«Ich präpariere jedes Jahr etwa 15 Katzen»

Von Büsis über Vögel bis zu Affen – so gut wie jedem Lebewesen kann nach seinem Tod neues Leben eingehaucht werden. Wir haben einen Tierpräparator bei der Arbeit besucht.

Könntest du ein totes Tier bei dir zuhause lagern? Könntest du ihm die Haut abnehmen, es ausweiden und das Fell danach über einen künstlichen Körper ziehen? Wir auch nicht.

Bei Franz Grabner gehört das alles zum Alltag. In seinem Atelier im St. Galler Rheintal zieht er Tieren wortwörtlich das Fell über die Ohren. Wir haben ihn bei der Arbeit besucht.

«Viele denken, es stinke hier»

Als wir vor Grabners Werkstatt in Diepoldsau stehen, wissen wir nicht, was uns erwartet. Auf dem Weg hatten wir uns bereits Gruselgeschichten ausgemalt: Wie blutig würde die Werkstatt sein? Werden wir Innereien sehen? Liegen tote Tiere rum? Nichts davon bestätigt sich. Im Gegenteil: Grabners Atelier ist fast schon klinisch sauber. «Viele denken, es stinke hier», sagt er zur Begrüssung. «Das ist aber Quatsch.» Er achte auch darauf, dass nach getaner Arbeit kein Blut übrig bleibt. «Die Leute stellen sich meine Werkstatt meist gruusiger vor, als sie eigentlich ist.»

Hier präpariert er gegen 300 Tiere jedes Jahr – von kleinen Vögeln über Füchse bis zu Steinböcken. Viele stammen von Jägern, andere verenden in Unfällen: Die Autobahn etwa ist eine wahre Fundgrube für Grabners Kunden. Sie schicken ihm die toten Tiere dann zu, er holt die Bewilligung ein und dann geht es ans Präparieren.

Fälschlicherweise wird das Handwerk häufig als Ausstopfen bezeichnet. Das sei nicht mehr korrekt, betont der Profi. Heutzutage werden die Felle nämlich nicht mehr ausgestopft, sondern über Kunststoff-Körper gezogen, die er von Hand baut und auf jedes Tier abstimmt.

«Ein präpariertes Tier ist kein Ersatz»

So leid es mir tut, das zu sagen: Dein Büsi wird eines Tages sterben. Grabner erhält regelmässig Aufträge von Leuten, die ihre toten Haustiere präparieren lassen möchten. «Das bespreche ich mit den Kunden dann aber immer sehr genau», sagt er. «Auch um abzuklären, ob sie das wirklich wollen. Es muss nämlich jedem bewusst sein: Ein präpariertes Haustier ist kein Ersatz für das Lebewesen.» Solche Aufträge seien häufiger geworden: «Vor 20 Jahren war es vielleicht einmal pro Jahr. Mittlerweile präpariere ich jährlich etwa 15 Katzen.»

Selbst besitzt er auch Haustiere. Vor der Werkstatt schleicht ein Büsi rum, im Haus bellt ein Hund. «Meine eigenen Tiere kann ich aber nicht präparieren», sagt er und wirkt leicht bedrückt. «Als mein Hund starb, merkte ich relativ schnell: Das kriege ich nicht hin.»

Bei Aufträgen hingegen sehe er die Lebewesen eher als Arbeitsmaterial. Es handelt sich wohl um eine Art Selbstschutz: «Ich blende aus, dass sie gelebt haben. Es ist Gewohnheit – man baut eine gewisse Distanz auf.» Dazu gehört aber wahrscheinlich eine gewisse Routine: Uns läuft es kalt den Rücken runter, als wir die Kühltruhe voller toter Katzen, Hunde und sogar einem Wildschwein sehen – für Grabner ist es das Normalste der Welt.

«Beim Affen kam ich an meine Grenzen»

Manchmal landen auch exotische Arten in Grabners Händen. Vor Jahren lag hier im Atelier etwa ein toter Löwe, den er aus Privathaltung erhalten hat. Der bisher härteste Auftrag sei jedoch ein Affe gewesen: «Da kam ich an meine Grenzen. Mit den Fingern und allem fühlte sich das schon sehr menschlich an», erzählt er. «Da machen mir unsere einheimischen Vögel viel mehr Freude.»

Ethische Bedenken kennt der Präparator kaum – schliesslich sei es schön, wenn verunfallte Tiere nach dem Tod noch verwendet statt einfach weggeworfen werden. Eine moralische Grenze zieht Grabner jedoch bei der Darstellung: «Grausame Dinge, die gegen das Tier gehen, mache ich grundsätzlich nicht», sagt er. «Ich würde zum Beispiel nie einen Hund darstellen, der angekettet ist und leidet. Theoretisch könnte man das so präparieren aber da weigere ich mich. Das Tier soll so aussehen, wie es in der Natur gelebt hat.»

Kann man einen Menschen präparieren?

Als wir zwischen Schädeln, Häuten und künstlichen Augen stehen, drängt sich uns eine Frage auf: Könnte man sich selbst nach dem Tod präparieren lassen? Grabner muss lachen und ist sich nicht sicher, ob ein derartiges Unterfangen überhaupt legal wäre. Aber: «Theoretisch wäre es wohl möglich. Ich möchte es aber definitiv nicht ausprobieren.»

Video von Valentina Sproge.


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10 Kommentare

True Story vor 24 Tagen
Schwache leistung alpi
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Taxidermy.girl vor 24 Tagen
Ich komme aus dem Feld und theoretisch möglich einen Mensch im herkömmlichen Sinn auszustopfen jedoch würde sich beim Gerbprozess die Haut hässlich verfärben einfacher geht es durch Plastifikation oder Einlegen
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MartinZ vor 24 Tagen
super Artikel! Bitte mehr solche Reportagen von 'speziellen' Jobs 😃
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P. Meier vor 24 Tagen
Erhaltung durch Plastination ist eine Möglichkeit einen Menschen "auszustopfen". Wurde von Gunter von Hagens in der Ausstellung "Körperwelten" erfolgreich gezeigt. Die klassische Präparation des Menschen ist durch den Hautaufbau nicht so einfach. Bei Tieren lässt sich die Haut relativ leicht vom Körper lösen.
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