Ist Knutschen Nervenkitzel oder Zeit­verschwendung?

Zungenküsse sind wohl das beliebteste Vorspiel der Welt. Unsere Redaktion ist jedoch gespalten: Ist Schmusen nun eine Brutstätte für Schmetterlinge im Bauch oder einfach nur ein unnötiger Lückenfüller?

Valentinstag – yay! Der perfekte Tag, um mit der Lieblingsperson (sollte man eine haben, vorausgestzt) die Beziehung in all ihren kitschigen Facetten ausufernd zu feiern. Mit einem romantischen Dinner zum Beispiel. Inklusive Rosenblüten, Kerzenschein, Pasta aus einer gemeinsamen Schüssel. Und insgeheim darauf zu hoffen, dass es zu einem dieser bekannten Disney-Momente kommt, die einem für immer in verklärter Erinnerung bleiben werden. Wie in diesem Film mit den zwei Hunden, die sich in einem dreckigen Hinterhof am Ende der Nudel treffen und dann rummachen…

Halt, stopp! Romantik und Kitsch sind nicht jedermanns und –fraus Sache. Schon klar. Aber gegen ein bisschen Schmusen und Knutschen hat doch niemand etwas einzuwenden, richtig? In unserer Redaktion entbrannte kürzlich deswegen eine der emotionalsten Diskussionen seit es Liebe gibt.

Contra: «Was soll die Scheisse?»

Okay, also Folgendes: Warum stehen eigentlich alle so aufs nasse Küssen? Also bitte nicht falsch verstehen. Ich habe absolut nichts gegen ein süsses Bussi hier und da oder wenns beim Liebesspiel heiss her geht auch gern ein bisschen mehr. Oder auch besoffen in einer Bar mit Wildfremden rumknutschen – einfach nur, weils witzig ist – finde ich völlig legitim.

Was sich meinem geistigen und emotionalen Status quo jedoch nicht erschliessen möchte, ist die Tatsache, dass es anscheinend als gesellschaftlich nicht nur weitestgehend akzeptierte, sondern gar ungemein beliebte und verbreitete Beschäftigung meist frischverliebter Pärchen gilt, sich offensichtlich grundlos bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegenseitig die Zungen in den Hals zu schieben.

Aber das feuchte Rumgeküsse geht ja ganz offensichtlich auch hinter verschlossenen Türen – im ganz privaten Rahmen – von statten! Und zwar nicht etwa als Teil des Vorspiels oder weil die Partizipanten dreizehn Jahre alt sind und schlabbernde Zungenküsse als unschuldige Vorstufe zu ersten prä-sexuellen Erfahrungen bei Teenagern eben nunmal dazugehören.

Nicht nur aus Diskussionen im Freundeskreis – nein! – selbst auch aus erster Hand (beziehungsweise erstem Mund) weiss ich, dass es allem Anschein nach gang und gäbe zu sein scheint, das gemeinsam geschaute Fernsehprogramm zu unterbrechen, um sich gegenseitig aus heiterem Himmel die nassen Geschmackslappen in den Mund zu legen, um sich Minuten später wieder dem «Tatort» zu widmen. Pardon my French – was soll die Scheisse? Ich will in Ruhe fernsehen. Oder ficken, von mir aus.

Aber: Zungenküsse als Lückenfüller, Zeitvertreib oder gar Zeichen der Zuneigung finde ich ausserhalb des Bettes (oder eines überfüllten Clubs) nicht in Ordnung. Wirklich nicht. Ich habe es versucht, vergeblich. Und ich wünschte, ich könnte die Toleranz dazu aufbringen, Andersdenkende in dieser Beziehung nicht innerlich zu verurteilen und als «ein bisschen ekelhaft» abzustempeln. Sorry dafür. Ich hab euch trotzdem lieb, ihr Ekelhaften.

