«Ein krasser Einstiegslohn ist nicht wichtig»

Simon und Séverine sind nicht nur Studienpartner, die beiden haben auch eine eigene Firma gegründet – trotz Unistress und Masterarbeit. Wir haben die Junggründer beim Kaffee ausgequetscht.

Wie anstrengend die Zeit an der Uni sein kann, wissen viele. Egal, ob du Physik oder Pädagogik studierst – oft bleibt neben der Büffelei und den Abgabefristen höchstens noch Platz für ein bisschen Sozialleben, weil der Alltag ohnehin sehr vollgestopft ist. Die beiden Medizintechnik-Studenten Séverine und Simon laden sich jedoch noch mehr auf ihre Teller: Sie stehen mit ihrer Firma IDUN gerade am Anfang der Unternehmensgründung. Gemeinsam entwickeln sie in ihrem Startup Sensoren für die Gesundheitsüberwachung.

Wir haben die beiden 25-jährigen Superbrains an der ETH in Zürich besucht und nachgefragt, wie sie Studium und Business unter einen Hut bekommen.

Wie ist die Idee entstanden, euch selbstständig zu machen?

Simon: Bei uns gab es zuerst den Traum und die Vision. Bei vielen anderen hier an der ETH steht die Kommerzialisierung an erster Stelle, das merkt man schon oft. Wir wussten einfach, dass wir etwas Gemeinsames machen wollen.

Euer Unternehmen aufzubauen war sicher nicht ganz billig. Wie habt ihr das finanziert?

Séverine: Gerade während dem letzten Jahr haben wir bei Wettbewerben mitgemacht und das gewonnene Geld für die Firma auf die Seite gelegt. Ausserdem haben wir Kontakt zu Investoren, auf die wir angewiesen sind. 

Simon: Wir haben ausserdem den Luxus von unseren Eltern unterstützt zu werden – sonst wäre das gar nicht möglich.

Ihr habt also keine Angst vor der ungewissen Zukunft oder dem finanziellen Risiko?

Séverine: Obwohl wir typische Millennials sind, kann ich mir gut vorstellen, auch in zehn Jahren noch im Unternehmen zu arbeiten. Das gibt mir eine innere Ruhe. 

Simon: Ein krasser Einstiegslohn hat bei uns nicht wirklich Priorität. Deshalb ist es für mich auch okay, wenn alles vorerst etwas unsicher ist. 

Gab es Momente, in denen ihr alles hinschmeissen wolltet?

Séverine: Ich glaube, es wäre mittlerweile schwieriger, einfach alles hinzuschmeissen als weiterzumachen. Das würde bedeuten, wir müssten unseren Traum aktiv aufgeben. 

Simon: Ich finde es wichtig, auch über Fehler und Schwächen zu reden. Besonders dann, wenn du ein Startup gründest. Unsere Gesellschaft kennt nur das Erfolgsdenken – das finde ich mega mühsam. Es ist doch okay, wenn du mal eine Scheissphase hast. 

Welche Hürden musstet ihr bisher überwinden?

Simon: Anfangs waren meine Eltern ziemlich nervös und haben mir geraten, doch lieber etwas Richtiges, einen normalen Job zu machen. Aber als sie dann gemerkt haben, wie engagiert und motiviert Séverine und ich waren, haben sie sich komplett hinter mich gestellt.

Wie schwierig war es, ein Business aufzubauen und gleichzeitig auch noch zu studieren?

Séverine: Wir waren müde! In der Hochphase haben wir bis 12 Uhr nachts durchgearbeitet und gleichzeitig unsere Masterarbeit geschrieben. Du musst deinen Perfektionismus echt ablegen. Aber je mehr du dir auflädst, desto weiter kommst du auch.

Simon: Februar und März waren ganz übel. Da kam alles zusammen, was echt ungesund war. Mittlerweile ist die Work-Life-Balance bei mir wieder voll okay.

Laut Bericht des «GEM» zeigen Studien, dass die Zahl der weiblichen Unternehmerinnen wächst. Glaubt ihr, Frauen tun sich schwerer damit, zu gründen?

Séverine: Du triffst nicht so viele Frauen in der Startup-Szene. Nur wenige die ich kenne, haben auch den Drive, was eigenes machen zu wollen. Aber die, die ich getroffen habe, haben alle was drauf. Wir sind ein gemischtes Team, dadurch haben wir schon ein paar Vorteile. 

Simon: Séverine hat mich für das Thema sensibilisiert. Du hast eben meistens nur Männer vor dir – Investoren, Jurymitglieder und so weiter. Sobald es eine Frau ist, wird das extra erwähnt. Ausgeglichen ist das Verhältnis noch nicht.

Welche Tipps würdet ihr anderen geben, die auch gründen möchten?

Simon: Viele haben Angst, parallel zu gründen, so wie wir es gemacht haben. Hauptsache du fängst einfach mal an. Fehler sind menschlich. 

Séverine: Finde deinen «Partner in Crime». Das macht so viel aus. Und: Rede mit Leuten, die Ahnung von der Materie haben. Meistens kannst du extrem viel lernen und bekommst dadurch weitere Kontakte. 


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11 Kommentare

rainer_d vor 1 Monat
Immerhin verprassen sie das Geld der Eltern nicht mit Reisen, Shopping und teuren Leasings. Gibt ja genügend, die genau das machen - und dann noch zu Hause gratis wohnen. Wenn's klappt schaffen die zwei vielleicht noch den einen oder anderen Arbeitsplatz - das soll ihnen von den Kommentarschreibern erst mal einer nachmachen.
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Respekt! vor 1 Monat
ich finde es toll wenn sich junge Leute etwas aus sich machen! Viel erfolg wünsche ich euch!!!
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Ekeltoni vor 1 Monat
Hähähä Zum glück hab ich vor dem studium eine lehre gemacht und dann frisch von der ausbildung 5000 im job verdient pro monat.
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Antwort von Banker vor 1 Monat
für das würde ich am Morgen nicht mal aufstehen 😃
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