Und gehts dem Fahrer gut, gehts auch der Klara gut», singt der von der Wirtschaftskammer angeheuerte Interpret dieses unglücklichen Versuchs, die österreichische Bevölkerung von «freiwilligen Überstunden» zu überzeugen.

Statt eines (offenbar beabsichtigen) Gute-Laune-Sommerhits mit «unterschwelliger» Propaganda für die Ideen der rechtskonservativen Regierung, landete die WKO mit dem Clip viel eher als Lachnummer in der gnadenlosen Vorhölle des Internets.

Hinterfotziges Video, unterdurchschnittlicher Popsong


Nach zwei Tagen und rund 220'000 Views zählt der Clip mehr als 12'000 Dislikes (im Vergleich zu 290 Likes) und das Zielpublikum – also quasi die gesamte arbeitende Bevölkerung Österreichs – hält sich mit Kommentaren nicht zurück:

«Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte, wenn ich dieses hinterfotzige Video schau. Und auch noch der dreiste Versuch, schlechte Neuigkeiten in Knetmasse zu verpacken, begleitet von einem unterdurchschnittlich schlechten Popsong. #zurückindiesteinzeit», hat etwa User MrElMoody zu melden.
 


 


 



Die Reaktionen gehen also ganz klar in eine – nicht allzu positive – Richtung. Andererseits… Wie heisst es immer so schön? «No publicity is bad publicity!». Und ein kleiner Ohrwurm ist der Song allemal. 12-Stunden-Tage hin oder her.

 


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29 Kommentare

Spottdrossel vor 3 Monate
Arbeiten wir 12 Stunden, dazu sagen wir mal 2 Stunden Arbeitsweg, nun noch eine Stunde insgesamt für Körperpflege, Frühstück, Mittag und Nachtessen, dazu 8 Stunden Schlaf, dann sind wir bei einer Stunde die noch übrig bleibt für's Einkaufen, Wohnungsputz und das soziale Leben. Das ist doch eine tolle Sache, da so auch das Rentenproblem gelöst wird da sich die kaputt gearbeiteten Mitmenschen selber vor der Rente schon umbringen
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Antwort von Frosch vor 2 Monate
Das ist ein kompletter Irrsinn!
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Home Office vor 3 Monate
Burnout. Vorprogrammiert.
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Philip vor 3 Monate
Voll zynisch. Man sollte möglichst kurz, gut, überzeugt und fair arbeiten - nicht möglichst lange, asozial und zwischendurch noch Koksen und sich einen runterholen oder weiss ich was! Arbeiten braucht Zeit - das verstehe ich ja, aber meistens sollte man effizienter arbeiten und mehr Ferien machen. Für die allermeisten Berufe ist der 12-h-Tag eine Katastrophe, da die Arbeitsqualität ja nicht irrelevant ist, auch wenn gewisse Eliten diese Jobs als für Minderbemittelte betrachten. z.B. Eine Reinigungs- oder Bürokraft muss auch ordentlich arbeiten und wenn sie beginnen zu pfuschen wird es bald einmal ungemütlich für die Gesellschaft. Nachlässigkeit in diesen Bereichen bedeuten eklige Arbeitsräume und der Niedergang der Mahnungskultur. Es kann ja nicht sein, dass nach der Rechnung die Betreibung kommt - auch im Kleinen muss geduldig und gewärtschätzt gearbeitet werden!
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