Warum vergeht die Zeit schneller, je älter du wirst?

Gerade noch musstest du beim Zigarettenkaufen deinen Ausweis zeigen und plötzlich bist du 30. Warum die Zeit im Erwachsenenalter zu rasen beginnt, ist auch der Wissenschaft ein Rätsel.

In wenigen Wochen werde ich 27 – das Alter, in dem bereits unzählige meiner Helden das Zeitliche gesegnet haben. Für mich wäre es unvorstellbar, bereits jetzt abzutreten. Ehrlich gesagt fühle ich mich nämlich keinen Tag älter als damals, als ich zum ersten Mal legal Schnaps kaufen durfte.

Spätestens seit meinem 20. Geburtstag hab ich das Gefühl, die Zeit fliegt mir nur so um die Ohren. Ich hatte mich noch nicht einmal an 2017 gewohnt und jetzt stecken wir schon zwei Monate tief im neuen Jahr. Silvester, Valentinstag, Ostern, Festivals, Halloween, Weihnachten und von vorn. Alles Gute zum Geburtstag, bis nächstes Jahr. Und plötzlich merkst du, dass du bereits im Mittelfeld der werberelevanten Zielgruppe stehst – dabei weisst du immer noch nicht, wie man seine Steuererklärung richtig ausfüllt. Doch warum genau geht plötzlich alles so schnell?

«Die Ursachen sind nicht wirklich geklärt»

«Es gibt keinen Fachbegriff für diese Art von Beschleunigung», sagt Prof. Dr. Alexandra M. Freund vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. Dass das Zeitgefühl stets von der eigenen Wahrnehmung abhängt, ist klar. Warum ab einem gewissen Alter alles viel schneller zu gehen scheint, weiss aber selbst die Wissenschaft nicht so genau: «Die Ursachen der subjektiv beschleunigten Zeit mit dem Alter sind nicht wirklich geklärt», so die Forscherin. Auch die Psychologin und BBC-Kolumnistin Claudia Hammond spricht von «einem der grössten Mysterien unserer Zeit»

Selbst wenn dir einzelne Tage oder Wochen furchtbar lang vorkommen, plagt dich am Ende eines Jahres möglicherweise das Gefühl, dass die Zeit an dir vorbeirast. Freund spricht von einem Paradoxon: «Im höheren Alter haben Menschen oft das Gefühl, dass sich jeder einzelne Tag sehr lange hinzieht, aber grössere Zeiträume – zum Beispiel ein Jahr – wie im Fluge vergangen sind.»

Es kommt darauf an, was du tust

Über die Gründe lässt sich also nur spekulieren. Wie schnell die Zeit vergeht, hängt meist davon ab, was genau du damit anfängst. Du kennst das Gefühl, wenn du den ganzen Tag voll ausgelastet bist und ehe du dich versiehst, sitzt du bereits beim Feierabendbier.

«Wenn man in einer Tätigkeit aufgeht, dann tritt die vergehende Zeit stark in den Hintergrund oder verschwindet in unserer Wahrnehmung ganz», erklärt Freund. Als Erwachsener bist du öfter mit solchen Tätigkeiten beschäftigt als in Kindertagen, wo du dich häufig nur langweilst. «Das lässt sich nun auch auf grössere Zeiträume anwenden: Wenn jeder Tag, jede Woche, jeder Monat mit sehr vielen Tätigkeiten und Events gefüllt sind, dann ist das Jahr am Ende ebenfalls verflogen.»

Eine weitere Theorie bezieht sich auf einschneidende Erlebnisse: Schulabschlüsse, die erste grosse Liebe, die erste Wohnung – «diese Ereignisse sind eine Art Taktgeber, die die Zeit in grössere Abschnitte einteilen», sagt die Forscherin der Uni Zürich. Je älter du wirst, desto weniger solcher grossen Momente ereignen sich. Schliesslich wird alles irgendwann zur Routine. «Auch deshalb hat man das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht. Es fehlen die Taktgeber und die Wochen, Monate und Jahre fliessen mehr ineinander.»

Was du dagegen tun kannst

«Gib dir mehr Zeit für dich», singen Bilderbuch in ihrem Hit «Om». Genau das ist auch laut unserer Expertin die Lösung. Damit du nicht plötzlich alt und grau bist, ohne es zu merken, solltest manchmal einfach nichts tun. «Eine Art subjektiver Entschleunigung kann man dadurch bewirken, dass man sich im Alltag immer wieder ganz bewusst Phasen einplant, in denen man kein Ziel verfolgt», sagt Freund. Konkret: Nichts erledigen, niemanden treffen, nicht in sozialen Medien rumhängen – chills.

Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie es klingt. «Man bekommt dabei leicht das Gefühl, dass man seine Zeit verschwendet», so die Psychologin. Für das subjektive Gefühl haben solche Auszeiten aber genau den gegenteiligen Effekt: «Versuchen Sies mal: Einfach nichts tun ist nicht einfach, aber es entschleunigt. Und wenn Sie das sehr regelmässig machen, wird die Zeit wahrscheinlich auch wieder etwas langsamer vergehen.»


Kommentar schreiben

67 Kommentare

Rose vor 4 Monate
Als ich jung war und ältere, gestresste Leute sah, die hatten nie Zeit für dies und das, musste ich lächeln, jetzt bin ich in Rente und wisst Ihr was ? Ich weiss jetzt dass die Tage nur noch 12 Stunden haben und nicht mehr 24 Stunden, Lachen erlaubt..........und der Tag ist gerettet.😀
7
0
Antwort
Rose vor 4 Monate
Als ich jung war und ältere, gestresste Leute sah, die hatten nie Zeit für dies und das, musste ich lächeln, jetzt bin ich in Rente und wisst Ihr was ? Ich weiss jetzt dass die Tage nur noch 12 Stunden haben und nicht mehr 24 Stunden, Lachen erlaubt..........und der Tag ist gerettet.😀
4
0
Antwort
JR vor 4 Monate
so komplex ist das nicht. Der mensch misst die Zeit nicht mit einem fixen Beurteilungsmassstab (wie der wellenlänge eines Cäsiumatoms), sondern unser subjektiver Massstab ist die bereits erlebte zeit. Wenn wir 5jahre alt sind, ist ein jahr daher sehr lang, und wird mit dem älterwerden immer kürzer.. Mit 50jahren erscheint ein jahr dazu dann sehr kurz.
20
3
Antwort
Antwort von ChickenPie vor 4 Monate
Ja, genau so hätte ich es auch geschrieben. Danke JR, dass du mir die Arbeit abgenommen hast. XD
5
0
Antwort
video
Wir haben Omas und Opas Snapchat gezeigt

Wir haben Omas und Opas Snapchat gezeigt

«Betrunkene Briten machen am meisten Probleme»

«Betrunkene Briten machen am meisten Probleme»

So viel Nacktheit, so viele Probleme

So viel Nacktheit, so viele Probleme

Von diesen Zigaretten bekommst du keinen Krebs

Von diesen Zigaretten bekommst du keinen Krebs