Toi-Tois verraten deinen Drogenkonsum

Europäische Forscher stellen in der Nähe von Clubs portable Toiletten auf, um herauszufinden, wo genau welche Drogen konsumiert werden.

Wir wissen ganz genau, dass du bei einer Drogen-Umfrage schon mal geschummelt hast. Das Ausmass der Unwahrheit verhält sich proportional zur Illegalität der Droge. Hey, wir verurteilen dich nicht. Für Forscher stellt das aber ein kleines Problem dar. Wie sollen sie zu zuverlässigen Daten kommen?

Eine Veröffentlichung der europäischen Beobachtungsstelle «European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction» (EMCDDA) verrät jetzt, wie die Forscher das lösen wollen. Sie holen die Infos von dir, ohne dass du es merkst. Und zwar beim Pinkeln.

Am Abort des Geschehens

Das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag erforscht seit Jahren die Drogenrückstände im Abwasser. Doch die Wissenschaftler des EMCDDA interessiert es nicht, was deine 79-jährige Nachbarin der Kläranlage hinterlässt. Sie wollen dort nach Drogen suchen, wo sie mehrheitlich konsumiert werden — im Ausgang.

Deshalb stellen sie in diversen europäischen Grossstädten portable Toilettenkabinen wie Toi-Tois in die Nähe von Clubs und warten darauf, dass du dich dort erleichtern musst. «Der Vorteil bei dieser Methode besteht darin, dass der Urin nur wenig verdünnt wird», erklärt Christoph Ort, Kulturingenieur der Eawag 20 Minuten Tilllate. «Die Chance, etwas zu detektieren, ist so viel grösser.»

Neue Drogen, einfacher entdeckt

Bevor du dich jetzt aufbäumen und «Verletzung der Persönlichkeitsrechte!» schreien willst: Die Kabinen haben keine Kameras. Nicht deine Identität, sondern dein Urin ist gefragt. «Diese Untersuchung ist viel weniger invasiv wie eine Befragung und genauso anonym wie Abwasseranalysen», findet auch Ort.

Wenn sich die Untersuchung jedoch lokal konzentriert, erleichtert das die Entdeckung von vor allem neuen Inhaltsstoffen. «Es tauchen zu viele neue Substanzen im Markt auf. Allein im Jahr 2014 fanden wir 100 neue Drogen», erzählt Liesbeth Vandam, Toxikologin des EMCDDA dem Online-Magazin «Motherboard». «Die sind aber sehr selten und haben deshalb nur wenige Konsumenten, was es schwierig macht, sie im Abwasser zu finden.»

Spion-Klos europaweit

Wer nimmt wo und wann welche Drogen? Die Forscher wollen darauf Antworten. Und das so präzise wie möglich. Mit den Toi-Toi-Proben kommt zwar eine hilfreiche und gründliche Massnahme dazu, die Befragungen (die du das nächste Mal vielleicht etwas ehrlicher beantwortest) werden damit aber nicht ersetzt.

«Die verschiedenen Untersuchungen sollten Hand in Hand gehen», meint Ort. «Mit Abwasser-, Urinal-Analysen und Befragungen erhält man ein kompletteres Bild.»

In der Schweiz werden die Spion-Klos zwar nicht eingesetzt. Aber vielleicht verschlägt es dich für ein Party-Wochenende in eine europäische Stadt? Für die Wissenschaft, natürlich!


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33 Kommentare

Insider vor 2 Jahre
da die Drogen im ToiRoi sehr konzentriert anfallen, können sie gleich wieder extrahiert und dem Markt zugeführt werden. Somit ist die Studie nicht nur günstig sondern wirft auch einen beachtlichen Gewinn ab. 😉
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robert r. vor 2 Jahre
Geniale Idee, tut niemandem weh, ist anonym und verlässlich. Völlig unverständlich, wie man da dagegen sein kann.
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Daniel vor 2 Jahre
Ja das ist bestimmt nicht gut. Aber es hat sich auch gezeigt das man mit strafen das Problem nicht in den Griff bekommt. Und übertriebener Alc. Konsum Ist bestimmt genau so schlecht. Aber das liegt am Menschen selber, wie er damit umgeht. Die Menge des Konsums macht es aus
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urinator vor 2 Jahre
Danke für den Tip, ich werde ab sofort nur noch an Hauswände urinieren...
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