Youtuberin rastet aus, weil sie nichts gratis bekommt

Influencer sind verwöhnte Rotzbengel – Dinge umsonst zu bekommen, ist schliesslich Teil ihres Jobs. Eine englische Vloggerin rastete aus, weil ein Hotel doch tatsächlich Geld für ihren Aufenthalt verlangte.

In der Welt erfolgreicher Influencer ist es normal, auf Rosen gebettet zu werden: Die Social-Media-Stars von heute tauschen ihre Reichweite gegen Annehmlichkeiten wie Gratis-Reisen, Gratis-Drinks und Gratis-Make-Up. Während du und ich für solche Dinge bezahlen, schreiben sie einfach kurz eine Mail und bieten Unternehmen an, Werbung für ihr Produkt zu machen – dafür bekommen sie dieses umsonst. Schön für sie.

Allerdings klappt das nicht immer, wie etwa im Fall eines britischen Internet-Sternchens Elle Darby. Sie schickte einem Hotel in Dublin eine Anfrage für einen «Business-Deal» und bekam eine knallharte Absage. Nun fühlt sie sich als Opfer des bösen, bösen Hotelbesitzers. Der Typ will ernsthaft Geld von einem Star wie ihr? Gehts noch?!

Werbung gegen ein Gratis-Zimmer

Darby zählt auf Youtube 90'000 Abonnenten und befasst sich in ihren Videos mit «Beauty, Lifestyle und Fitness». Die 22-Jährige plante, den Valentinstag mit ihrem Freund in Dublin zu feiern, also fragte sie einige Hotels in der irischen Hauptstadt an, unter anderem das The White Moose Café. «Ich schreibe Ihnen für eine mögliche Kooperation auf Social Media», heisst es im Mail an Paul Stenson, den Besitzer des Hotels. «Ich würde euch gerne in einem Youtube-Video featuren, damit andere Leute auch Zimmer bei euch buchen und ich dafür umsonst eine Unterkunft bekomme.»

Als Reaktion postete Stenson einen Screenshot der Mail auf dem Facebook-Account des The White Moose Cafés – inklusive einer gesalzenen Absage.

«Zeig etwas mehr Selbstrespekt»

«Es braucht Eier, solch ein Mail zu schreiben», heisst es im Post, «wenn auch wenig Selbstachtung oder Würde». Im Anschluss fragt Stenson, der den Namen der Youtuberin anonymisiert hatte, wie er sein Personal bezahlen soll, während Darby für lau bei ihm wohnt. «Sollte ich meinen Angestellten sagen, sie kommen in deinem Video vor, statt für ihre Arbeit bezahlt zu werden, während du hier bist?»

Stenson weist darauf hin, dass er selbst einige Follower hat. «Aber mein Gott, ich würde niemals etwas umsonst verlangen. Solche Zahlen machen mich nicht zu einem besseren Menschen oder geben mir das Recht, etwas gratis zu bekommen, für das jeder andere zahlen muss.» Für die Zukunft empfiehlt er Darby, eine angemessene Bezahlung anzubieten. Dann bekomme sie von Hotels eventuell immerhin ein Upgrade geschenkt. «Damit würdest du etwas mehr Selbstrespekt zeigen und – seien wir ehrlich – es wäre nicht ganz so peinlich.» BÄM!

Blogger vereinen sich zum Boykott

Darby verstand die Welt nicht mehr. Also veröffentlichte sie auf Youtube ein 17-minütiges (!) Video mit dem Titel «Ich wurde blossgestellt (SO peinlich)». Darin beschwert sie sich über Stenson, dem sie bösartige Absichten unterstellt. Sie selbst hätte ihm nur mit ihrer Reichweite helfen wollen und allgemein sei alles so mega unfair. Oder einfacher zusammengefasst: «Mimimimiiimimii.»

Und so nahm #Bloggergate seinen Lauf: Darby rief befreundete Social-Media-Stars dazu auf, das The White Moose Café zu boykottieren und seinen Ruf mit schlechten Reviews zu ruinieren. Und was tut Stenson? Er verbannt kurzerhand alle Blogger aus seinem Hotel: «Eure Trotzanfälle und der ganze Hass rücken eure Industrie in ein schlechtes Licht», schreibt er. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mit negativen Reviews überschwemmt werde, nur weil ich von einem von euch verlangt habe, für Dinge zu bezahlen.»

 

Hotelbesitzer bedankt sich für Werbung

Paradoxerweise bekommt Stenson durch den Mini-Skandal nun genau das, was er ursprünglich abgelehnt hatte: Haufenweise Gratis-Promo durch Social-Media-Stars. In einem weiteren Facebook-Post bedankt er sich artig dafür und kündigt auch gleich scherzhaft ein Buch namens «Wie man weltweite Aufmerksamkeit bekommt, ohnen einen Cent dafür auszugeben» an.

Wer #Bloggergate letzten Endes gewonnen hat, dürfte somit klar sein. Stenson ist für Medienanfragen momentan übrigens nicht erreichbar: «Ich bin in Amsterdam», heisst es seit gestern auf seiner Facebook-Seite. «Bitte ruft mich nicht an – weil die Chance relativ gross ist, dass ich gerade stoned bin.»


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245 Kommentare

Anna vor 1 Monat
Traurig! Nur weil sie eine Bloggerin ist. Der Hotelchef hat es richtig gesagt: Wir entuschligen uns für NIEMANDEN.! Sie ist ein Mensch wie jeder andere.! Die Angestellten müssen ja auch bezahlt werden. Oder das Essen und der Service bekommt man nicht mit Likes oder einem Video.
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Michelle vor 1 Monat
Was hat diese Dame mit Grippe zu tun? Ich verstehe nur noch Bahnhof...geht es hier um zukünftige Ärzte?
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Cool vor 1 Monat
Wow hervorragendes Marketing von beiden Seiten, selbst Schweizer Medien schreiben über ein Hotel und eine Influencerin, die bisher noch keiner kannte. Das nenne ich Win-Win!
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Cpt. vor 1 Monat
Vor etwa 85 Jahren mussten normale Engländer 24std den Himmel im Auge behalten, als Flakhelfer ausdienen, Strassenblockaden errichten und Schützengräben ausheben, alles mit zu wenig Essen und zu wenig Unterkünften. Heute heult man, wenn man arbeiten muss. Ich hoffe Europa wird wieder vom Krieg erfasst um die Menschen auf den Boden zurück zu holen.
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