«Ich habe ihren Tod akzeptiert und lebe weiter»

Vor fünf Jahren verlor Alex seine Freundin wegen eines Unfalls. 20 Minuten Tilllate erzählt er, wie ihn das Ereignis verändert hat.

«Als ich im Spital ankam, war sie schon tot», beginnt Alex*. Der heute 25-jährige Zürcher war nur wenige Minuten zuvor noch bei Freunden, als er das Telefonat erhielt. Ein Autounfall. Es gehe um seine Freundin. Er solle kommen.

«Ich war völlig perplex, hab im ersten Moment nicht verstanden, dass Sarah* wirklich nicht mehr da ist», erzählt er. Auch das gedimmte Licht des Café verbirgt nicht, wie sehr Alex noch immer leidet, wenn er von damals spricht. Als vor fünf Jahren seine Freundin verstarb. «Sie war meine erste Freundin. Wir haben jeden Tag miteinander verbracht.» Anstatt aber in seiner Trauer zu versinken und ihren Tod nicht wahrhaben zu wollen, akzeptierte er ihn und vor allem sein Schicksal.

«Ich konnte mich immer an meine Freunde wenden»

Unterstützung fand Alex in seinem Umfeld. «Meine Freunde waren für mich da, haben mich aber nie gedrängt, über ihren Tod zu sprechen», offenbart er. Sitzungen beim Psychiater besuchte er nur wenige: «Einer fremden Person wollte ich mich nicht öffnen. Freunde und Familie haben mich besser verstanden.» Sie hätten ihr Leben weitergelebt wie bisher, hatten aber immer ein offenes Ohr für seine Anliegen. Sein Umfeld hat ihm den Alltag wieder nähergebracht, ihn wieder ins richtige Leben zurückgeholt.

Immer wieder blickt Alex ins Leere. Unser Gespräch ist gezeichnet von langen Pausen, in denen er um Fassung zu ringen scheint. Er räuspert sich. «Ich wollte nicht bemitleidet werden, habe mich deswegen zurückgehalten und das Thema häufig gemieden.» Die Folge: Er fühlte sich jahrelang einsam. «Ich war oft unterwegs, unter Menschen, fühlte mich innerlich aber allein.»

Weglaufen bringt nichts

Heute zieht Alex seine Schlüsse aus seinem damaligen Verhalten: «Das Schlimmste ist, alles in sich hineinzufressen. Man kann nicht davor davonlaufen». Vor fünf Jahren war er stark, für die Familie seiner Freundin – und steckte dafür die eigene Trauer zurück. Letztes Jahr brach er schliesslich ein. Wöchentliche Alkoholabstürze, impulsives Verhalten.

Seine Handlungen standen im Widerspruch zu seinen Ansichten. Während er allergisch auf Menschen reagierte, die ihr Leben nicht schätzten, ging er mit seinem eigenen leichtsinnig um. «Ich hatte keine gesunde Angst mehr, keine Hemmungen. Ich habe mit meinem Leben gespielt, es bis aufs Äusserste ausgereizt», erzählt Alex.

Eine dreimonatige Auszeit, eine Reise ins Ausland weit weg von den Problemen, hat ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Diese wilden Zeiten seien jetzt vorbei. «Ich bin froh, dass es nicht weiter ausgeartet ist.» Er lebe bewusster, liebe seit seinem exzessiven Lebensabschnitt intensiver: Alex hat seit einigen Monaten wieder eine feste Freundin.

«Schade, hat es mit Sarah nicht geklappt»

Er brauchte vier Jahre Zeit, sich wieder auf jemanden einlassen zu können. «Anfangs hielt ich mich aus Respekt vor Sarah zurück. Der Gedanke, jemanden zu finden, der in ihre Fussstapfen treten könnte, war schwer», erzählt Alex, während er angespannt mit dem Etikett seines Colas spielt. «Ich habe mich instinktiv dagegen gesträubt, mich zu verlieben. So konnte ich auch niemanden verlieren.»

Mit seiner jetzigen Freundin sei die Situation aber eine andere, ihre gemeinsame Geschichte neu und spannend. «Ich habe realisiert und akzeptiert, dass Sarah nicht mehr meine Freundin ist. Und trotzdem wird sie immer ein Teil von mir sein.»

*Namen von der Redaktion geändert


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140 Kommentare

Peter vor 2 Jahre
Nunja, der Tod gehört nun mal zum Leben und man muss sich deshalb mit ihm arrangieren, dafür gibt es keine andere Lösung.
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Werner vor 2 Jahre
Lieber Alex, viel kraft wünsche ich dir, ich habe vor 6 Jahren das selbe erlebt 😞
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Nicole vor 2 Jahre
Dss Leben muss irgdndwie weiter gegen. Vor 22 Jshren starb mein erster Mann ganz unerwartet jnd ja trotz wieder Heiraten und Kinder schnerzt es immer man lernt einfach damit zu leben. Dir wünschd ich viel Kraft weitefhin bewahre in deinem Herzen ihre Erinnerung aber schaue vorwärts das Leben hat sivher noch einige Erfahrungen für Dich bereit.
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Gala vor 2 Jahre
Ich verstehe nur nicht dass du 5 jahren für deine äusserung gebraucht hast......entweder du sprichst das thema sofort an oder du schweigst für immer.....
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