Dieser 14-Jährige soll bis zu seinem Tod in den Knast

Eine US-Doku porträtiert drei mutmassliche Mörder, die zwischen 14 und 17 Jahre alt sind. Wahrscheinlich werden sie bis zu ihrem Tod weggesperrt – in der Schweiz würden sie maximal vier Jahre einsitzen.

Wenn du in der Schweiz jünger als 18 bist und jemanden umlegst, drohen dir maximal vier Jahre Freiheitsentzug. Die Idee dahinter: Die Persönlichkeitsentwicklung ist noch nicht abgeschlossen, Jugendliche haben eine zweite Chance verdient.

In den USA hingegen ist man nicht so überzeugt davon, dass die Pubertät Menschen massiv verändern kann – auch wenn Miley Cyrus’ Transformation vom Disneymädchen zur dauertwerkenden Kiffergöre das Land einiges gelehrt haben sollte. Noch heute werden in einer Mehrheit der Staaten Jugendliche (teilweise sogar ab elf Jahren) wie Erwachsene verurteilt und können schon Mal über 100 Jahre Knast erhalten – normaler Knast, kein Jugendknast, versteht sich.

Dok verfolgt Teenie-Straftäter

«They Call Us Monsters» ist ein Dokfilm, der tief in die Welt dieser «missverstandenen Jugendlichen» oder der «Miniatur-Charles-Mansons» (so der US-Republikaner Joel Anderson) eintaucht. Der Streifen begleitet drei Jugendliche, die in der «Sylmar Juvenile Hall» auf ihre Gerichtsverhandlung warten – jenem kalifornischen Jugendknast, der kürzlich wegen vier Bewährungshelfern, die einen Insassen verdroschen haben, in die Medien kam. Klingt schon Mal gemütlich.

Die drei Jungs aus dem Film – Jarad, Juan und Antonio – sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und warten auf ihre Gerichtsverhandlungen, teilweise bereits seit Jahren. Für (versuchten) Mord droht ihnen Knast bis ins nächste Jahrhundert.

«Das ist unser magischer Wasserhahn»

Als das Filmteam zum ersten Mal den Knast besucht, fühlen sich die Teens wie bei «MTV Cribs» und freuen sich hart, jemandem ihr Zuhause präsentieren zu können. «Das hier ist unser magischer Wasserhahn», witzelt Jarad, während er uns durch die Kantine führt. «Du musst nur an irgendein Getränk denken – Champagner, Bier, Cola – und er spuckt genau das aus, was du willst.»

Man kann nicht anders als zu denken: Fuck, das sind doch nur Kids. Und nicht nur das: Es sind supersympathische Kids, die jeden einzelnen des Filmteams mit Handschlag begrüssen und bei der wöchentlichen Frischluftstunde im Pool planschen, als ob sie gerade ihre ersten grossen Sommerferien erleben.

Aber das sind eben auch Kids, die mit acht ihre Eltern beim Suizidversuch beobachtet haben, mit 13 von ihrem Vorbild in eine Gang gedrängt wurden und deren Einzimmer-Familienwohnung von einem Drive-By durchlöchert wurde. Danach dealten sie mit Drogen, überfielen Kiosks – oder legten jemanden um.

«Dead Poets Society» ohne Feelgood-Geschichten

Die grosse Frage lautet: Was tut man mit solchen Jugendlichen? Wegsperren oder wiedereingliedern?

Die Protagonisten des Films versuchen zumindest zweiteres und nehmen im Knast an einem Drehbuchschreibkurs teil – eine Art «Dead Poets Society», in der aber keine «You can do it if you really want»-Wohlfühlgeschichten geschrieben werden. Denn die Jungs erzählen aus ihrem Erfahrungsschatz: Unerwiderte Liebe, überforderte Eltern, Gang-Erlebnisse, Leichen im Nachbarshaus.

Opfer kommt zu Wort

Der Film lässt die Kids aber nicht als sympathische, von ihrer Kindheit verdorbene Unschuldslämmer dastehen. Denn nebst ihren Eltern und Geschwistern kommt in der Doku auch das Opfer von Jarad zur Sprache. Eine junge Frau, die nach Schüssen von ihm an den Rollstuhl gefesselt ist. Lebenslänglich würde sie den Täter aber nicht wegsperren, 40 Jahre, vielleicht 50 Jahre würden reichen, meint sie. Eine Minute später kommt der Vater des Täters zu Wort. Er zeigt Fotos von Jarads Schulabschluss und muss ebenfalls weinen, weil er seinem Sohn kein guter Vater war.

Ihr merkt: Der Film ist eine Gefühlsachterbahn sondergleichen. Und genauso wie er mit unseren Gefühlen spielt, so spielt er auch mit unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit. Wenn die Kids Basketball spielen oder gemeinsam an ihrem Drehbuch feilen, kann man nicht verstehen, wieso sie keine zweite Chance erhalten werden. Sobald man aber Überwachungskameraaufnahmen von ihren Taten sieht, denkt man sich nur noch: Fuck, du Tubel, wieso musstest du das nur verkacken?

Was tun?

Alles in allem ist der Film grossartig. Und er stellt die verdammt wichtige Frage, was man mit Menschen in unserem Alter tun soll, die ihr Leben mit Gewalttaten an die Wand fahren. Soll man 16-Jährige wie die Amis bis zu ihrem Tod wegsperren? Oder soll man sie – wie hierzulande – maximal bis zum 22ten Lebensjahr verwahren und ihnen eine zweite Chance geben?


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179 Kommentare

Zar Michael vor 2 Monate
Hoi, Eidgenossen, nicht Feuer mit Feuer bekämpfen! Die Jungs brauchen Bildung, damit sie was mit ihrem Leben anfangen können. Jeder Mensch bricht das Gesetz, wenn er keinen Job und keinen Ausweg mehr hat, ausser die, die schon von Grund auf genug schlau sind. Von denen scheint' aber auch unter uns zu Mangeln, so wie ich das seh in den Kommis.. Darum Bildung an all die Menschen, die's nicht so einfach haben. Wäre mM auch die beste Lösung für Flüchtlinge!
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ANders vor 2 Monate
Mindestesns 10 Jahre wegsperren bei Mord und Tötungsabsicht egal wie alt die Täter sind, scheissegal wie alt. 10 Jahre sind nichts, die gehen so schnell um.
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DaDave79 vor 2 Monate
Buhuu, böse Usa, böseböseböse. Mag ja viel Scheiss passieren dort drüben. Aber dort darf man sich noch verteidigen oder wehren wenn man überfallen oder bei einem eingebrochen wird. Bei meinem alten Herrn wurde 4x eingebrochen. Erzählt dem mal was von stillhalten und nichts tun bis Polizei da ist. Und allen die hier mit verhältnismmässigkeit,verständnis und Menschenrechte gegenüber Tätern kommen. Euch wurden anscheinend noch nie die Zähne ausgeschlagen während ihr ans Bett gefesselt wart. Zeigt doch mal Verständnis wenn jemand aus eurer Familie vergewaltigt wird....aber diese Dinge geschehen euch ja nicht. Das geschieht ja nur im Film oder man liest drüber in der Zeitung.
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Kompromissfinder vor 2 Monate
Sagen wirs mal so...eine Zwischenlösung wäre gut...bis 30 Jahre in den Knast
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