«Die Schmerzen beginnen mit den Gedanken an Sex»

Sonja leidet beim Sex unter starken Schmerzen. Dass sich das Vaginismus nennt, wissen die wenigsten Menschen. Sie erzählt uns von ihrer Krankheit, die Intimität fast unmöglich macht.

Seit 13 Jahren kämpft Sonja mit schmerzhaften Symptomen. Erst seit kurzem weiss sie, dass es dafür einen Begriff gibt: Sie leidet an Vaginismus. Eine unwillkürliche Verkrampfung der Vagina und des gesamten Beckenbodens, die vor allem beim Sex auftritt und deren Ursache bislang wenig erforscht ist. Bei Vaginismus ist nur das Einführen eines Tampons oft nicht ohne Probleme möglich. Sex ist wegen der Krämpfe meist unerträglich. Im Interview erklärt die Hamburgerin, wie sie mit der Krankheit umgeht und inwiefern ihre Beziehung davon betroffen ist.

Sonja, erzähl mir von deiner Krankheit.
Ausgelöst wurde das bei mir durch ein Kindheitstrauma: Ich wurde sexuell missbraucht, wahrscheinlich innerhalb der Familie. Bis ich 16 war, wusste ich nichts davon und auch jetzt habe ich eine Erinnerungslücke von über 10 Jahren meiner Kindheit. Leider bekommt jeder Schutzmechanismus, den sich das Gehirn überlegt, um Traumata zu überleben, irgendwann Risse. So fingen die Symptome an.

Wie lebst du deine Sexualität aus?
Gar nicht – ein Zustand, der mich wahnsinnig macht und gleichzeitig so gleichgültig lässt. Meine Sexualität ist von Grund auf gestört. Durch die Schmerzen und Ängste hat sich mein Lustempfinden in Luft aufgelöst. Und wenn ich es dann trotzdem probieren möchte, ist es dabei egal ob ich mit meinem Partner intim werde oder mich selbst befriedigen möchte. Es geht einfach nicht ohne, dass ich verkrampfe, Angst bekomme und sich die Schmerzen ausbreiten.

Wie beeinflusst das deine Beziehung?
Meine Beziehung wird sehr belastet – Sex ist für uns beide ein sehr wichtiges Thema. Sich hingeben, dem anderen vertrauen, Nähe und Liebe tanken. Leider ist es schon sehr lange nicht mehr so. Mein Partner steht zu mir, er unterstützt mich und hilft mir immer wieder das Thema neu anzugehen. Wir probieren neue Sachen aus, testen verschiedene Entspannungsmöglichkeiten und versuchen einfach irgendwie, einen positiven Schritt gegen diese Symptome zu gehen.

Manchmal klappt es sogar und ich kann es richtig geniessen. Bei 98 % der Versuche scheitert es dennoch wieder an den Symptomen. Mittlerweile hat sich bei mir ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber entwickelt. Ich kann ihm nicht mehr die Dinge geben, die er liebt und braucht. Ihm fehlen die Nähe und das Gefühl begehrt zu werden, was ich vollkommen verstehe.

Du bist vor kurzem Mutter geworden. Was hat sich dadurch verändert?
Seit fast 8 Monaten haben wir nun ein Baby. Entstanden ist es bei einem der Male, bei denen es mit der Entspannung geklappt hat. Leider hat mich die Geburt wieder ins Trauma gerissen. Das Austreten des Kopfes hat in mir ein so übergriffiges Gefühl ausgelöst, dass sich direkt die emotionale Verknüpfung zu dem aufgebaut hat, was mir damals angetan wurde. Seitdem sind die Symptome wieder sehr stark. Ich kann meinen Partner noch nicht mal normal küssen, ohne das sich mir die Luft abschnürt. Ich habe richtig Angst vor den kleinsten Berührungen.

