Junge Katholikin muss in der Hölle brennen, weil sie masturbiert

Im nostalgischen Kurzfilm «Yes, God, Yes» entdeckt ein katholisches Teenager-Mädchen die eigene Sexualität – und wird von ihren Schuldgefühlen fast aufgefressen.

Die Neunziger – eine Zeit, die von piepsenden Modems, AOL- und MSN-Chats dominiert wurde. Wie oft sassen wir nach der Schule vor unseren riesigen Bildschirmen, um uns mit fremden Menschen in ominösen Chatrooms zu unterhalten? Wenn uns «SüsserTyp90» dann aber nach unserer Unterwäsche fragte, klickten wir das Fenster weg. Anders als die 15-jährige Alice, die im neuen Kurzfilm «Yes, God, Yes» von Karen Maine ganz ähnliche Erfahrungen macht – doch Alice ist neugierig und lässt sich auf den merkwürdigen Typen ein, der sie online anschreibt.

Nach ein paar Minuten sexting mit «HairyChest1956» landet die Hand der 15-Jährigen unter ihrem Rock. Eigentlich nichts Abgedrehtes. Einziges Problem: Alice ist streng katholisch erzogen. Die religiöse Schule, die sie besucht, spricht in merkwürdigen Ofen-vorheizen-Metaphern, wenn über das Vorspiel gesprochen wird. Man merkt: Sex gilt als verpönt – ausser er dient der Kinderzeugung. Von Selbstbefriedigung ganz zu schweigen.

Titanic-Autoszene ist eine Sünde

Die zwölf Minuten des Films, der von «Vimeo» zum Staff Pick auserwählt wurde, drehen sich also immer wieder um die Schuldgefühle der Hauptdarstellerin, die übrigens von «Stranger Things» Darstellerin Natalia Dyer gespielt wird. Aber auch um die Verbindung von Religion, Sünde und Sexualität. In ihrer Verzweiflung fragt Alice ihre strenggläubige Mitschülerin am nächsten Tag, ob Cybersex auch eine Sünde sei. Die bejaht nur und antwortet skeptisch: «Zweimal zur Autoszene in Titanic zurückzuspulen ist übrigens auch eine Sünde.»

Alice befindet sich im Zwiespalt: Entweder befriedigt sie ihre natürlichen Bedürfnisse, die sie gerade entdeckt hat und enttäuscht damit den mächtigen, unsichtbaren Mann im Himmel oder sie lebt ihr züchtiges Leben weiter. So, wie es von ihr erwartet wird. Spoiler Alert: Sie entscheidet sich für die erste Option.

Liebesgeschichte zwischen Frau und Vagina

«Das ist eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und ihrer Vagina», erklärt Regisseurin Maine in einem Statement. «Viele Mädchen erkunden zuerst die eigenen Körper, doch das sehen wir praktisch nie auf der Bildfläche. Ich will das ändern.» Die Story basiere auf ihren eigenen Erfahrungen, die sie als Teenie und Schülerin einer katholischen High School durchlebt hat.

Am Ende des Kurzfilms scheint Alice etwas klar zu werden: Es ist das Risiko wert, in der Hölle zu brennen, wenn man das Haus für sich und Jack auf dem Fernsehbildschirm hat. Word.

YES, GOD, YES from Karen Maine on Vimeo.


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22 Kommentare

Snap vor 4 Monate
Ich wurde ebenfalls streng religiös erzogen. Musste in Internate ect. Aber was soll ich sagen, JF bis zur Hochzeit konnte ich nicht einhalten 😀 Mit 21 das erste Mal gehabt und nun frage ich mich, wie ich bis jetzt den Männern widerstehen konnte?! Sex ist einfach unbeschreiblich schön und so etwas schönes kann keine Sünde sein?!
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9gagforlive vor 4 Monate
Die drei Eckpfeiler von Tillate : Kot, Sex, Emanzipation. Ich kann mir die Redaktion Bildlich vorstellen, Emanzen mit bunten Haaren und gestrickten Rucksäcken, Hipster mit rötlichen Bärten und Brillen.
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Antwort von Haha vor 4 Monate
Absolut herrlicher Kommentar, war ebenfalls mein Gedanke, Daumen hoch.
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Mark vor 4 Monate
"ein katholisches Teenager-Mädchen" ist im grammatikalischen Sinne sächlich. Ergo heisst es korrekterweise "... und wird von SEINEN Schuldgefühlen fast aufgefressen".
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