Von Benjamin Quirico

Pro: «Jede grosse Liebe fängt mit Knutschen an»

Selbst wenn ich zu dem Zeitpunkt schon hackedicht war, kann ich mich an jeden ersten Kuss, den ich je hatte, erinnern. Der Nervenkitzel kurz bevor du zum ersten Mal die Lippen deines momentanen Crushes berührst – Stichwort Trommelwirbel – gehört zu den Gefühlen, an die ich wohl noch ganz nostalgisch zurückdenken werde, wenn ich alt und verbittert im Schaukelstuhl sitze und am wässrigen Gin-Tonic aus der Altersheim-Kantine nippe. Auch wenn ich nun Gefahr laufe, wie ein pubertärer «Neon»-Freelancer zu wirken: Knutschen steht auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen ganz weit oben. Ausserdem ist es gesund – nur so nebenbei.

Aber okay, gegen den ersten, spannungsgeladenen Kuss scheint ja auch mein zynischer Kollege Benny (siehe oben) nichts zu haben. Für mich verblasst die Magie des romantischen Schmusens aber auch nach Jahren in einer Beziehung nicht. Nenn es ruhig orale Fixierung – aber selbst wenn ich mit einer Partnerin bereits jeden noch so versauten Kink im Bett auslebe, bleibt das unschuldige Knutschen eine Brutstätte für Schmetterlinge im Bauch. Dafür löse ich meine Augen nur zu gerne für ein paar Sekunden von der aktuellen Netflix-Serie. Wenn dir das «Dschungelcamp» tatsächlich wichtiger ist, küsst dein/-e Liebste/-r vielleicht einfach beschissen.

Klar, nach dem allgemein anerkannten Dating-Handbuch sollte das gute alte Habla-Habla vor allem als Vorstufe zum Geschlechtsverkehr dienen. Find ich überhaupt nicht – im Gegenteil: Manchmal ist ein liebevoller Kuss mehr wert als das auf reine Befriedigung ausgerichtete Rein-Raus-Spiel. Ausserdem kann man sich an der Tramhaltestelle oder im Restaurant nunmal schlecht die Kleider vom Leib reissen und losbouncen. Knutschen – und ich meine jetzt nicht das minutenlange Rumschlecken, das in Zuschauern Brechreiz auslöst, sondern den kurzen, zärtlichen Schmatzer in Kombination mit vielsagenden Blicken – ist in der Öffentlichkeit ein mehr als nur zufriedenstellendes Sex-Substitut.

Versteh mich nicht falsch. Mir bedeutet nicht jedes Mal Schmusen sofort die Welt. Manchmal ist so ein Kuss tatsächlich nur ein Lippenbekenntnis. Und trotzdem fängt jede grosse Liebe genau damit an. Es mag leicht überzuckert klingen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, könnte ich wohl eher mein Leben lang auf Sex als auf Knutschen verzichten.

Von Neil Werndli

Was meinst du zum Thema Knutschen? Bist du genauso abgebrüht wie unser Benny oder ein romantischer Zungenkuss-Fan wie Neil? Diskutier in der Kommentarspalte mit.


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38 Kommentare

Sepp 74 vor 1 Tag
Ich bin 74 Jahre,aber am schönsten ist es immernoch,wenn ich meine Frau lecken kann bis es uns beiden kommt.Wenn eine Frau so sauber ist,ist das am schönsten für Sie.
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Christine vor 2 Tagen
Ich bin auch eher der zärtlicherer Typ Frau. Wenn man als Paar oder nicht küsse und andere Zärtlichkeiten austauscht, drückt man dem Partner noch deutlicher aus, wie es Worte können, wie sehr man einander liebt. Es darf in meinen Augen einfach nicht vom Partner erzwungen werden, wenn man seine Nähe sehnt.
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Burnout73 vor 2 Tagen
Schonwieder der "werndli" Gestern noch wars der peinliche artikel über die fasnacht und jetzt das...
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Chris vor 2 Tagen
Wir ü40 sind im Arsch....die gleiche Generation wie die die diese Artikel schreiben, werden uns irgendwann mal Pflegen......Shit. Hab Ihr eigentlich vergessen um was es im Leben geht????? Nur schon die vulgäre Ausdrucksweise zeigt, dass der eine da oben keine Ahnung hat wie man eine Frau befriedigt..öhhh Ficken jajaja....ich lach mich kaputt!!!!!
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