Hast du immer Schmerzen? Wann treten sie bei dir auf?
Die Schmerzen beginnen mit den Gedanken an Intimität und Sex. Und da ich mittlerweile so sensibel bin was das betrifft, habe ich die Gedanken an Sex schon bei den kleinsten Berührungen. Nicht etwa positive Vorfreude; es sind negative Gedanken, die mir Druck und Angst machen, weil ich bei jeder Berührung denke, dass jetzt von mir Sex verlangt wird.

Wie kann man Vaginismus behandeln?
Es geht hauptsächlich darum, dass man lernt sich zu entspannen. Es gibt verschiedene Methoden die Scheide zu «dehnen» und sich somit an das Gefühl, den Schmerz, zu gewöhnen. Beckenbodenübungen können auch schon helfen. Eine Pille dagegen gibt es nicht. Man muss Geduld haben und der ganzen Sache viel Zeit und Verständnis entgegenbringen.

Am besten ist es wohl, wenn man verschiedene Methoden testet und schaut, mit welcher es weniger schlimm ist. Da sich bei mir ein etwas grösseres Paket hinter den Symptomen verbirgt, fange ich demnächst eine weitere Therapie an. Ich erhoffe mir dadurch meine Sexualität wiederzufinden und die Symptome vielleicht durch Verarbeitung und Verständnis zu lindern.


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71 Kommentare

ImJustGivingYouAdvice vor 8 Monate
Gegen Vaginismus gibt es eine Behandlungsmethode. Botox. Botox verhindert das ungewollte Verkrampfung der Vaginal und Beckenbodenmuskulatur. Es ist einfach, es ist sicher und es gibt sofortige Ergebnisse. Das macht Dr. med. Clarence Davis. Ihr könnt euch bei Ihm erkundigen. Es hilf wirklich!
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Antwort von MrsMarple vor 8 Monate
Es sollten nicht die Symptome betäubt, sondern die Ursachen behandelt werden.
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Tim vor 8 Monate
Ich liebe auch eine solche Frau. Wir daten uns schon seit 2,5 Jahren mit Unterbrüchen. Sobald es ernst wird, wird es ihr zuviel und sie zieht sicv zurück. Sex hatten wir noch keinen und auch Zungenküsse kamen fast noch nie vor. Ich liebe sie wirklich sehr und habe ihr dies auch gesagt. Ich habe viel Geduld aber ich kann mit ihren Rückweisungen immer schlechter umgehen...Sie sagt, dass sie mich sehr mag und es keine anderen Typen in Ihrem Leben gäbe...Das letzte mal als wir uns gesehen haben, hat sie mir nach 2 Jahren Ihre Eltern vorgestellt. Danach wollte Sie sich nicht mehr treffen weil sie Angst vor Nähe hat. Es ist hart, da ich sie liebe. Ich sollte ev. einen Schlusstrich ziehen, meiner Gesundheit zuliebe.
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Antwort von Dom vor 8 Monate
Deine Sorgen und Gefühle kann ich sehr gut verstehen. Die fehlende (körperliche) Zuneigung ist eben auch ein Pfeiler einer Beziehung. Sicherlich gibt es Ausnahmen. Asexuelle Beziehungen sind jetzt auch nichts Absurdes (mehr), kommen für mich aber irgendwie nicht Frage. Auch wenn das Opfer primär zu leiden hat, sind in einer Liebesbeziehung eben zwei von den Symptomen betroffen. Und hier muss jeder für sich entscheiden, was er daraus macht. Ich glaube kein vernünftig denkender Mensch würde jemanden verurteilen, wenn ihm das zu viel ist und man seinen Partner verlässt. So sehr man ihn auch liebt. Aber das ist auch leichter gesagt, der stetige Begleiter "Hoffnung" sitzt wie ein scharfes Messer im Nacken. Denn was bei einem die normalen Gefühle und Gedanken sind, lösen bei dem anderen Druck aus. Und dieser ist eben nicht förderlich. Achte auf dich und schau, wie weit und wie lange du gehen kannst. Und redet miteinander. Reden hilft, zumindest temporär, sehr. Ich wünsche euch alles Gute.
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