Die meisten Youtube-Covers sind nicht legal

Reaction-Videos, Fan-Trailer, Let’s Plays – Youtube ist voll von urheberrechtsgeschütztem Material. Was davon ist okay und wer muss mit Abmahnungen rechnen?

Vorgestern ging ein eineinhalb Jahre andauernder Gerichtsfall zwischen dem Proll-Youtuber Matt Hoss und dem Pärchen von h3h3Productions mit einer wohl richtungsweisenden Entscheidung zu Ende. Hoss verklagte die beiden Youtuber, da sie in einem Reaction-Video zu seinem Streifen «Bold Guy vs Parkour Girl» Szenen aus dem Original einbetteten. Der selbsternannte Flirtguru Hoss wollte die «Rechte des Künstlers» gegenüber «Parasiten, die nur von anderen profitieren wollen» verteidigen. Erfolglos.

Gewonnen dank «Fair Use»

Eine New Yorker Richterin entschied am Mittwoch zugunsten von h3h3Productions: Ihr Reaction-Video sei als «Fair Use» (eine US-Doktrin, die sich in der Schweiz so nicht findet) zu beurteilen und dementsprechend ok. Ausschlaggebend sei die kritische Auseinandersetzung mit dem Original – und der Fakt, dass das Reaction-Video kaum den Konsum des Originals ersetzen könnte. Der Gerichtsentscheid hält aber auch fest, dass dadurch nicht automatisch alle Reaction-Videos urheberrechtlich gesehen in Ordnung gehen. Elemente der Parodie oder der Kritik müssten in diesen Fällen klar zu erkennen sein.

Während dieser Fall zumindest etwas Klarheit ins nebulöse Feld des Urheberrechts auf Youtube bringt, liegt dennoch vieles in einem Graubereich. Aber keine Sorge – wir greifen euch ein bisschen unter die Arme und versuchen, offene Fragen zu beantworten.

Darf ich eigene Fan-Trailer aus einem Film zusammenschneiden?

Angenommen du hast ein unterschriebenes Papier von einem Hollywood-Giganten, der dir das Recht dazu verleiht: Ja. Dies ist verständlicherweise verdammt unrealistisch. Hingegen ist es auch nicht immer der Fall, dass Fan-Trailer von Youtube genommen werden – gerade wenn der Zusammenschnitt verdammt gut ist und dem Filmstudio sogar noch positive Promo bringt. Wenn du aber damit Geld verdienen willst – vergiss es, denn: Selbstgebastelte Trailer verstossen gegen das Urheberrecht.

Darf ich Originalfilme in Reaction-Videos einbinden?

Obwohl der oben erwähnte Fall dank «Fair Use» vollkommen in Ordnung ging, kann man trotzdem nicht davon ausgehen, dass alle Reaction-Videos legal sind. Die Schweiz kennt keine «Fair Use»-Klausel (Deutschland übrigens auch nicht), vergleichbar ist hierzulande einzig das Zitatrecht. Und demzufolge dürfen fremde Werke nur zitiert werden, wenn dies der Veranschaulichung dient und in einer Länge geschieht, die dem entspricht. Und während in New York teilweise für Reaction-Videos entschieden wurde, findet sich dennoch kein abschliessendes und verallgemeinerndes Gerichtsurteil. Als Daumenregel gilt also: Je mehr Eigenleistung und je weniger des Originalvideos auftaucht, desto sicherer bist du.

Sind Neuvertonungen legal?

Jeder liebt «Lord of the Weed» oder Literal Videos. Aber grundsätzlich verstossen Neuvertonungen gegen das Urheberrecht, selbst wenn sie als Parodie oder Kritik daherkommen. Eigentlich logisch, denn: Das Videomaterial stammt ausschliesslich von einem anderen Urheber. Dass die vielen Parodien aber immer noch auf Youtube zu finden sind, liegt wohl daran, dass die Urheber aus irgendwelchen Gründen bisher davon abgesehen haben, die Videos zu melden. Denn: Youtube ist nicht dazu verpflichtet, selbstständig urheberrechtliches Material zu entfernen – die Urheber müssen sich selbst über die betreffenden Videos beschweren.

Darf ich Let’s Plays auf Youtube stellen?

Beim Kommentieren von Games sieht die Lage ähnlich aus: Grundsätzlich ist das Video-Material urheberrechtlich geschützt. Aber im Rahmen einer Kritik dürfen Sequenzen des Spiels gezeigt werden. Ausserdem sind die Urheber wohl kaum daran interessiert, denn üblicherweise bringen Let’s Plays ja auch Promo fürs Game. Und dem ist niemand abgeneigt.

Darf ich Cover-Songs auf Youtube veröffentlichen?

Jede Wette, dass dir nicht bewusst war, dass die meisten Covers auf Youtube illegal sind. Denn kaum jemand mag sich durchs rechtliche Labyrinth kämpfen, um die Erlaubnis dafür einzuholen. Vor allem nicht Amateur-Musiker, die Zuhause vor einem Macbook die tausendste Version eines Songs von Ed Sheeran einspielen. Die einfachste Möglichkeit, sich rechtlich abzusichern: Du lizensierst das Cover via «We Are The Hits», einem Urheberrechtsservice und Youtube-Partner. Dieser kümmert sich um die Abgaben an den Originalkünstler und allen weiteren Kram und du bist fein raus.

Schlussendlich bleibt zu sagen: Auf Youtube werden jede Minute 300 Stunden Videomaterial hochgeladen. Das ist schlicht zu viel, um gründlichst überprüft zu werden. Ausserdem bewegst du dich hier in einem rechtlichen Graubereich und in vielen Fällen liegt eine Klage nicht mal im Interesse der Urheber. Deswegen: Mach dir keinen allzu grossen Kopf. Solltest du dennoch verklagt werden, mach es einfach so wie h3h3-Productions und crowdfunde dir die Anwaltskosten, um gegen die Tubelpartei vorzugehen, die dein Reaction-Video verbieten will. Ausser es ist ein Mediengigant – dann chills lieber und sei brav und hörig. 


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13 Kommentare

Löli vor 4 Monate
Schon verständlich, die arme Musik- & Filmindustrie hat ja so wenig Geld, da müssen die Werke mit allen Mitteln geschützt werden!!!
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Tänzerin vor 4 Monate
Meine Freundin und ich waren in einer Disco. Sie tanzte zu "Funky Town", und ich nahm es auf und stellte das kleine Video auf Youtube. Google sperrte das Video, auf Wunsch des Urheberrechte-Inhabers. Das finde ich lächerlich. Es ist eine Privatperson, die zu Hintergrundmusik tanzt. Wo liegt da das Problem? Hätte ich die Musik separat zum Video eingespielt, also in einer guten Qualität, würde ich es halbwegs noch verstehen.
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Antwort von Wizard vor 4 Monate
Es kommt immer auf den Künstler an. Viele akzeptieren es, wenn man sie in der Beschreibung nennt und evtl. paar Links zu paar Shops nennt, wo man die Musik legal kaufen und downloaden kann. Auch darf keine Werbung auf dem Kanal, oder zumindest dem Video geschaltet sein (Falls YouTube Partner), also kein Geld mit dem Video verdienen. Das kann oft etwas helfen, trotzdem ist es immer noch die Entscheidung des Künstlers.
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Paul Hässig vor 4 Monate
Und wie ist das mit Tutorials? Jemand zeigt z.B. wie ein urheberrechtlich geschützter Song auf dem Piano / der Gitarre gespielt werden kann?
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