Militante Veganer inszenieren Blutbad

Am Samstag führten vegane Aktivisten eine Anti-Pelz-Aktion durch – mit Fake-Blut und Tierkostümen. Wir waren mit dabei, die Polizei auch.

Es gibt Menschen, die versuchen, auf dem zähen, demokratischen Weg für die Rechte von Tieren einzustehen. Mit Initiativen, Referenden und all dem anderen umständlichen Zeugs. Dank finanzkräftiger Lobbyarbeit ist das aber ein mühseliges Unterfangen. Deshalb setzen sich andere Menschen lieber direkter für Tiere ein und werfen mit Kunstblut, verkleiden sich als Fellträger oder stören Menschen mit Pelzjacken.

Dazu gehören beispielsweise die Autonomen TierrechtsaktivistInnen Zürich (ATAZ). Die lose Gruppe, die in den letzten beiden Monaten zwei Mal vor dem Sternen-Grill am Zürcher Bellevue eine kleine Demo startete, führte am vergangenen Samstag eine Protestaktion vor einer Filiale der Modekette PKZ durch. Mit ausgefuchsten Kostümen, Fake-Blut und ein bisschen Prügel. Wir waren mit dabei.

«Keine Nerven für parlamentarischen Weg»

Die Aktivistinnen und Aktivisten treffen wir am Zürcher Lindenhof, eine halbe Stunde vor dem geplanten Aktionsbeginn. Die ATAZ ist eine bunt gemischte Truppe: Würden nicht die Hälfte der Aktivisten in einem gehäuteten Tierkostüm stecken, würde man eher auf einen Familienausflug tippen. Oder eine Hochschulexkursion, zu der aus Gründen noch der Onkel und die kleine Schwester mitgekommen sind. Das «Autonom» im Namen mag vielleicht auf Punks hindeuten – aber Iro-Haarschnitt oder Springerstiefel sieht man hier nicht.

Marc* koordiniert die Tierrechtler bei der heutigen Aktion. «Ich habe so viele Tiere leiden gesehen und habe keine Nerven mehr für den politischen Weg», sagt er. «Und politische Organisationen gibt es bereits. Ich mag nicht warten, bis auch der letzte endlich Mitgefühl entwickelt hat.» Deshalb setzt die ATAZ auf direkte Aktionen.

«Blutige Performance»

Heute ist eine «blutige und spektakuläre Performance» geplant, wie uns die Aktivisten im Vorfeld mitgeteilt haben. Sie rechnen damit, dass die Polizei aufkreuzen könnte und bereiten sich dementsprechend vor: Kommandoworte werden abgesprochen, die genaue Platzierung von Transparent und Schauspielern geplant und Zweiergrüppli gebildet, um nach der Aktion getrennt wieder zum Treffpunkt laufen zu können. Alles in allem soll die Aktion nur sieben Minuten dauern.

«Das sind Idioten»

Nach einem kurzen Spaziergang, auf dem die Crew ziemlich schräg gemustert wird, legen die Aktivistinnen und Aktivisten am Zielort blitzschnell los. Innert fünf Sekunden ist das Demo-Banner aufgespannt, die «Opfer» werden verdroschen und mittelmässig überzeugende Tierschreie klingen durch die Bahnhofstrasse. Um die Performance bildet sich ein Kreis, diverse Passanten zücken die Handys, eine Pelzträgerin winkt nur desinteressiert ab, als wir sie nach einem Statement fragen: «Das sind doch Idioten».

Während ein Teil der Crew Flyer für die Anti-Pelz-Demo am 21. Oktober verteilt, erhalten die Tierrechtler aber auch viele positive Reaktionen. Schliesslich spaltete der angeblich wieder aufkommende Pelztrend bereits letzten Winter die Gemüter. Zurecht, finden wir.

Den Security verjagen

Die Sicherheitsangestellten der Filiale reagieren aber fast so schnell wie die Aktivisten. Nach nicht mal einer Minute ist bereits das Telefon gezückt und als die Performance nach rund sechs Minuten wieder vorüber ist, verfolgt ein Sicherheitsmann die politische Theatertruppe. Und man merkt: Sie ist ziemlich gut mit den Mitteln der direkten Aktion vertraut. Die Grüppli splitten sich auf und als wir bemerken, dass wir von dem Security verfolgt werden, versuchen zwei Aktivisten ihn zu verjagen. Indem sie mit Gummiknüppeln und blutverschmierten Shirts auf ihn losrennen.

Das wirkt zwar bedrohlich, funktioniert aber nur bedingt: Fünf Minuten später ist die Polizei mit drei Wägen vor Ort, nimmt die Personalien der Aktivisten auf und spricht eine 24-stündige Wegweisung für den Kreis 1 aus. Weitere Konsequenzen bleiben wohl aus.

Gelungene Aktion

«Die Aktion war sehr erfolgreich», sagt Marc. «Wir konnten zeigen, wie die Tiere auf eine Häutung reagieren und diverse Menschen haben uns positive Reaktionen gezeigt.» Dass die Polizei aufgetaucht ist, sei nicht weiter schlimm. «Wir haben es leider nicht geschafft, den Security wegzuscheuchen, trotz der kleinen Verfolgungsjagd. Klar: Wir hätten ihn nie angegriffen, das war eine reine Show. Und für uns war abgesprochen, dass sobald die Polizei auftaucht, wir friedlich kooperieren werden.»

Bald steht der Winter vor der Tür und dementsprechend werden sich die Menschen wieder überlegen, ob sie sich eine Pelzjacke zutun möchten. In Zürich hatten die Aktivisten ein paar Dutzend Zuschauer. Das ist nicht viel, aber für Marc ist das bereits ein Erfolg: «Wenn auch nur ein Passant mal Pelzproduktion googelt oder beim Shoppen an diese Performance denkt, haben wir unser Ziel erreicht. Schlussendlich machen wir das ja aus Mitleid – und für jedes Tier, das weniger leiden muss, freuen wir uns natürlich enorm!»

* Name der Redaktion bekannt


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135 Kommentare

Kirsten vor 29 Tagen
..tolle Aktion! ...Bewusstsein schaffen ...Mitgefühl wecken ...Impulse setzen ..immer und immer wieder. Die Samen sind gelegt.
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SaoiAebi vor 1 Monat
Gucci hat's vorgemacht - und die Schweiz soll nachziehen: Wir wollen ein nationales Pelz-Importverbot. Jetzt unterschreiben! www.thepetitionsite.com/de/takeaction/338/933/297/ #NoFurX
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Ekeltoni I., aka Nippler, Dr. Sigi, Baniff, Jafga, Binätsch, Analius, Analfeti, Intellektüs, Scrötu vor 1 Monat
Militanter veganismus=💩, 😲*&😡$#😠!@!😤!✊!!
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Antwort von Marcel vor 1 Monat
Ein rhetorisches Talent mit einem mangel an Mitgefühl. Na, ja, man kann nicht überall die hellste Lampe im Laden sein.
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