«Impfungen sind der Einstieg in die Tattoo-Szene»

Ein renommierter Schweizer TV-Kritiker und eine Facebook-Seite wettern gegen Tätowierte. Wir haben uns in der Welt der Tattoohasser umgesehen.

Letzte Woche tippte sich TV-Kritiker René Hildbrand in Rage. Grund dafür waren die Tattoos der «Glanz & Gloria»-Moderatorin Bettina Bestgen, die im antiquierten Weltbild des Journalisten keinen Platz fanden. «Wenn ich Kriegsbemalung sehen mag, will ich nicht ‹G & G› einschalten müssen. Dann schaue ich mir einen Indianer-Film an. Und für Bauernmalerei fahre ich ins Appenzellerland», schrieb er. Und: «Sorry, aber eine so überladen ‹bemalte› Moderatorin lässt man nicht an einen Bundesrat ran.»

Immerhin: Ein kleiner Shitstorm folgte. Die Kolumne triefe vor Prüderie und wenn ältere Männer jungen Frauen Stiltipps gäben, sei halt nicht mehr zu erwarten. Abgesehen von ein paar Modeikonen stimmen wir dem natürlich zu. Aber Hildbrand demonstriert, dass wir uns heute noch für Themen einsetzen müssen, die 2017 schon lange vom Tisch sein müssten. Feminismus oder freie Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper beispielsweise. Denn leider ist der TV-Kritiker mit seinen abschätzigen Bemerkungen gegenüber Körperkunst nicht alleine.

«Tattoofrei» trollt fabulös

Die Speerspitze der Tattookritik im deutschsprachigen Raum ist die Facebook-Seite «Tattoofrei – Es ist schön, keine Tattoos zu haben». Und natürlich findet man da ein paar Parallelen zum TV-Kritiker: Das Abfeiern von «Reinhäuten» auf der Page erinnert an Hildbrands Indianervergleich und beide assoziieren Tattoos mit Kriminellen. Ansonsten sind die Parteien ziemlich unterschiedlich: «Tattoofrei» ist witzig und zumindest den Memes zufolge bereits im 21. Jahrhundert angekommen. Und natürlich ist sie Satire.

«Wenn man sein Ohr an einen Tätowierten hält, dann kann man die Polizei-Sirenen hören», postet die Seite beispielsweise. Oder: «Impfungen sind der Einstieg in die Tattooszene.» Unser Lieblingsspruch – erinnert ihr euch noch an unsere Einhorn-Tattoo-Session? – lautet aber wie folgt: «Mit jedem Stich in deine Haut stirbt ein kleines Baby-Einhorn.» Sniff.

Ein Oscar für Internet-Trolls

Die Page ist seit etwas mehr als zwei Jahren online und zählt über 400'000 Fans. Natürlich sorgte sie in der Zeit schon für einiges an Furore. Da «Tattoofrei» gerne bei anderen Seiten Kommentare hinterlässt, ist sie von diversen Betreibern geblockt: «Wer wird Millionär?», «Spiegel Online», «LeFloid» und natürlich auch von den «Böhsen Onkelz».

Obwohl wir Körperkunst lieben und grosse Fans von handgestochenen Tätowierungen sind – die Seite ist einfach zu gut, um sie nicht zu feiern. Gäbe es einen Oscar für Internet-Trolls – es gibt ja auch den Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte, da scheint das sehr realistisch zu sein – würden sich «Tattoofrei» und Martin Shkreli (der Typ mit asozialen Medikamentenpreisen und dem neusten Wu-Tang-Album) ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Journalisten-Memes als Antwort?

Wie ihr euch vorstellen könnt, erhält «Tattoofrei» in etwa so viel Hatemail wie ein Trans-Junge, der einen Wrestling-Wettkampf für Mädchen gewinnt. Als Antwort auf die Fanpost bastelt die Seite gerne Memes aus den Profilbildern der Hasskommentatoren. Vielleicht wäre das gar keine schlechte Vorgehensweise für die «Glanz & Gloria»-Moderatorin: Hildbrand-Memes. Vor negativen Reaktionen des TV-Kritikers müsste die Tätowierte dann wohl auch keine Angst haben. Denn wahrscheinlich ist Social Media für den Journalisten genauso Neuland wie Tattoos im Fernsehen.  


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117 Kommentare

kein Tattoo Fan vor 25 Tagen
Die einen können schreiben, die anderen spritzen sich die Tinte eben unter die Haut. Wer so aussehen möchte, bitte, aber wundert euch nicht, wenn ihr angeglotzt werdet. Behinderte können nichts dafür und werden angestarrt. Tätowierte und hardcore gepiercte sind selber schuld.
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Almi vor 28 Tagen
Seid😉 ich weiss dass es leute gibt die sich tödlich über Tattoos aufregen. Trage ich meine noch viel lieber und es werden immer mehr.
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Till_lindeman vor 28 Tagen
Was bitte schön sollen tattos mit echt geilen bands wie zum beispiel den onkelz oder freiwild zu tun haben? Absoluter schwachsinn dieser bericht! Aber wems gefällt soll gern seine zeit verschwenden mit solchem scheiss
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Antwort von Hanna Klein vor 28 Tagen
Da äußerst sich gerade jemand als Fan von Rechtsrock. Kein Fussbreit euch Faschisten, ob auf der Straße oder im Netz!!!!
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